Gesundheit Röntgen am Teddybär: Kinderakademie im Krankenhaus Schleiz

Blutdruck messen und Röntgen: Alltag im Krankenhaus. Um auf eine Behandlung vorbereitet zu sein und um die Arbeit des Personals zu verstehen, besuchten Kinder aus Tanna das Krankenhaus Schleiz. Dort wartete ein besonderer Patient auf sie.

Kinder umringen eine Krankenschwester vor einer Bare mit Teddybär.
Die Aktion des Krankenhauses soll den Kindern die Angst vor einer Untersuchung im Krankenhaus nehmen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Kurz vor zehn Uhr kommen sie an, die Erzieherinnen vom Kindergarten "Zwergenland" in Tanna mit ihren Schützlingen. Gemeinsam wollen sie heute die Kinderakademie im Krankenhaus Schleiz besuchen. Vor dem Eingang wartet schon Geschäftsführer Arne Ballies.

Plötzlich kommt ein Rettungswagen mit Blaulicht und Sirene und fährt in die Schleuse zur Notaufnahme. Dorthin geht es auch für die Kindergartengruppe.

Der Unfall des Teddys

Hartmut Jacobi vom Deutschen Roten Kreuz öffnet die hintere Tür. Dort liegt ein Teddy auf der Krankentrage. Ein Bein ist verletzt und wurde von den Sanitätern für den Transport verbunden. "Der Teddy ist vom Fahrrad gefallen und hat sich weh getan", sagt Hartmut Jacobi zu den Kindern. "Wir wollen ihn jetzt hier im Krankenhaus behandeln." Dann holt er die Trage aus dem Auto.

Ein Teddybär liegt auf einer Trage umringt von Menschen.
Der Teddybär wird nach einem Radunfall ins Klinikum gebracht. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Für die Gruppe geht es hinein in die Notaufnahme, wo schon Krankenschwestern warten. Sie nehmen den kleinen Plüschpatienten und die Kinder in Empfang. Zuerst heißt es: Blutdruck messen. Das dürfen auch die Kinder an sich selbst ausprobieren.

Dann schaut sich die Schwester die Verletzung genauer an. "Das müssen wir röntgen", sagt sie. Für den Transport durch die Klinik setzen sie den Patienten in einen Rollstuhl. Dann geht es durch die Gänge der Notaufnahme.

Problemfall Krankenhaus Schleiz

Arne Ballies schaut der Gruppe nach. Der Geschäftsführer brachte die Idee im letzten Jahr mit nach Schleiz, als die Sternbach-Kliniken das angeschlagene Krankenhaus übernahmen. In den Monaten davor gab es ein regelrechtes Trauerspiel um den Standort. Stationen wurden geschlossen, Mitarbeiter zum Teil unter Ausschluss des Betriebsrates fristlos gekündigt.

In Schleiz gingen die Bürger für ihr Krankenhaus auf die Straße. Auch Hartmut Jacobi, der weiß, wie wichtig der Standort auch für den DRK-Rettungsdienst ist. Während der zeitweiligen Schließung der Notaufnahme im letzten Jahr mussten die Sanitäter längere Wege zum nächsten Krankenhaus zurücklegen.

Menschen demonstrieren mit einem Banner.
Für den Verbleib des Krankenhauses demonstrierten Anwohner. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Einsatzbereitschaft war in Gefahr. Zeitweise stand sogar eine Insolvenz des Krankenhauses im Raum. Kaputtgespart, sagten die Schleizer an die Adresse des früheren Eigentümers gerichtet. Das Schleizer Krankenhaus war jahrelang Teil des Kreiskrankenhauses in Greiz.

Neuer Betreiber rettet Klinik

Seit Juli 2021 haben die Sternbach-Kliniken das Ruder übernommen, seitdem legen sie hier Wert auf transparente Entscheidungen und beteiligen einen Beirat an der weiteren Entwicklung des Hauses. Und holen sich Stück für Stück das Vertrauen der Patienten und Mitarbeiter zurück.

Zum Start wurden die Gehälter im Haus um 20 Prozent angehoben, seit April dieses Jahres gilt der Tarifvertrag. Aus den Reihen der Mitarbeiter erfahren wir, dass es frühere Mitarbeiter gibt, die wieder zurückgekommen sind. Trotzdem suchen sie hier noch händeringend Fachkräfte. Vor allem wegen Corona ist die Arbeitsbelastung hoch.

Teddy geht's gut

Die Kindergruppe ist inzwischen beim Röntgen angekommen. Erst wird der Teddy auf der Röntgenliege platziert, dann müssen alle das Zimmer verlassen. Auf dem Röntgenbild ist der Beinknochen zu sehen. "Alles in Ordnung", sagt der Arzt und empfiehlt dem kleinen Patienten noch etwas Ruhe.

Die Krankenschwestern erklären den Kindern die Behandlung.
Der Teddy hat den Röntgen-Check überstanden. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

In der Kinderakademie sollen die kleinen Besucher lernen, dass sie vor einer Untersuchung beim Arzt oder im Krankenhaus keine Angst haben müssen. Falls es später dann doch einmal zu einem Aufenthalt kommt, kennen sie die Abläufe schon und sind einfach entspannter, weiß Klinik-Chef Arne Ballies.

Schleiz kooperiert mit Gera

Er hat vor wenigen Tagen auch eine besondere Kooperation auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit dem SRH-Waldklinikum in Gera arbeiten sie jetzt an der besseren Verteilung der Patienten zwischen dem großen Klinikum und dem Krankenhaus vor Ort. Dabei sollen die Patienten je nach Auslastung und Diagnose verlegt werden.

Damit die kleinen Krankenhäuser die Grund- und Regelversorgung übernehmen und damit die großen entlasten, damit Patienten dort nicht bis zu acht Wochen auf einen Termin beim Spezialisten warten müssen.

Geschäftsführer des Krankenhauses Schleiz, Arne Ballies

Auch bei der Aus- und Weiterbildung oder beim Personaleinsatz wollen die beiden Häuser kooperieren. Solche neuen Konzepte könnten für viele der kleinen Häuser das Überleben sichern, ist Ballies überzeugt. Damit könnte auch das Krankenhaus in Schleiz eine Zukunft haben.

Ein Mann erklärt Kindern etwas.
Die Kindergartengruppe bei ihrem Besuch im Klinikum in Schleiz. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Nach der Untersuchung machen sich jetzt die zukünftigen ABC-Schützen aus dem "Zwergenland" auf den Heimweg. Nach dem aufregenden Vormittag brauchen sie erst einmal eine Pause.

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 04. August 2022 | 19:20 Uhr

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