Wirtschaft Gestörte Lieferketten: Thüringer Unternehmen suchen Alternativen

Die Lieferwege aus Fernost sind unsicherer geworden, deshalb suchen viele Industriebetriebe inzwischen nach Alternativen in der Region. Ein Beispiel aus dem Saale-Orla-Kreis.

Ein Mann stapelt Plastikdeckel aufeinander.
Bei Thermoform in Pößneck rollen die ersten Deckel für die Kaffeebecher vom Band. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Alle 30 Sekunden spuckt die Maschine neue Teile aus. Kunststoffdeckel für die neuen Kaffeebecher von Eschenbach-Porzellan. Gefertigt bei Thermoform in Pößneck, bekommen die Teile hier noch eine Verschlusskappe, dann wandern sie in die Transportkiste. Für ihr neues Produkt haben sich die Porzellanwerker in Triptis bewusst für einen Lieferanten aus der Region entschieden.

"Man kann sich da direkt gegenübersitzen, das Produkt auch mal in die Hand nehmen", sagt Claudia Bock, Produktdesignerin bei Eschenbach-Porzellan in Triptis. Die Deckel wurden von Grund auf neu entwickelt, damit Kaffeebecher und Deckel optimal zusammenpassen. Außerdem nutzten die Triptiser die schon vorhandene Banderole der Pößnecker, die verhindern soll, dass sich Kaffeetrinker die Finger verbrennen.

Ein Mann packt Plastikdeckel in eine Kiste.
Die Deckel sind für Eschenbach-Porzellan in Triptis bestimmt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Seit DDR-Zeiten in Pößneck aktiv

Etwa 30 Prozent der Kunden von Thermoform kommen aus der Region, ein hoher Wert für das Unternehmen, dessen 70 Mitarbeiter Kunststoff-Produkte für ganz Deutschland produzieren. Seit 2004 ist das Unternehmen am Standort aktiv, aber schon zu DDR-Zeiten gingen von hier Tausende Artikel in die Republik.

Viele Produkte entwickelt Thermoform selbst, dafür beschäftigen sie hier auch Zeichner und Konstrukteure. Die kümmern sich auch um den hauseigenen Werkzeugbau, denn Thermoform baut alle Formen und Werkzeuge selbst. Gut für die Kunden, denn so kann das Unternehmen einfach schneller reagieren. Auch deshalb kommen inzwischen viele frühere Kunden wieder zurück.

Werkzeuge und Maschinen bei Thermoform in Pößneck
Der Vorteil bei Thermoform: Sie bauen die Formen und Werkzeuge selbst, dadurch können sie schneller auf Kundenwünsche reagieren. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

"Viele unserer Kunden sagen, sie möchten das wieder so haben, und kommen auf uns zu", so Beate Hartmann, die gemeinsam mit Vater Werner Siegert das Unternehmen führt. Ihre Kunden wüssten die kurzen Wege zu schätzen. Und legten Wert auf Qualität, denn oft geht es um Verpackungen für Lebensmittel. So produzieren sie hier seit Jahren zum Beispiel Deckel für Honiggläser. Viele Imker decken sich bei Thermoform ein.

Zwei Frauen und ein Mann sitzen an einem Tisch, auf dem Kaffeebecher und Tassen stehen.
Kurze Wege und enger Kontakt zwischen Lieferant und Kunde: so entstand der Deckel für den Kaffeebecher. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Lieferschwierigkeiten für vier von fünf Unternehmen

Eschenbach-Chef Rolf H. Frowein kauft gern regional ein, auch die Verpackungen und individuelle Dekore für die Becher kommen aus der Region um Triptis. Von Lieferproblemen blieb der Betrieb bisher weitgehend verschont. "Probleme gibt es hier und da bei Spezialteilen für unsere Maschinen", sagt Frowein. "Da haben sich die Lieferzeiten zum Teil erheblich verlängert."

Produktion von Kaffeebechern bei Eschenbach-Porzellan in Triptis
Die neuen Kaffeebecher laufen seit kurzem in Triptis in Serie vom Band. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Probleme gibt es hier und da bei Spezialteilen für unsere Maschinen.

Rolf H. Frowein

Damit steht er nicht allein, laut Industrie- und Handelskammer Ostthüringen sind vier von fünf Unternehmen in der Region von Lieferschwierigkeiten betroffen. Das betrifft vor allem den Bau, Handel und das verarbeitende Gewerbe. Deshalb suchen viele Unternehmen nach Alternativen und legen sich zum Teil größere Vorräte an. Einige versuchen auch, Bestellmengen zu bündeln und gemeinsam mit anderen Unternehmen einzukaufen, um gestiegene Preise durch Mengenrabatte zumindest teilweise auszugleichen.

Viele Unternehmen müssen Aufträge ablehnen

Doch nicht alle haben mit dieser Strategie Erfolg. Immerhin 17 Prozent der Firmen in Ostthüringen mussten wegen Lieferschwierigkeiten oder Preisanstiegen ihre Produktion zumindest teilweise stoppen oder verringern. Fast die Hälfte konnte bestehende Aufträge nicht fertigstellen oder musste neue Aufträge ablehnen, weil Vorprodukte oder Rohstoffe fehlten.

Eine Frau kontrolliert einen Becher
Zum Schluss muss jeder Becher noch einmal durch die Qualitätskontrolle. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Bei Eschenbach konnten sie bisher ohne Pausen produzieren. Sorgen macht sich Rolf Frowein eher um die gestiegenen Energiepreise. Die wird er an die Kunden weitergeben müssen. "Wie sich das auf unseren Absatz auswirken wird, werden wir sehen", sagt er nüchtern.

Auch deshalb setzt das Unternehmen große Hoffnungen auf die neue Becherserie mit den Deckeln aus Pößneck. Von dort kam auch gleich noch eine weitere Idee. Weil die größeren Becher nicht in den Kaffeeautomaten passen, gibt es nun auch eine kleinere Variante mit 0,2 Litern.

Ein Becher steht in einem Kaffeeautomaten
Der normale Becher passt nicht in den Kaffeeautomaten, deshalb entwickelte Eschenbach nun einen Becher mit 0,2 Liter Fassungsvermögen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. August 2022 | 19:00 Uhr

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