Festivals 9.000 Metalfans beim Party.San Open Air auf dem Flugplatz Obermehler-Schlotheim

Der Flugplatz bei Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis ist bei Metalfans in ganz Europa bekannt. Zum zehnten Mal wurde dort das Party.San Open Air gefeiert. An die 60 Bands traten auf, 9.000 Fans kamen. Schon laufen die Planungen für 2023.

Vier Besucher eines Musikfestivals.
Zelten und feiern bei Hitze. Die Party.San-Besucher konnten sich mit kostenlosem Trinkwasser versorgen. Hin und wieder gab's aber ein anderes Getränk. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Die Ruhe ist zurück. Erschöpft, müde und teils sonnenverbrannt haben etwa 9.000 Metalfans den Flugplatz zwischen Obermehler und Schlotheim am Sonntag verlassen. Sie haben Zelte und Schlafsäcke in Autos und Transporter geworfen, Heringe und leere Bierdosen aufgesammelt und eine Menge Staub und Heu aus Socken, T-Shirts und Haaren geschüttelt. Und während sie auf dem Weg in Richtung Hamburg, Nürnberg, Rotterdam oder Budapest sind, erobern Tausende Grashüpfer die Felder zurück, auf denen drei Tage lang die Hölle los war.

Das Party.San Metal Open Air hat nach dreijähriger Coronapause ein fulminantes Comeback erlebt. Als das vielleicht populärste Szenetreffen des Landes vor zwei Jahren erstmals ausfallen musste, gaben nur wenige Leute ihre Tickets zurück. Die allermeisten behielten sie, um sobald wie möglich wieder in den Unstrut-Hainich-Kreis zu reisen.

Ein Gitarrist und ein Sänger auf der Bühne.
Ruhig-melodiöse Klänge kredenzten Katatonia aus Schweden den Festivalbesuchern. Die Programmgestalter setzen trotz hoher Dichte an Death und Black Metal auf ein vielfältiges Angebot. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Festival über Landesgrenzen hinaus bekannt

Dass die idyllische Region zwischen Mühlhausen und Sondershausen bei Liebhabern extremer Metal-Genres weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, ist dem Team um Festivalchef Mario Flicke zu verdanken: "Man kann wirklich stolz sein auf unsere Crew. Fast alle Helferinnen und Helfer sind uns trotz der langen Auszeit treu geblieben." Zwar habe es hinter den Kulissen hier und da gehakt, Technik musste gewartet werden, Arbeitsabläufe mussten sich erst wieder einspielen. Doch davon ist vor der Bühne nichts zu spüren.

Das ganze Spektrum gutturaler Sangeskunst

Fans des Thrash, Black und Death Metal erleben ein wahres Feuerwerk an Genre-Highlights. Carcass aus England sind dabei, Dismember aus Schweden, Cannibal Corpse aus den USA - allesamt Gründungsväter der aggressiveren Spielarten des Heavy Metal. Dazu gesellen sich jüngere Bands wie Saor, Uada und Der Weg einer Freiheit.

Die Gitarren klirren, der Bass dröhnt, das Schlagzeug knallt, und die Sänger poltern durchs ganze Spektrum gutturaler Sangeskunst. Krach für ungeübte Ohren - ein dissonanter Wohlklang für den Kenner. Hier spielen vor allem Bands, die in dieser Anzahl für größere Events zu sperrig, hart und finster sind.

