Kreis Greiz Zahnarzt lehnt Corona-Impfung ab: Praxis in Zeulenroda-Triebes droht Schließung

Ab 16. März dürfen im Gesundheitswesen nur noch Menschen arbeiten, die gegen Corona geimpft sind. In Zeulenroda-Triebes im Kreis Greiz hat ein Zahnarzt seinen Beschäftigten deshalb gekündigt. Er lehnt die Impfpflicht ab.

Ein gelbes Schild hängt an einer Eingangstür.
Eine Zahnarztpraxis in Zeulenroda-Triebes kündigt an, Mitte März zu schließen. Grund ist die Corona-Impfpflicht für Beschäftigte in der Gesundheitsbranche, die der Zahnarzt ablehnt. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Dr. Rügers Zahnarztpraxis liegt in Triebes, einem Ortsteil von Zeulenroda im Landkreis Greiz nahe der Grenze zu Sachsen. Etwa 3.000 Menschen leben hier. Urlaubern ist der Ort durch das nahegelegene Zeulenrodaer Meer bekannt. In Triebes gibt es eine Apotheke, einen Friseur, zwei Einkaufsmärkte. Und zwei Zahnärzte. Einer davon ist Karsten Rüger. Gleich unten an der Eingangstür hat der Zahnarzt einen Aushang angebracht. Darauf informiert er die Patienten, dass er seine Praxis zum 15. März schließen muss. Und dass seine Praxis für eine "individuelle Impfentscheidung" stehe.

Hinter der Eingangstür an der Wand des Treppenhauses hat der Zahnarzt nochmal zwei Din A4 große Zettel aufgehängt. Auf dem ersten steht in roten Buchstaben: "Wichtige Information!", und dann: "Wir weisen darauf hin, dass wir auch weiterhin alle Patienten unabhängig von ihrer Religion, ihrer Hautfarbe und ihres Impfstatus gleich behandeln."

Der andere Aushang beginnt mit "Sehr geehrte von der 2G-Regel des Berliner Senats Betroffene". Darauf teilt der Zahnarzt seinen Patienten unter anderem mit, dass sich "sowohl Geimpfte als auch Genesene mit dem Coronavirus infizieren als auch das Virus weiter auf andere übertragen können".

Auf einer Türe steht Zahnarztpraxis
Mehrere Schilder wie diese sind in der Zahnarztpraxis aufgehängt worden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Die 2G-Regel "entbehre jeder medizinischen Begründung". Und weiter: "2G ist eine besonders verwerfliche Art der Diskriminierung", "2G ist Rassismus" und "Wehrt Euch mit allen Euch zur Verfügung stehenden friedlichen Mitteln gegen diese widerliche Menschenjagd auf Ungeimpfte!".

Der Ausgang trägt das Logo eines Vereins mit dem Namen "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie". Auch einen Stock höher, bevor es in die Praxis hineingeht, hat Karsten Rüger mehrere Aushänge angebracht, auf denen es um Impfstoffe und deren Wirkung geht.

Zahnarzt seit 29 Jahren mit Praxis in Triebes

In der Praxis werde ich freundlich von den Schwestern empfangen. Der Arzt behandelt noch einen Patienten. Ich darf im Wartebereich Platz nehmen. Mein Mikrofon habe ich in der Hand. Es ist startbereit. Ein älterer Mann kommt aus einem Behandlungszimmer. Ich frage ihn, wie er es findet, dass die Praxis möglicherweise Mitte März schließt? "Das wäre Wahnsinn", antwortet der Mann. "Wo sollen die vielen Patienten hin?", fragt er sich. "So viele Zahnärzte gibt es ja gar nicht und viele nehmen gar keine Patienten mehr an."

Während ich mit dem Mann spreche, gibt mir eine Mitarbeiterin vom Empfangstresen aus Zeichen. Ich soll das Interview abbrechen. Ich höre, wie sie sagt: "Alles Lug und Trug. Von wegen man will uns hier was Gutes tun." Kurz danach begrüßt mich Karsten Rüger. Freundlich mit Handschlag. Er bittet mich in einen Nebenraum. Dort soll ich mein Mikrofon ablegen. Er möchte mir zuerst die Praxis zeigen - ohne Mikrofon.

Seine Praxis hat Karsten Rüger vor 29 Jahren, im Januar 1993, mit drei Mitarbeitern eröffnet. Über die Jahre ist sie gewachsen. Ein Labor gehört heute dazu. 19 Menschen arbeiten hier. Knapp 6.000 Patienten werden betreut. Eine der größten Zahnarztpraxen in der Region, sagt Karsten Rüger.

