Saalfeld-Rudolstadt Rettung für frühere Porzellanfabrik in Gräfenthal?

Seit 30 Jahren zerfällt sie vor sich hin: Die frühere Porzellanfabrik Weiß, Kühnert und Co. in Gräfenthal im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Doch statt des geplanten Teilabrisses hat sie jetzt neue Eigentümer. Die haben am Montag begonnen, das kaputte Dach abzutragen.

Der Kran ist da. Die ersten morschen Holzbalken und Teile des kaputten Dachs werden aus den oberen Etagen herausgeholt. Das Dach des Südflügels war in den vergangenen Jahren immer weiter eingestürzt. Im Frühjahr fielen aus den offenen Fenstern einige Gipsformen heraus. Die weißen Formen für Tiere oder Vasen aus Porzellan stapeln sich seit gut 30 Jahren bis unter die Decke.

Ihr Gewicht hat das marode Dach inzwischen teilweise zum Einstürzen gebracht, meint Isabella Fuchs. Sie schätzt, dass noch mehrere Tausend Gipsformen in dem Fabrikgebäude liegen.

Abriss war bereits genehmigt

Trotzdem hat Isabella Fuchs das 130 Jahre alte Gebäude gekauft. "Anfang März war das", sagt sie. "Zwei Tage bevor der Landkreis den Südflügel abreißen wollte." Rund 1,1 Millionen Euro hätte das gekostet, sagt Bürgermeister Wolfgang Wehr (parteilos). Dass sich doch noch ein Interessent für die leer stehende Fabrik mit mehreren Nebengebäuden findet - er hätte das nicht mehr gedacht.

"Die Genehmigung für den Abriss war schon da", sagt er. Dass es jetzt anders kam: "Für Gräfenthal ist das ein Glück, dass sich jemand gefunden hat, der etwas bewegen will", sagt Wehr. Die Stadt hat deshalb schnell geholfen. Es gab ein Gutachten und Absprachen mit dem Denkmalschutz, so dass die Arbeiten jetzt schon beginnen können.

Alte Fabrikhalle mit einem großen runden Loch im Boden
Blick ins Innere. Große Räume und Fenster. Wo heute ein großes Loch ist, soll sich früher ein Ofen befunden haben. Er wurde laut der Eigentümerin nach der Wende 1991 ausgebaut. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Der Traum von Gastronomie im Backsteinbau

Die hohen Fenster und die großen Räume haben es Isabella Fuchs angetan. Unten im Keller gibt es noch einen großen Porzellanofen. Sie träumt davon, dort einmal eine Gastronomie zu eröffnen. Auf den anderen Etagen könnten Ferienwohnungen und ein Ort für Porzellanmärkte und Kunstausstellungen entstehen.

Im hinteren Flügel könnte eine Wohnung für ihre Familie entstehen, so die Idee. Gekauft hat sie das Gebäude für einen symbolischen Euro vom Land Thüringen. Dass sie damit ein Mammutprojekt vor sich hat, ist ihr bewusst. "So ein Backsteingebäude war immer unser Traum", sagt sie und fügt hinzu: "Ein bisschen verrückt musst du schon sein für so ein Projekt."

Eine Frau steht in einer alten Fabrikhalle.
Ein Ofen ist noch erhalten. Die neue Eigentümerin Isabella Fuchs träumt davon, hier einmal eine Gastronomie zu eröffnen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Zufall bringt Familie in den Thüringer Wald

Ihr Mann Christopher und Sohn Leon helfen mit. Gemeinsam haben sie schon mal ein Haus selbst saniert. In Lichte, einem Nachbarort von Gräfenthal hat das Ehepaar für 7.000 Euro ein Haus mit Grundstück gekauft. Eigentlich lebt die Familie am Bodensee. Der Zufall hat sie in den Thüringer Wald geführt. Sie sind handwerklich versiert. Führen am Bodensee einen Abschleppdienst und eine Kfz-Werkstatt.

Am Bodensee sei ein Haus mit großem Grundstück bei den hohen Immobilienpreisen für sie kaum möglich, sagt Isabella Fuchs. Finanzieren wolle sie die Sanierung jetzt Schritt für Schritt. In den nächsten Tagen soll das marode Dach weiter abgetragen werden. Danach wollen sie den Südflügel mit einer Plane vor Regen schützen. Danach werde das Dach im Nachbarflügel gesichert. Dringend brauchen sie auch noch Strom. Die Leitung ist schon lange kaputt. Wenn alles gut laufe, werde sie im Sommer schon mal einen Imbiss vor dem Gebäude eröffnen. "Einfach, um zu zeigen, dass sich hier etwas tut."

Einige der Gipsformen habe sie an interessierte Töpferinnen verschenkt. Ein Porzellan-Unternehmen aus der Region sei interessiert, mit einigen Gipsformen Porzellanstücke wie zu Zeiten von Weiß, Kühnert und Co. herzustellen. Die könnten dann hier, sagt sie, als Souvenirs verkauft werden.

In einem Raum leigen vile Gipsformen.
Porzellanschatz: Die neue Eigentümerin möchte die Vergangenheit der Fabrik mit der Zukunft verbinden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

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MDR (sre,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 10. Mai 2022 | 14:30 Uhr

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