Neuer Supermarkt eröffnet Versorgungslücke im Landkreis Greiz geschlossen

Autorenbild Franziska Heymann
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

"Hurra, hurra, endlich ist wieder ein Supermarkt da." Das dürfte die Gemütslage vieler Mohlsdorfer beschreiben, denn vier Jahre lang mussten diese für Butter, Mehl oder frisches Obst einige Kilometer fahren. Seit Donnerstag ist das vorbei - pünktlich um 7 Uhr öffnete ein Supermarkt.

zwei Frauen an einer Supermarkt-Kasse
Marktleiterin Diana Raffelt (stehend) und Kassiererin Anita Wosinski freuen sich, dass es endlich losgeht. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Ein Einkaufswagen nach dem anderen rollt an eine der beiden Kassen. Kassiererin Anita Wosinski hat gut zu tun und zieht mit einem Piepen die Artikel über den Scanner. Die junge Frau stammt aus Mohlsdorf und freut sich, nun auch dort arbeiten zu können: "Perfekt, gerade mit Kindern."

Supermarkt samt Bäcker und Fleischer, Kindergarten, Grundschule - mit der Neueröffnung hat der kleine Ort am südöstlichen Zipfel des Landkreises Greiz wieder für alle Generationen was zu bieten.

6.000 Produkte auf 750 Quadratmetern

Für Marktleiterin Diana Raffelt und ihr Team waren die vergangenen anderthalb Wochen besonders anstrengend. "Von früh um sieben bis abends um sieben haben wir in Schichten aufgefüllt, saubergemacht, umgeräumt, wieder geräumt, Preise gesteckt, ausgepackt", zählt sie auf. Rund 6.000 Produkte mussten in dem gut 750 Quadratmeter großen Markt eingeräumt werden.

Für Raffelt ist es nicht die erste Markteröffnung, sie strahlt von einem Ohr zum anderen, dass nun alles läuft. Die Kunden schlendern glücklich durch die Gänge, und auch manch Lieferengpass kann ihr am sonnigen Eröffnungstag nicht die Laune verhageln.

ein Gang in einem Supermarkt mit Regalen und Heidekraut
Rund 6.000 Artikel des täglichen Bedarfs warten auf die Kunden. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Drei Wochen früher als geplant konnte der Markt an der Landesstraße zwischen Greiz und dem sächsischen Werdau eröffnet werden. Dafür hatten auch die Bauarbeiter Sonderschichten eingelegt - beinahe täglich beobachtet von Bürgermeisterin Petra Pampel (IWA Pro Region). Die ehemalige Bauamtschefin der Gemeinde hatte um einen neuen Supermarkt gekämpft, seit der letzte 2018 geschlossen hatte. "Wir hatten nichts mehr, nur noch einen Blumenladen - und das ist zu wenig trotz der Nähe zu Greiz", sagt Pampel.

Grundstückseigentümer wünschte sich Supermarkt

Dabei hatte Mohlsdorf interessierten Versorgern einiges zu bieten: Ein Baugrundstück samt Baurecht an einer viel befahrenen Landesstraße zwischen Greiz und dem sächsischen Werdau. Grundstückseigentümer Horst Weber hätte die ein Hektar große Fläche schon lange verkaufen können - wollte aber immer einen Supermarkt in den kleinen Ort holen.

"Ich vermiete auch Wohnungen und mir sind schon Interessenten abgesprungen, weil wir hier nichts zum Einkaufen haben", sagt er mit einem Augenzwinkern über die vielleicht nicht ganz uneigennützigen Verkaufspläne. "Fünf oder acht Kilometer zum nächsten Ort zu fahren, das ist vielen nichts. Der neue Markt ist eine Bereicherung", freut sich Weber.

sechs Personen schneiden vor einem Supermarkt ein Band durch
Bürgermeisterin Petra Pampel (3.v.l.) freut sich "wie ein Kind" über den neuen Supermarkt, auch Marktleiterin Diana Raffelt (2.v.r.) strahlt mit der Sonne um die Wette. Die Männer von Bauunternehmer Bittermann (rechts) legten auf dem Gelände des ehemaligen Grundstückseigentümers Horst Weber (3.v.r.) Sonderschichten ein, angetrieben von Projektleiterin Chantal Röhne (2.v.l.). Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Doch trotz bester Voraussetzungen: "Finden Sie mal einen Nahversorger, der in so einer kleinen Ortschaft investiert", seufzt Bürgermeisterin Pampel. Fünf Unternehmen habe sie 2018 angeschrieben, um schnellstmöglich die Grundversorgung wieder sicherzustellen. Lange kam keine Reaktion. Im Mai 2019 rief dann ein Vertreter an, der sich vor Ort die Begebenheiten anschaute. "Da hatte ich nach einer Stunde ein gutes Gefühl", erinnert sich die Rathauschefin.

Landgemeinde überzeugt Hamburger Analysten

Gut 4.500 Einwohner zählt die weitläufige Landgemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf und ist damit für Vertriebsleiter Klaus Stahl durchaus interessant. "Wir sehen uns nicht als Discounter, sondern als Nahversorger, der seine Kunden im Umkreis von vier Kilometern generiert", sagt er.

Nach dem Hinweis von der Bürgermeisterin hätten Analysten aus Hamburg die Gegend inspiziert - und waren offenbar nicht nur von der idyllischen Lage der weitläufigen Landgemeinde zwischen Feldern und Wäldern, Wiesen und Tälern begeistert, sondern auch vom potenziellen Kundenstamm.

ein Kunde und zwei Verkäuferinnen an einer Supermarkt-Kasse
In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die Kunden wirklich zufrieden sind. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Zwischen 500 und 600 Kunden müssten täglich den Supermarkt in Mohlsdorf besuchen, damit dieser für die Edeka-Unternehmensgruppe rentabel ist und das Nahversorgerkonzept auf dem Land aufgeht. "Der Standort ist absolut super gelegen an der Landesstraße", ist Pampel überzeugt. Die wuselige Rathauschefin freute sich zur Eröffnung am Donnerstag nach eigener Aussage "wie ein Kind". Die ersten drei Kunden empfing sie morgens um sieben höchstpersönlich.

Große Unterstützung für Investoren

Gebaut wurde der Supermarkt von einem Investor. Für den Abriss der alten Lagerhallen und Schuppen organisierte die Bürgermeisterin Fördermittel über ein Revitalisierungsprogramm. Diska ist nun Hauptmieter und investierte laut Stahl rund 300.000 Euro in die Ausstattung des Marktes. Die Kunden sind begeistert, auf Nachfragen von MDR THÜRINGEN freuten sich Jung und Alt über die nun kurzen Wege und das ihrer Ansicht nach überraschend umfangreiche Angebot.

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MDR (gh)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 27. Oktober 2022 | 18:00 Uhr

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