Urteil in Mühlhausen gefallen Nach Messerattacke in Sondershausen: 35-Jähriger in Psychiatrie untergebracht

Ein Jahr nach einer lebensbedrohlichen Messerattacke auf seine Eltern muss ein 35-Jähriger auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie bleiben. In einem Sicherungsverfahren hat das Landgericht Mühlhausen festgestellt, dass der Sondershäuser an einer paranoiden Schizophrenie leidet und eine Gefahr für die Allgemeinheit ist.

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger bei der Urteilsverkündung am Landgericht Mühlhausen.
Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Vor knapp einem Jahr hat ein damals 34-Jähriger in Sondershausen seine Mutter und deren Lebensgefährten mit insgesamt sechs Messerstichen schwer verletzt. Beide erlitten nach Stichen in den Oberkörper schwere Verletzungen und konnten nur mit einer Notoperation gerettet werden.

Bei dem Angriff war der mittlerweile 35-Jährige schuldunfähig, wie sich beim Prozess herausstellte. Weil er an einer paranoiden Schizophrenie leidet, konnte er das Unrecht seiner Tat nicht einsehen. Laut Urteil des Landgerichtes Mühlhausen hat er eine gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen begangen; vom versuchten Totschlag sei er zurückgetreten, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Funke. Er habe die schwer verletzten Opfer zurückgelassen und sei geflüchtet; das sei als Rücktritt vom versuchten Totschlag zu werten.

35-Jähriger litt unter Verfolgungswahn

Der 35-Jährige habe schon drei Wochen vor der Tat an Verfolgungswahn gelitten. Er dachte, seine Handy sei gehackt worden und er werde abgehört. Er verdunkelte die Fenster und drehte im Wahn Filme am Straßenrand. Am Tatmorgen ist er laut Urteilsbegründung mit weit geöffneten Augen ins Wohnzimmer getreten. Dort schliefen seine Mutter und deren Lebensgefährte. Zuerst stach er auf den 58-Jährigen und später auf seine 54-jährige Mutter ein - jeweils dreimal. Schwer verletzt konnte der Mann den Notarzt rufen.

Der geflüchtete Angreifer wurde kurze Zeit später mit dem Polizeihubschrauber gefunden und festgenommen. Eine Platzwunde am Kopf erlitt er, weil der Lebensgefährte mit Gegenständen nach ihm geworfen hatte.

Wahnhaftes Verhalten hat sich durch Medikamente verbessert

Weil von ihm eine Gefahr ausgeht, dass er gleichartige Taten begeht, hat ihn das Landgericht Mühlhausen in der Psychiatrie untergebracht. "Sein wahnhaftes Verhalten hat sich durch die Einnahme von Medikamenten deutlich verändert", heißt es im Urteil. Es gebe erste Anzeichen für eine Besserung; er müsse aber weiterhin überwacht werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Anklage wegen versuchten Totschlags erheben wollen. Nach dem ersten psychiatrischen Gutachten wurde jedoch ein so genanntes Sicherungsverfahren beantragt. Dieses wird immer dann durchgeführt, wenn der Beschuldigte schuldunfähig ist und deshalb nicht zu bestrafen, sondern seine psychiatrische Unterbringung zu prüfen ist.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 15. Dezember 2021 | 15:00 Uhr

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