Nach Flucht Erste Schultage in Jena für Kinder und Jugendliche aus der Ukraine

In Thüringen sind mehr als 11.000 Menschen aus der Ukraine angekommen, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Darunter auch viele Kinder und Jugendliche, die gerade ihre ersten Schultage in Deutschland erleben. Sie werden von ukrainischen Lehrkräften unterrichtet, die ebenfalls geflohen sind.

In der Oberschule in Bad Düben schreibt der 15-jährige Jaroslaw aus der Ukraine im Deutschunterricht Vokabeln in sein Heft.
Die Deutschkenntnisse der Kinder sind sehr unterschiedlich. Teilweise müssen sie bei Null anfangen. Bildrechte: dpa

Noch etwas unsicher schauen sich die 22 Schülerinnen und Schüler in ihrem neuen Klassenzimmer um. Vor ihnen liegen bunte Zuckertüten auf dem Tisch, prall gefüllt mit Süßigkeiten. Schulanfängerinnen und -anfänger sind sie aber nicht. Denn sie sind zwischen 13 und 15 Jahren alt und sind bereits einige Jahre in die Schule gegangen. In Städten wie Kiew, Charkiw oder Iwano-Frankiwsk.

Jetzt sind sie am Christlichen Gymnasium in Jena. Ein Kind schildert seine Eindrücke: "Mir gefällt es hier sehr. Ich kann mich mit Gleichaltrigen unterhalten in einer Sprache, die ich verstehe."

Ukrainische Lehrkräfte sollen die Klasse unterrichten wie beispielsweise Olha Huryk. Wie ihre Schülerinnen und Schüler ist sie vor dem Krieg geflüchtet. In der Ukraine hat sie Deutsch unterrichtet und soll nun auch in Jena als Deutsch- und Klassenlehrerin arbeiten.

Am ersten Schultag gibt sie aber noch keine Deutschstunden. Erstmal ist für sie und die Schülerinnen und Schüler ankommen angesagt: "Heute müssen wir uns erstmal vorstellen, den Lehrplan anschauen und Papiere unterschreiben."

Unterstützung von der Politik gewünscht

Das Geld für die Lehrer kommt momentan noch aus Spenden von Eltern, der Kirchgemeinde Jena und dem Lions Club. Schulleiterin Susanne Raab hat Verständnis dafür, dass sie sich erstmal ohne staatliche Unterstützung um den Unterricht für die ukrainischen Schüler kümmern musste. In der Kürze der Zeit habe das Land noch nicht reagieren können, sagt sie.

Trotzdem erwartet sie, dass der Freistaat die entstandenen Kosten refinanziert: "Ich würde einfach erwarten, dass die Politiker jetzt auch mal eine Strategie entwickeln, wie man mit der Situation umgeht und wie man die Träger vor Ort unterstützt, denn es gibt da viele geflüchtete Lehrkräfte. Wir können da viele Kontakte herstellen. Eine Austauschplattform wäre super."

Außerdem wünscht sich die Direktorin, dass Ukrainisch als Fremdsprache anerkannt wird. Denn für das Abitur brauchen Schülerinnen und Schüler in Thüringen eine zweite Fremdsprache: "Sie lernen schon Deutsch als Fremdsprache, sie haben Englisch als Fremdsprache und dann noch eine dritte Fremdsprache zu erlernen in diesem Kontext der Neuorientierung in einem anderen Kulturkreis, das ist einfach zu viel für die Schülerinnen und Schüler", sagt Raab.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter sieht das auch so: "Das Ukrainische ist zurzeit keine Fremdsprache in den Schulen, weil es ganz wenige Schüler in der Vergangenheit gegeben hat. Wir haben aber 2018 entschieden, dass die Sprache aus dem Heimatland auch als zweite Fremdsprache anerkannt werden kann. Das prüfen wir gerade, um den Schülern mehr Möglichkeiten zu geben."

Unterschiedliche Deutschkenntnisse der Kinder

Die Schülerinnen und Schüler machen sich derweil um eine ganz andere Sprache Gedanken. Mit den Deutschkenntnissen sieht es in der Klasse ganz unterschiedlich aus. Manche kennen nur ein paar deutsche Wörter, andere hatten schon mehrere Jahre Deutschunterricht.

Zunächst bis Schuljahresende hat das Gymnasium in Jena finanzielle Mittel, um die ukrainische Klasse unterrichten zu können. Alles ist auch davon abhängig, wie sich der Konflikt in der Ukraine weiterentwickelt. Falls der Krieg in absehbarer Zeit endet, würden die meisten Schülerinnen und Schüler in ihr Land zurückkehren, davon geht man am Christlichen Gymnasium aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. April 2022 | 06:00 Uhr

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