Ukraine-Krieg Von der Montage in den Krieg: Ukrainer aus Schlotheimer Tiefbaufirma müssen kämpfen

Der Krieg in der Ukraine ist längst in Thüringen spürbar. Auch in Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis. Dort mussten ukrainische Monteure einer Tiefbaufirma in die Ukraine zurück, um für ihr Land zu kämpfen.

Vassja Baran mit seinen drei Söhnen Jewgeni, Patrick und Sergey
Vassja Baran mit seinen drei Söhnen Jewgeni, Patrick und Sergey. Bildrechte: MDR/ privat

Die Monteurswohnung bei der Schlotheimer Tiefbaufirma Knaak Rohrvortrieb steht leer. Vassja Baran (47) und die drei Söhne Jewgeni (18), Patrick (22) und Sergey (19) sind seit drei Jahren für das Unternehmen als Montagearbeiter beschäftigt. Die Barans kamen immer für den Zeitraum, den das Visum zuließ.

"Vassja und immer zwei seiner drei älteren Söhne sind monatsweise bei uns in der Firma", sagt Geschäftsführerin Anja Schnepfe. Der 47-jährige Familienvater und seine Söhne gehören zu den 90 Mitarbeitern des Unternehmens, jeder zweite ist aus dem Ausland.

Verhaftung als Kriegsverweigerer droht

Vor zwei Wochen, kurz vor Kriegsbeginn in der Ukraine hat sich die Situation das erste Mal zugespitzt. Vassja Baran sollte sich zum Militärdienst einfinden. Barans Frau habe das zunächst abschwächen können. Sie sagte, er sei in Deutschland arbeiten. In der vorigen Woche wurde das ukrainische Militär konkreter: Baran habe sich bis 7. März bei der Truppe einzufinden, ansonsten werde er bei der nächsten Einreise als Verweigerer verhaftet.

Vassja Baran mit seinen zwei jüngsten Kindern.
Vassja Baran mit seinen zwei jüngsten Kindern. Bildrechte: MDR/ privat

"Wir haben auch versucht, etwas hinzubekommen, seine Familie herzuholen, um dann ihn vielleicht auch hier halten zu können", blickt Anja Schnepfe zurück. Das hätte aber nur für die Frau und die beiden kleinen Kinder geklappt. Patrick Baran, der älteste Sohn, hätte sowieso schon nicht mehr aus der Ukraine ausreisen dürfen. Er habe stattdessen zu Hause eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen und patrouilliere durchs Dorf.

Das ist sehr beklemmend. Wir leiden alle mit. Wenn man jemanden kennt, ist das schon derb. Bisher war alles weit weg. Aber wenn man jemanden kennt, ist das anders.

Arbeitskollegin Sabine Ottmer

Täglicher Kontakt zu ukrainischem Kollegen

Vorige Woche haben Arbeitskollegen Vassja Baran und seine zwei anderen Söhne an die polnische Grenze gebracht. Die Schnepfes telefonieren seit dem täglich mit ihm: "Er will sein Handy mitnehmen und uns informieren. Ob das noch geht, wenn er an der Front ist, wissen wir nicht. Es ist alles ungewiss."

Sehen wir uns wieder? Was passiert mit ihm und seiner Familie? Müssen die beiden 18 und 19 Jahre alten Söhne auch an die Front? Das sind die Fragen, die sich das Ehepaar Anja und Sandro Schnepfe stellen. Sandro Schnepfe habe von Vassja Baran mittlerweile erfahren, dass inzwischen Flüchtlinge aus Kiew bei ihm in der Westukraine wohnen.

Anja und Sandro Schnepfe von der Firma Knaak Rohrvortrieb.
Anja und Sandro Schnepfe, Inhaber der Firma Knaak Rohrvortrieb. Bildrechte: MDR/ Sandro und Anja Schnepfe

Wenn nur noch Hoffen und Bangen bleibt

Die Barans sind über einen früheren Mitarbeiter zur Schlotheimer Firma gestoßen. "Die haben Tiefbauarbeiten gemacht, die können mauern, pflastern, Zäune setzen. Auf die war Verlass auf jeder Baustelle", sagt Anja mit Tränen in den Augen. Die letzte Baustelle war in Dresden.

Anja Schnepfe hat vorige Woche Vassja Baran die Sachen und sein Geld aus der Monteurswohnung gebracht. "Die Gefühlswelt geht hoch und runter. Wenn man direkt damit zu tun hat, ist es noch schlimmer. Es zieht einen ziemlich runter", sagt Sandro Schnepfe. "Wir wissen nicht, wie die Sache für ihn ausgeht", fügt seine Ehefrau hinzu.

ine Spendendose steht auf einem Tisch der Firma Knaak Rohrvortrieb.
Eine Spendendose für die Menschen in der Ukraine steht in der Firma. Bildrechte: MDR/ Sandro und Anja Schnepfe

In der Schlotheimer Firma stehen Spendendosen in Blau-Gelb. Die Kollegen hoffen und bangen. Mehr können sie im Moment nicht für ihre ukrainischen Kollegen tun.

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MDR (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 07. März 2022 | 07:10 Uhr

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