Wissenschaftlich oder nicht? Umstrittenes Klima-Institut EIKE tagt in Gera - Protest von Umweltverbänden

Während in Glasgow die Weltklimakonferenz zu Ende geht, trifft sich seit Freitag in Gera das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE). Die Konferenz findet im Kultur- und Kongresszentrum der Stadt statt. Im Vorfeld hatte es massiv Kritik von Umweltschutzverbänden gegeben. Fridays for Future hat unter anderem Mahnwachen und eine Kundgebung angekündigt. Was genau macht EIKE so umstritten?

Mehrere Menschen stehen mit Protestplakaten und Transparenten vor dem Kongresscenter in Gera.
Mehrere Organisation und Initiativen, darunter "Fridays for future" hatten zum Protest gegen die EIKE-Tagung aufgerufen. Bildrechte: MDR/Tanja Gorges

Im August dieses Jahres hat der Weltklimarat (IPCC) seinen neuen Bericht vorgelegt. Darin kommen die 243 Forscherinnen und Forscher zu dem Schluss: Die Erderwärmung sei zweifelsfrei menschengemacht. Der Klimawandel vollziehe sich sogar schneller und folgenschwerer als bislang angenommen.

EIKE lehnt diese Erkenntnis ab. Der Vorsitzende, Holger Thuß, schreibt auf eine Anfrage von MDR THÜRINGEN: "Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis für den 'menschengemachten Klimawandel'." Auf der Homepage des Vereins heißt es, die Behauptung eines menschengemachten Klimawandels sei "ein Schwindel gegenüber der Bevölkerung". Folglich lehne EIKE jegliche Klimapolitik ab.

Umweltverbände kündigen Kundgebung in Gera an

Vor diesem Hintergrund hat sich gegen die Konferenz in Gera Protest formiert. In einem offenen Brief haben sich verschiedene Umweltverbände wie BUND, Fridays for Future, Scientists for Future und auch die klimapolitische Sprecherin der Grünen im Thüringer Landtag, Laura Wahl, gegen die Konferenz positioniert. Sie sagt: "EIKE versucht mit gezielter Desinformation immer wieder, Zweifel an diesem Konsens zu streuen."

Auch, dass die Stadt Gera städtische Räume zur Verfügung stellt, hat zu Kritik geführt. Die Stadt selbst bekennt sich in einer Pressemitteilung zum Klimaschutz. Und weist einen Zusammenhang zwischen dem städtischen Leitbild zum klimabewussten Handeln sowie einer nachhaltigen Stadtentwicklung und dem Veranstalter von sich.

Mehrere Menschen stehen mit Protestplakaten und Transparenten vor dem Kongresscenter in Gera.
Protestierende vor dem Kongresszentrum in Gera. Bildrechte: MDR/Tanja Gorges

Geras Klimaschutzmanager überrascht

Thomas Krauße wurde von der Veranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum überrascht, sagte er auf Anfrage von MDR THÜRINGEN. Dass eine Konferenz von offenkundigen Klimawandel-Leugnern in städtischen Räumen stattfinde, findet er bedauerlich. Er hätte sich einen engeren Austausch innerhalb der Verwaltung gewünscht. Denn dann hätte man die Stadt über die Veranstaltung sensibilisieren können. Auf der anderen Seite sei es aber ein üblicher Vorgang, dass nicht alle Fachabteilungen über jeweilige Veranstaltungen informiert werden.

Holger Thuß, der EIKE-Vorsitzende, sieht den Verein angesichts solcher Kritik als Zielscheibe: "Wissenschaftler und Hotels werden bedroht, diskriminiert und verleumdet. Es wird offen auf eine Existenzvernichtung von Kritikern der Klima-Alarmisten hingearbeitet."

Zu dieser Aussage passt die E-Mail eines EIKE-Mitgliedes, die offenbar versehentlich versandt wurde und MDR THÜRINGEN vorliegt. Darin heißt es: "Wir lassen alle Demonstranten mit rein. Die werden allerdings die Gelegenheit nutzen, uns zu blockieren und rumzubrüllen, bis die Polizei räumt. Hätte aber den Vorteil, dass wir das filmen und online stellen können, was höchstwahrscheinlich eine Solidaritäts- und Spendenwelle zur Folge hätte - und wir werden bekannter."

Professor: "Wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen"

Trotz solcher Wortmeldungen sei EIKE dennoch offen für Austausch, sagt Thuß. Allerdings lehnten Referenten es aus den unterschiedlichsten Gründen ab, bei EIKE aufzutreten. Auch die Landtagsabgeordnete Wahl habe man zwischenzeitlich eingeladen. Wie diese allerdings sagte, habe sie die Einladung abgelehnt. Sie vermute, dass der Austausch nicht zielführend sei.

Nach eigenen Angaben zählt der Verein EIKE 120 Mitglieder und versteht sich als unabhängiger Zusammenschluss von Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Publizisten und Politikern. Ein sogenannter Fachbeirat habe enge Verbindungen zu "führenden Wissenschaftlern".

Dabei sei EIKE für einen Klimawandel-Diskurs nicht relevant, stellte Professor Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie in einem Beitrag für die ARD/ZDF-Plattform funk im März 2020 klar. "Sie sind wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen und setzen sich nicht kritisch mit den Themen Klimaschutz und Klimawandel auseinander."


Anmerkung der Redaktion: Aus rechtlichen Gründen haben wir das Zitat von Professor Fischedick vom Wuppertal Institut nachträglich gekürzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 12. November 2021 | 18:40 Uhr

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