30 Jahre nach Gründung Bad Klosterlausnitz: So geht es der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen

In Thüringen arbeiten aktuell etwa 10.000 Menschen in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Sie produzieren dort die unterschiedlichsten Dinge und haben dabei das Gefühl, gebraucht zu werden. In Bad Klosterlausnitz gibt es die Werkstatt schon seit 30 Jahren. Im Jubiläumsjahr haben sie hier mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Auf dem Vorplatz gibt der Werkstatt-Chor ein Ständchen. Immer mehr Mitarbeiter kommen dazu, stimmen mit ein und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Die Freude ist den Menschen hier ins Gesicht geschrieben. Sie haben in der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Bad Klosterlausnitz Freunde, eine Gemeinschaft gefunden.

Wir feiern gemeinsam, wir frühstücken zusammen. Und heute feiern wir den Tag der behinderten Menschen.

Nicole, Mitarbeiterin seit 25 Jahren

Welttag der Behinderten

1981 feierten die Vereinten Nationen das "Jahr der Behinderten". Auftakt für ein ganzes Jahrzehnt mit einem Aktionsplan für eine bessere Integration von Menschen mit Behinderungen. Seit 1993 gibt es den Welttag der Behinderten. Schon zwei Jahre früher ging in Bad Klosterlausnitz die Werkstatt an den Start.

Leistungen in hoher Qualität

Drinnen, im Elektrobereich, sitzt Jörn an seinem Arbeitsplatz. Er lötet Drucksensoren zusammen. Da muss jeder Handgriff sitzen, eine große Verantwortung für den jungen Mann. Die Kunden der Werkstatt sind eine hohe Qualität gewohnt. Auch deshalb wollen viele Unternehmen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zusammenarbeiten. Sie kommen überwiegend aus der Region aber aus vielen verschiedenen Branchen wie Metallverarbeitung, Sanitär- und Elektrotechnik. Aber auch Landschaftspflege-Leistungen bieten die Bad Klosterlausnitzer an.

Einsatz nach Fähigkeiten

Knapp 150 Mitarbeiter mit verschiedenen Behinderungen arbeiten in der Werkstatt. Dazu kommen ein Förderbereich mit bis zu 17 Schwerstbehinderten und eine Berufsbildung mit aktuell 13 Plätzen. Hier werden neue Mitarbeiter eingearbeitet. Die Betreuer in der Werkstatt wollen die Mitarbeiter nach ihren Fähigkeiten einsetzen. Außerdem können sie so auch für Praktika in Betrieben der Region vorbereitet werden. Das Ziel: im Idealfall finden sie später einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Manche unserer Mitarbeiter sind besonders geschickt und die setzen wir dann natürlich bei kniffligeren Sachen ein.

Ramona Klemm, Gruppenleiterin in der Werkstatt

Selbstbestimmtes Leben ist Ziel

Nicht alle Mitarbeiter wohnen zuhause. Etwa 80 von ihnen sind in sogenannten Wohngruppen untergebracht. Auch hier geht es um ein möglichst eigenständiges, selbstbestimmtes Leben. In schwierigen Situationen stehen den Bewohnern die Betreuer zur Seite.

Corona bereitet Schwierigkeiten

Schwierig war für Betreuer und Mitarbeiter gleichermaßen der Lockdown im letzten Jahr. Von März bis Juni war die Werkstatt geschlossen, alle mussten zuhause bleiben. Vor allem die, die allein leben, litten sehr unter der Situation.

Das war für die ganz schlimm. Und jetzt geht die Angst um, dass wir eventuell wieder schließen müssen.

Claudia Kirchner, Geschäftsführerin ASB-Kreisverband Saale-Holzland

Deshalb werden alle Mitarbeiter täglich getestet. Und die meisten im Haus sind geimpft. Eine Situation wie im letzten Jahr wollen sie hier auf jeden Fall vermeiden. Damals gingen viele Aufträge verloren. Die Kunden reagierten auf die geschlossene Werkstatt und verlagerten die Fertigung zum Teil sogar ins Ausland.

Werkstatt ist gefragter Produzent

Zum Glück werden inzwischen wieder alle Produkte in Bad Klosterlausnitz hergestellt. Ein Grund: die gute Qualität der Arbeit. Auch deshalb gibt es immer wieder neue Anfragen von Unternehmen, die mit der Werkstatt zusammenarbeiten wollen.

Wir müssen sogar manche Aufträge ablehnen, weil wir ausgebucht sind.

Claudia Kirchner, Geschäftsführerin ASB-Kreisverband Saale-Holzland

Dann hilft der Verbund der Werkstätten in Thüringen. Verschiedene Aufträge wurden von anderen sozialen Trägern übernommen, wo die Auftragslage nicht so gut ist. Auch das kommt am Ende wieder Menschen mit Behinderungen zugute. Trotz aller Erfolge in Bad Klosterlausnitz ist man auch hier der Überzeugung, dass es noch ein langer Weg ist, bis wirklich alle Menschen ein erfülltes Leben führen können.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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