Nach illegaler Luchs-Tötung Luchs mit Hauskatze verwechselt? Diese Regeln gelten für Abschuss von Streunern

Ist der geschossene Luchs im Kreis Sömmerda mit einer streunenden Katze verwechselt worden? Diese Regeln gelten in Thüringen für den Abschuss von Streunern.

Toter Luchs auf einer Bahnstrecke
Noch sind die Todesumstände des Luchses nicht geklärt. Bildrechte: Bundespolizei

In den vergangenen Tagen sorgte ein geschossener Luchs im Kreis Sömmerda für Aufsehen. Mitarbeiter der Deutschen Bahn hatten die tote Raubkatze am Montag auf der ICE-Bahnstrecke bei Buttstädt entdeckt. Erste Untersuchungen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung ergaben, dass das Tier illegal getötet wurde. Zu der Frage, wie und von wem der Luchs geschossen wurde, ermittelt derzeit die Polizei.

Der Luchs gehört in Deutschland zu den streng geschützten Wildtierarten und unterliegt laut Landesjagdverband Thüringen e.V. (LJV), der Dachorganisation der organisierten Jägerschaft des Freistaates, dem Jagdrecht (§2 Bundesjagdgesetz) und somit nicht nur dem Naturschutzrecht, sondern auch der Hegepflicht durch den Jäger.

Opfer einer Verwechslung?

Die Klärung der tatsächlichen Todesumstände des Tieres obliegt der Polizei. In den sozialen Medien kursierte jedoch die Annahme, das Tier sei mit einer streunenden Hauskatze verwechselt und deshalb geschossen worden. Ungeachtet des tatsächlichen Tathergangs: Hätte das Tier geschossen werden dürfen, wenn es sich um eine streunende Hauskatze gehandelt hätte? Und sind Luchs und Hauskatze leicht zu verwechseln?

Wenn jemand das Tier verwechselt haben will mit einer Katze, dann hat der an der Waffe nichts zu suchen.

Silvester Tamás NABU Thüringen

Der Landesjagdverband hält auf Nachfrage eine Verwechslung für nahezu ausgeschlossen, allein wegen des deutlichen Größenunterschieds der beiden Arten und des anders gebauten Körpers. Ähnlich sieht das auch Silvester Tamás vom Naturschutzbund Thüringen (Nabu).

"Wenn jemand das Tier verwechselt haben will mit einer Katze, dann hat der an der Waffe nichts zu suchen", sagt er. Zunächst gelte aber zu klären, wie das Tier tatsächlich getötet worden sei. Weitere Untersuchungen, beispielsweise der Genetik des Luchses, könnten mehr über die Herkunft des Tieres und auch über die Todesumstände verraten.

Jagdgesetz regelt Abschuss von Streunern

Für das Schießen von streunenden Katzen gelten laut Thüringer Landwirtschaftsministerium genaue Vorschriften. Lediglich im Rahmen des Jagdschutzes sei dies möglich. Dieser obliegt nach Ministeriumsangaben in der Regel dem Jäger, der in dem entsprechenden Gebiet jagen darf, der sogenannte "Jagdausübungsbrechtigte". Aber auch ihm sei es nicht einfach so erlaubt, streunende Tiere zu erlegen. Eine Tötung sei nur zulässig, wenn die Katze als "wildernd" eingestuft werde. Heißt, wenn sie mehr als 200 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude und dem Wild (dem Jagdrecht unterliegende Tierarten) nachstellend angetroffen wird.

Die rechtliche Grundlage für das Schießen von streunenden Katzen bilden dabei die Paragraphen 40 bis 42 des Thüringer Jagdgesetzes:

§ 40 - Inhalt des Jagdschutzes; Pflicht zur Ausübung des Jadschutzes

(1) Der Jagdschutz umfasst den Schutz des Wildes, insbesondere auch den Schutz bedrohter Wildarten vor Tierseuchen und anderen besonderen Gefahren, vor Raubwild und vor Beeinträchtigungen durch andere Tierarten, soweit diese keinem besonderen Schutz nach Naturschutzrecht unterstellt sind, sowie vor aufsichtslosen Hunden und Katzen.

(2) Der Jagdausübungsberechtigte (§ 7) ist verpflichtet, den Jagdschutz (§ 23 des Bundesjagdgesetzes) in seinem Jagdbezirk auszuüben.