Impressionen vom Party.San Metal Open Air 2022

Ein Gitarrist und ein Bassist auf der Bühne.
Die Band High Spirits mit weißen Hosen und Gitarren - ein Hingucker beim Party.San Open Air. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Gitarrist und ein Bassist auf der Bühne.
Die Band High Spirits mit weißen Hosen und Gitarren - ein Hingucker beim Party.San Open Air. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Konzertbesucher mit einer ukrainischen Flagge.
Mit der entsprechenden Flagge begrüßen Fans die ukrainische Band 1914. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Gitarrist auf einer Bühne.
Death Metal aus Niedersachsen: die Band Slaughterday auf dem Flugplatz Obermehler-Schlotheim. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Vier Metalfans gehen über ein Festival-Gelände.
Die allermeisten der 9.000 Besucher übernachten beim Metal-Festival in Zelten neben der Start- und Landebahn. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Konzertbesucher applaudieren einer Band auf der Bühne.
Drei Tage lang Metal der extremen Spielarten - etwa von Blood Incantation aus Denver/Colorado. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Mann mit Hut ruht sich auf einem Festivalgelände aus.
Wasser und Ruhepausen - angesichts der großen Hitze unabdingbar. Bildrechte: MDR/Martin Moll
Ein Sänger mit langen Haaren bei einem Konzert.
Seit den späten Achtzigerjahren im Metal-Geschäft aktiv: Cannibal Corpse aus den USA. Bildrechte: MDR/Martin Moll
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2022 | 19:00 Uhr

Aus Liebe zum Metal von Mexiko nach Thüringen

Zwei Fans haben den Weg aus Mexiko nach Thüringen auf sich genommen. Diana und Anna haben schon vor Jahren von Schlotheim gehört. "Als wir mitbekommen haben, dass Misery Index hier spielen, mussten wir hin". Ja, auch in Mexiko gebe es Metal-Festivals, erzählen die beiden Freundinnen. Doch das Party.San Open Air sei einzigartig. "Hier spielen so viele gute Bands, die man in diesem Umfang sonst nirgends zu Gesicht bekommt. Und zum anderen merkt man, dass die Veranstalter in Bühnentechnik, Licht- und Soundsysteme investieren - das kommt woanders gern zu kurz, und darunter kann das Festivalerlebnis leiden. Hier stimmt einfach alles."

Zwei Frauen auf einem Musikfestival.
Festivals weltweit besuchen Anna und Diana aus Mexiko. Vom Party.San in Thüringen schwärmen sie besonders. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Das sehen auch die Bands so. Viele loben das Festival und die Gastfreundlichkeit, mit der sie in Thüringen empfangen werden. Neben der Bühne, am Stand eines bekannten Szenemagazins, signieren Musiker Poster, Platten und CDs. Tonträger werden weiterhin gekauft, auch auf dem Festival. Geld, das übrig bleibt, wird in Bier und Speisen investiert. Neben der obligatorischen Bratwurst kann sich der Metalfan auf dem Party.San bereits seit Jahren auch vegan, vietnamesisch oder afghanisch stärken.

Eine Frau zapft Bier.
Fast so wichtig wie die Musiker: Die Damen und Herren hinterm Tresen. Viele helfen seit Jahren ehrenamtlich beim Party.San Open Air mit. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Fans und Bands beim Party.San auf Augenhöhe

Überhaupt ist das mit Klischees so eine Sache. Während nicht wenige Musiker auf martialische Ästhetik setzen und Inspiration aus düsteren Ecken der Psyche oder aus dunklen Kapiteln der Menschheitsgeschichte ziehen, entpuppen sie sich während Ansagen oder beim Plausch nach dem Konzert als, nun ja, als Menschen, die gern Musik machen, und das am liebsten auf der Bühne. Als Menschen, die über die Jahre aus ihrer Leidenschaft einen Job erschaffen haben; mit straffen Tour- und Probeplänen, mit Vermarktung und mit Buchhaltung. Die Balance zu finden zwischen Professionalität und Liebe zur Musik - das ist die Herausforderung, die es zu meistern gilt.

Ein Festival wie das Party.San Open Air, bei dem sich Bands und Fans oft auf Augenhöhe begegnen, zeigt, dass dieser Spagat möglich ist. Nicht zuletzt dank den Leuten hinter dem markanten Festival-Schriftzug. Denn während die letzten Zäune und Bühnenteile abgebaut werden - bis Dienstag soll der Flugplatz aussehen wie vorher -, wird bereits aufs nächste Jahr geblickt. Der Vorverkauf für 2023 soll im September beginnen.

Fans bei einem Musikfestival.
"Partysanen" in der ersten Reihe. Der Biertisch im Publikum wurde allerdings schnell wieder an seinen ursprünglichen Platz geräumt. Bildrechte: MDR/Martin Moll

MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. August 2022 | 19:00 Uhr

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