Firmenjubiläum 30 Jahre Intershop in Jena: Umsatz soll wieder deutlich wachsen

Das Software-Unternehmen Intershop aus Jena unterstützt Händler darin, ihren Vertrieb zu digitalisieren. Nun feiert Intershop 30-jähriges Jubiläum. Wir haben mit dem CEO Markus Klahn über Zahlen, Entwicklungen und Produkte gesprochen.

Markus Klahn lächelt. Der Chief Executive Officer (CEO), also quasi der Geschäftsführer, von Intershop hat auch allen Grund dazu: Dem Unternehmen, das seit 30 Jahren auf dem Markt ist, geht es nach schweren Zeiten gerade wieder ziemlich gut.

Ein kurzer Blick zurück: Nach der Gründung 1992 verlief die Entwicklung zuerst erst einmal steil nach oben. Einige Jahre nach dem Börsengang 1998 erreichte die Aktie den Höchstkurs im Jahr 2000. Damals war die Intershop AG 11,3 Milliarden Euro wert. Nach dem Höhenflug folgte aber 2004 schnell der Absturz, als die Internetblase platzte. Nach einem jahrelangem Kampf ums Überleben schreibt Intershop aber nun seit über zwei Jahren schwarze Zahlen.

Intershop-CEO Markus Klahn spricht dabei von einem "profitablen Wachstumskurs" und berichtet darüber, wie positiv sich das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren entwickelt habe.

Wir schreiben schwarze Zahlen. Wir stellen wieder Mitarbeiter ein.

Markus Klahn CEO Intershop

"Das Gesamtwachstum liegt bei zehn Prozent, in einigen Geschäftsbereichen sogar deutlich über 30 Prozent", sagt er. "Wir sind im Moment bei knapp unter 40 Millionen Euro Umsatz und das werden wir im nächsten Jahr deutlich steigern können. Wir schreiben schwarze Zahlen. Wir stellen wieder Mitarbeiter ein."

Markus Klahn von Intershop in Jena
Der Chief Executive Officer (CEO) von Intershop, Markus Klahn, ist optimistisch. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Das sah vor einiger Zeit noch etwas anders aus. Vor vier Jahren, als Markus Klahn zum Unternehmen kam, sei es "in keinem idealen Zustand" gewesen. Man habe hohe Verluste geschrieben. "Wir haben uns dann auf eine gemeinsame Sanierungsreise begeben."

Vor allem der Vertrieb sei optimiert, das Angebot inhaltlich attraktiver gestaltet worden. Heute sagt der CEO: "Wir freuen uns auf die Zukunft. Alle Ampeln stehen auf Grün für die nächsten 30 Jahre."

Es begann mit CDs in einer Schachtel

30 Jahre zuvor, 1992, hat alles mit "CDs in einer Schachtel" begonnen. Darauf war ein Software-Programm gespeichert, mit dem die Kunden ihr Angebot im Internet präsentieren konnten: Kunden waren damals etwa Quelle, Otto oder Neckermann.

Doch nicht nur die großen Distanz-Händler nutzten das Produkt aus Jena. Sondern jeder, der wollte. "Zeitweise konnte man die CD sogar in der Computerabteilung bei Karstadt kaufen", erzählt Markus Klahn. Dass auf diese Weise jeder etwas im Internet verkaufen konnte, das war neu vor 30 Jahren.

Heute vermietet Intershop Software

"Nach den CDs kamen die DVDs und danach gab es die Software nur noch zum Herunterladen und Installieren auf dem eigenen Server", erzählt Markus Klahn weiter.

Und heute? Heute wird die Software vermietet: "Das heißt, sie steht fertig installiert in einer Cloud, also auf Servern. Die Kunden können dieses Mietangebot wahrnehmen und dort Ihre Produkte platzieren und verkaufen." Der Kundenstamm, das Zielklientel, habe sich massiv verändert. Inzwischen setze Intershop seinen Fokus auf Geschäftskunden. Zu ihnen gehören BMW, Trumpf, Netto Online oder die Sport-Handelskette Foot Locker.

Finger tippen auf Computertastatur
Intershop bietet seine Software in einer Cloud an. (Symbilbild) Bildrechte: Colourbox.de

So funktioniert das Intershop-Angebot

Wie genau aber funktioniert das Angebot von Intershop? Markus Klahn: "Wir bieten die Standardtechnologie und beraten unsere Kunden, wie sie die dazugehörigen Methoden richtig anwenden."

