Ukraine-Flüchtlinge Von Kiew nach Mühlhausen: Wie eine Jugendliche ihren neuen Schulalltag erlebt

Auch in Thüringen sind Kinder und Jugendliche angekommen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind. In Schulen der Evangelischen Schulstiftung sitzen bereits 15 junge Ukrainerinnen und Ukrainer mit im Unterricht; auch Masha aus Kiew.

Schülerinnen und Schüler in einem Klassenzimmer.
Ankommen in einem völlig neuen Umfeld - so geht es derzeit vielen Jugendlichen aus der Ukraine. An Schulen werden erste Freundschaften geknüpft. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Die Klasse 9b sitzt im Raum 307 in der Chemiestunde. Mittendrin Masha aus Kiew. Die 16-jährige mit den lockigen Haaren ist vor zwölf Tagen aus der Ukraine geflüchtet. Mit ihrer Mutter und ihrer neunjährigen Schwester Evdokia. Ihr Vater musste zu Hause bleiben.

Ihre ältere Schwester lebt unweit von Tschernobyl in einem von der russischen Armee okkupierten Gebiet. Über Lwiw und Katowice sind Masha, ihre Mama und ihre Schwester nach Mühlhausen gekommen. Ein Onkel habe das vermittelt; sie wohnen jetzt bei Familie Neid in Lengenfeld unterm Stein. Dagmar Neid hat die Schwestern im Evangelischen Schulzentrum angemeldet, seit Dienstag gehen sie hier zur Schule.

Deutsch und Englisch im Untericht

Die Klasse 9b hatte am Montag von ihrer neuen Mitschülerin erfahren und überlegt, wie sie sich am besten mit der "Neuen" unterhalten können. Am Dienstag ging alles sehr schnell. Masha war plötzlich da. Sie haben ihr die Schule und die Mensa gezeigt. Dann saßen sie in einer Runde und haben geredet, alles auf Englisch. Masha lernt die englische Sprache seit der ersten Klasse: Jetzt wird auch bei der 9b viel mehr Englisch gesprochen, damit Masha alles versteht. Auch Chemielehrerin Manuela Zeuch wird jetzt wieder zweisprachig unterrichten. "Das klappt bestimmt", sagt sie. Man müsse es einfach bei den Unterrichtsvorbereitungen im Kopf haben.

Schüler helfen bei der Integration

Damit Masha immer nahe dran ist, haben Tessa, Enie, Christian, Line, Maria und die anderen aus der 9b die Tische verrückt. Jetzt sitzen mehrere Mitschülerinnen direkt neben ihr, um ihr jederzeit beim Verstehen des Unterrichtsgesprächs helfen zu können. So flüstern sie ihr beispielsweise zusätzliche Erklärungen zu.

Jeden Tag kommen neue Wörter hinzu

Der Empfang sei "warm" gewesen, sagt Masha. Die Mitschülerinnen lassen sie nicht mehr aus dem Auge. Tessa, Sarah und die anderen haben auch schon einen Stadtrundgang durch Mühlhausen organisiert. Sie wollen viel Freizeit mir ihr verbringen, haben sie sich vorgenommen. Die ersten Wort auf Deutsch kann sie auch schon. "Zitrone, Möhre, Fleisch, Hallo" fallen ihr spontan ein.

Homeschooling zum Kriegsbeginn in der Ukraine

Masha selbst ist erleichtert: Zur Schule zu gehen sei besser als zu Hause sitzen und zu warten. Jeden Tag telefoniert sie mit ihrem Vater und hofft, ihn bald wiederzusehen. Seit zwölf Tagen ist sie weg von Zuhause. In Deutschland Flugzeuge zu sehen, die keine Gefahr bedeuten, sei ein gutes Gefühl. Zu Hause haben sie seit Kriegsbeginn Homeschooling online gehabt.

Jetzt darf sie wieder in einer Schulklasse sitzen. Nach Angaben der Evangelischen Schulstiftung besuchen mittlerweile etwa 15 Kinder und Jugendliche Schulen in Mühlhausen, Altenburg und Erfurt; es werden jeden Tag mehr. Überlegungen zu speziellen, auf die Ukrainer zugeschnittenen Angebote gebe es bereits. Auch Lehrer aus der Ukraine würden gesucht.

MDR (mm)

Mehr aus der Region Nordhausen - Heiligenstadt - Mühlhausen - Sömmerda

Mehr aus Thüringen