Er kümmere sich auch um Patienten in Pflegeheimen, einen Kindergarten und er arbeitet, wenn nötig, auch am Wochenende. Das Gebäude, in dem die Praxis liegt, hat er inzwischen gekauft. "Das ist mein Lebenswerk, das ich aufgebaut habe", sagt er. "Eigentlich wollte ich das in ein paar Jahren an meinen Sohn, der auch Zahnarzt geworden ist, übergeben."

Impfpflicht: Zahnarzt kündigt seinen Mitarbeitern

Stattdessen hat er seinen Mitarbeitern jetzt zum 15. März gekündigt - kurz nachdem das Gesetz zur Impfpflicht für Pflegepersonal im Dezember beschlossen wurde. Karsten Rüger und die meisten seiner 19 Mitarbeiter sind nicht gegen das Coronavirus geimpft. "Eine andere Möglichkeit, als meinen Mitarbeitern zu kündigen, habe ich nicht gesehen", sagt er. "Denn wenn ich hier als Chef nicht mehr rein darf, muss ich die Praxis schließen".

Er fügt hinzu: "Das ist die schlimmste Katastrophe in meinem Leben." Trotzdem: Er möchte sich nicht gegen Corona impfen lassen. Seine Argumente: "Ich sehe es als ein Grundrecht an, frei zu entscheiden, was ich mit meinem Körper mache." Und: Er habe Angst vor Nebenwirkungen und sei außerdem bereits an Corona erkrankt gewesen. Er habe es überstanden und einen Antikörpertest gemacht.

Ich sehe es als ein Grundrecht an, frei zu entscheiden, was ich mit meinem Körper mache.

Karsten Rüger, Zahnarzt in Zeulenroda-Triebes

Bei unserem Interview legt Karsten Rüger auch das lokale Anzeigenblatt "Neues Gera" auf den Tisch und zeigt mir einen Artikel. Der Titel: "Es ist wahrscheinlicher am Impfstoff zu sterben als an Corona." Der Text stammt aus einem Blog im Internet, von Dieter Böhme, einem Physiker aus Gera, der Vorträge und Texte für die AfD verfasst. Darin fasst Böhme - so wörtlich - fünf Wahrheiten zu Covid-19 zusammen. Diese stammen von einem amerikanischen Kardiologen und widersprechen den Fakten seriöser Wissenschaftler.

Das Blatt gibt der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Geraer Stadtrat, Harald Frank, heraus. Trotzdem oder gerade deshalb ist es Karsten Rüger wichtig zu betonen: "Ich möchte nicht in die rechte Ecke geschoben werden. Die Leute, die andere Meinungen haben, werden sofort stigmatisiert, sind alles Rechte, Querdenker." Man müsse wieder an einen Tisch zurückkommen, miteinander reden können, Argumente austauschen können, sagt er.

Die Mitarbeiter in seiner Praxis belastet die drohende Schließung. Trotzdem möchten sich die meisten nicht impfen lassen und nehmen die Position des Arztes ein. Nur vier Mitarbeiter seien geimpft. Eine Zahntechnikerin hat sich jetzt doch für die Impfung entschieden. Sie sagt: "Ich habe mich nach langem Zögern für das Impfen entschieden. Allerdings war der Hauptgrund, dass ich mit diesen Aussagen und Vorwürfen, die man bekommt: 'Ungeimpfte sind unsolidarisch und tun nichts für die Gemeinschaft', dass ich damit nicht zurechtkam."

Praxis droht Schließung: Das sagen Patienten und Einwohner

Verständnis für den Arzt und seine Mitarbeiter - Patienten und Einwohner in Zeulenroda-Triebes sind da unterschiedlicher Meinung: "Das wäre Wahnsinn", sagt ein Patient. "Von der Qualität her wüsste ich keinen besseren." Ein anderer meint: "Dafür habe ich kein Verständnis. Die Ärzte haben doch einen Eid geschworen, dass sie für alle Menschen da sind. Die können doch nicht einfach zumachen."

Eine Frau sagt: "Die Impfpflicht finde ich nicht in Ordnung. Jeder muss das für sich entscheiden." Ein Mann meint: "Ich verstehe nicht, dass sich das Personal im Gesundheitswesen teilweise nicht impfen lässt, damit die gesundheitliche Versorgung beibehalten werden kann. Wir leiden darunter." Und: "Gerade Ärzte und Pflegekräfte müssten sich doch aus Vernunft impfen lassen. Dafür habe ich kein Verständnis."

Viele befürchten, dass es schwer werde, einen anderen Arzt zu finden. Denn: Die Ärzte in der Region hätten teilweise schon zu viele Patienten - und würden oft keine neuen mehr aufnehmen. Ob seine Praxis tatsächlich schließen muss, sei noch nicht ganz sicher, sagt der Zahnarzt. Entscheiden werde das Gesundheitsamt - und dessen Entscheidung stehe noch aus. Termine zur Zahnkontrolle vergibt er zumindest noch - für die Zeit nach dem 15. März.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 19. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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