Man schaue dafür mit den Kunden zusammen, welche Produkte verkauft werden sollen und welche Suchergebnisse auftauchen müssen. Möchte der Kunde zum Beispiel Kleidung verkaufen, spielt die Größe eine Rolle. Um das Aussehen der Website kümmerten sich Designer, manchmal auch Werbeagenturen.

"Das ist durchaus komplex", sagt Markus Klahn.  Die Software laufe ja nicht von alleine. Man müsse sie mit anderen Systemen verbinden, sogenannten Subsystemen, beispielsweise mit dem Lagerbestand.

Auch die entsprechenden Preise kämen aus Subsystemen und hinter dem Bezahlvorgang "stecken unterschiedliche Zahlungsdienstleister und so verbinden wir uns zu der ganzen IT-Landschaft des Kunden und schaffen ein rundes Bild". Am Ende entstehe "eine sehr ansprechende Website", ist Klahn überzeugt.

Umsatzsteigerung durch Personalisierung

Das besondere Zauberwort gegenwärtig heiße Personalisierung. "Wenn Sie auf eine Website gehen, die von Intershop betrieben wird oder wo die Technologie von uns dahintersteckt, sind die Suchergebnisse, je nachdem, was Sie suchen, so angepasst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde die Ware kauft, höher ist. Wir kennen ja das Kaufverhalten des einzelnen."

Das führe zum einen dazu, dass der Käufer besser die Dinge findet, nach denen er sucht. Zum anderen: "Wir können nachweisen, dass die Umsätze dadurch steigen. Das macht mindestens 20 Prozent aus."

Das ist alles nicht nur 'Made in Germany', sondern 'Made in Jena'.

Markus Klahn CEO Intershop

Die Software dazu werde in Jena entwickelt, "das ist alles nicht nur 'Made in Germany', sondern 'Made in Jena'". Hier arbeiten 180 Mitarbeiter, 350 sind es weltweit und weitere 3.000 Menschen bei Partnern. Doch "hier in Jena ist unsere Zentrale." Zwei weitere größere Gruppen gebe es in Chicago (USA) und in Melbourne (Australien).

Intershop-Mitarbeiter auch in USA und Australien

"Da wir die Software vermieten, betreiben wir sie auch, das heißt: Wenn ein Kunde auf den unwahrscheinlichen Fall eines Fehlers stieße, übernehmen in der Nachtschicht unsere US-Amerikaner, für die dann noch Tag ist, und helfen dem Kunden weiter. Und wenn die Amerikaner zu Bett gehen, übernehmen die Australier und am Morgen geben sie die Kunden zurück nach Deutschland", erklärt der CEO. Das nenne sich neudeutsch dann "Follow the Sun" - übersetzt also: Folge der Sonne.

Jena von oben mit Eichplatz, Friedrich-Schiller-Universität und Intershop-Tower
Jahrelang sah man den roten Intershop-Schriftzug am Jentower. Nun ist er fort, das Unternehmen ist umgezogen. Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Die Kunden des Jenaer Unternehmens kommen zu 60 Prozent aus Deutschland, 40 Prozent verteilen sich über den Rest der Welt. Schwerpunktländer seien neben den USA Australien und Neuseeland.

90 Billionen Pakete dank Intershop frankiert

"Die australische Post ist seit vielen Jahren ein Intershop-Kunde. Wir frankieren dort 90 Millionen Pakete im Jahr. Aus Jena in die Welt kann man sagen", erzählt Markus Klahn. Auch in Europa, vor allem in Frankreich, Italien, Spanien und den Benelux-Ländern sei Intershop vertreten. Aber: "Wir haben keine Kunden in Russland und China."

Wir sind hier geboren, wir gehören zu der Stadt, wir bekennen uns ganz klar zu Jena und zu Thüringen.

Markus Klahn CEO Intershop

Bleibt ein weltweit agierendes Unternehmen wie Intershop in Jena? "Auf jeden Fall", antwortet Markus Klahn. "Wir sind hier geboren, wir gehören zu der Stadt, wir bekennen uns ganz klar zu Jena und zu Thüringen." Es gebe keinen Grund, die Stadt zu verlassen.

"Wir haben auch keinerlei Pläne, die Entwicklung in Länder mit einem anderen Lohnniveau zu verlegen. Wir setzen wirklich auf die Qualität 'Made in Germany' und der Erfolg gibt uns recht." Markus Klahn lächelt weiter. Er wirkt dabei sehr aufgeräumt.

MDR (caf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juni 2022 | 19:00 Uhr

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