Altes Handwerk Neue Mühle in Kirchheilingen erinnert an die schwere Arbeit der Thüringer Waidbauern

Ein riesiger Sandstein, ein Mühlboden aus Beton und ein Gerüst aus dicken Balken. Daran eine Vorrichtung, um ein Pferd einzuspannen, das die Mühle antreibt. Die neue Mühle in Kirchheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis soll vor allem jungen Menschen die schwere Handarbeit ihrer Vorfahren vor Augen führen.

Werner Schmidt aus Neunheilingen mit Pferd Hans und Hans Dölle, Vorsitzender des Heimatvereins Kirchheilingen, an der neu gebauten Mühle, die in Kirchhheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis an die Tradition des Waidhandwerks erinnert.
Werner Schmidt aus Neunheilingen mit Pferd Hans und Hans Dölle, Vorsitzender des Heimatvereins Kirchheilingen, an der neu gebauten Mühle, die in Kirchhheilingen im Unstrut-Hainich-Kreis an die Tradition des Waidhandwerks erinnert. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Im Mittelalter gab es in Kirchheilingen insgesamt vier Mühlen. Die Flurnamen Waidpforte und Waidberg erinnern bis heute an das traditionelle Handwerk. Auf den Feldern nebenan wurden damals wie im ganzen Thüringer Becken Waidpflanzen angebaut, um blaue Farbe für Textilien zu gewinnen. Die Pflanzen wurden abgeschnitten, die Blätter gewaschen und getrocknet. Ein ruhiges Pferd bewegte den riesigen Waidstein, um die Blätter zu zerquetschen. "Diese wurden regelmäßig umgeschaufelt und von den Frauen zu Waidbällchen geformt", erklärt Helga Dietrich vom Heimatverein die sehr aufwändige und körperlich schwere Arbeit. Die getrockneten Bällchen wurden dann in die Waidstädte zu den Färbern und Händlern gebracht. Von Kirchheilingen aus hauptsächlich nach Tennstedt und Langensalza aber auch in Richtung Wanfried, um vom dortigen Hafen mit dem Schiff weitertransportiert zu werden.

Einst fünf Thüringer Waid-Städte

Thüringen hatte im Mittelalter fünf Waid-Städte: Erfurt, Arnstadt, Tennstedt, Langensalza und Erfurt. In der einstigen Hochburg Erfurt erinnert zum Beispiel noch heute der Waidspeicher an dieses Handwerk; zugleich ein ganz wichtiger Wirtschaftszweig für die Bauern, Färber und Händler. Das änderte sich spätestens im 19. Jahrhundert, als die ersten Farbstoffe chemisch hergestellt wurden.

Einst vier Waidmühlen

In Kirchheilingen hat es vermutlich seit dem 13. Jahrhundert vier Waidmühlen gegeben; die nach dem Dreißigjährigen Krieg zurückgefahren wurden. Auch, weil bereits ab 1500 der Asienhandel aufkam und die Indigopflanze aus Indien qualitativ besser und preiswerter war. Um 1630 wurde noch in 30 Thüringer Dörfern Färberwaid angebaut. Die letzte Waidmühle der Region lief bis 1912 in Pferdingsleben im Kreis Gotha.

Noch 300 Waidsteine zu finden

Helga Dietrich hält eine Waid in der Hand, im Hintergrund steht die neue Waidmühle in Kirchheilingen.
Helga Dietrich hält eine Waid in der Hand, im Hintergrund steht die neue Waidmühle in Kirchheilingen. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Thüringenweit sind noch an 300 Stellen Waidsteine zu finden, hat Helga Dietrich herausgefunden. Selten in einer Mühle wie in Ballstedt, Hochstedt, Pferdingsleben oder Rohrborn- Häufiger sind Mühlsteine als Tischplatten oder einfach auf der Erde liegend. In Kirchheilingen stehen neben der neuen Mühle auch Schautafeln mit zahlreichen Informationen zur Geschichte des Waidanbaus.

Heimatverein will neugierig machen

Die neue Waidmühle in Kirchheilingen soll als Denkmal neugierig machen, sagt Helga Dietrich. Insgesamt fast 24.000 Euro hat die neue Mühle gekostet; sie ist mit Fördermitteln und Spenden finanziert worden. Beim Tag des offenen Denkmals im September soll sie zum Anschauen . Der Heimatverein Kirchheilingen will vor allem Schulen und Kindergärten einladen, um sich über Handwerk, Mühle und Färbetechniken zu informieren. Den Heimatverein gibt es seit 1996. Vorsitzender ist Hartmut Dölle. Der Verein kümmert sich auch ums Dorfmuseum und um traditionelle Feste wie die Spinnstube in Kirchheilingen.

MDR (ask)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Vormittag | 18. April 2022 | 10:45 Uhr

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