(3) Der Jagdausübungsberechtigte hat festgestellte Nist-, Brut- und Wohnstätten von Wildarten, die gemäß Naturschutzrecht als vom Aussterben bedroht eingestuft sind, der unteren Jagdbehörde zu melden. Verendet aufgefundenes Wild, das gemäß Naturschutzrecht als vom Aussterben bedroht eingestuft ist, hat der Jagdausübende unverzüglich der unteren Jagdbehörde anzuzeigen. Er ist berechtigt, es der Natur zu entnehmen und bei einer behördlich bestimmten Stelle abzugeben.

§ 41 - Jagdschutzberechtigte

(1) Der Jagdausübungsberechtigte kann zum Schutze der Jagd volljährige zuverlässige Personen als Jagdaufseher anstellen.

(2) Für die Bestätigung von Jagdaufsehern (§ 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes) ist die untere Jagdbehörde zuständig. Die Bestätigung darf nur versagt werden, wenn der Jagdaufseher nicht Inhaber eines gültigen Jahresjagdscheines ist oder Bedenken gegen seine persönliche Zuverlässigkeit oder fachliche Eignung bestehen. Die oberste Jagdbehörde wird ermächtigt, die Jagdaufseherprüfung durch Rechtsverordnung zu regeln.

(3) Neben dem Jagdausübungsberechtigten und dem bestätigten Jagdaufseher übt den Jagdschutz auch die Landespolizei aus, soweit er die Sorge für die Einhaltung der zum Schutz des Wildes erlassenen Vorschriften und den Schutz vor Wilderern umfasst.

(4) Der Jagdausübungsberechtigte kann auch einem Jagdgast die Ausübung des Jagdschutzes erlauben, soweit er den Schutz des Wildes vor Tieren im Sinne des § 40 Abs. 1, vor Futternot und Wildseuchen umfasst. Die Erlaubnis ist schriftlich zu erteilen. § 17 Abs. 3 gilt sinngemäß.

(5) Die untere Jagdbehörde kann die Anstellung von einem oder mehreren bestätigten Jagdaufsehern verlangen, wenn es zumutbar und zum Jagdschutz notwendig ist oder der Jagdausübungsberechtigte seinen Verpflichtungen zur Hege oder Regulierung des Wildbestandes trotz schriftlicher Aufforderung nicht nachkommt. Soweit es nach Größe, Beschaffenheit oder Wildbestand des Jagdbezirkes notwendig ist, kann die Jagdbehörde auch die hauptberufliche Anstellung eines oder mehrerer bestätigter Jagdaufseher verlangen.

(6) Die bestätigten Jagdaufseher stehen unter der Dienstaufsicht der unteren Jagdbehörde.

(7) Der Jagdausübungsberechtigte hat sich bei der Ausübung des Jagdschutzes auf Verlangen des Betroffenen durch Vorzeigen seines Jagdscheins auszuweisen, der bestätigte Jagdaufseher durch Vorzeigen des Ausweises über seine Bestätigung; dies gilt nicht, wenn die Ausweisung aus Sicherheitsgründen nicht zugemutet werden kann. Die bestätigten Jagdaufseher nach § 25 Abs. 2 Satz 1 des Bundesjagdgesetzes müssen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit außerdem ein Dienstabzeichen tragen. Die oberste Jagdbehörde erlässt im Einvernehmen mit dem für Inneres zuständigen Ministerium durch Rechtsverordnung Regelungen über die Dienstabzeichen.

§ 42 - Aufgaben und Befugnisse der Jagdschutzberechtigten

(1) Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind befugt:

1. Personen, die in einem Jagdbezirk unberechtigt jagen oder eine Zuwiderhandlung gegen jagdrechtliche Vorschriften begehen oder außerhalb der zum allgemeinen Gebrauch bestimmten Wege ohne Berechtigung hierzu zur Jagd ausgerüstet angetroffen werden, zur Feststellung ihrer Personalien anzuhalten und ihnen gefangenes oder erlegtes Wild, Waffen, Jagd- und Fanggeräte, Hunde und Frettchen sowie Beizvögel abzunehmen;

2. wildernde Hunde mit Genehmigung der unteren Jagdbehörde und wildernde Katzen zu töten.

Die Tötung nach Satz 1 Nr. 2 setzt voraus, dass andere zumutbare und mildere Maßnahmen des Wildtierschutzes zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgversprechend sind. Auf Antrag und Nachweis des Jagdausübungsberechtigten erteilt die untere Jagdbehörde die Genehmigung nach Satz 1 Nr. 2 als Allgemeinverfügung. Die Tötungsbefugnis gilt nicht gegenüber Blinden-, Hirten-, Dienst-, Jagd- und Rettungshunden, soweit sie als solche kenntlich sind und solange sie von dem Hundeführer zu seinem Dienst verwendet werden oder sich aus Anlass des Dienstes seiner Einwirkung entzogen haben sowie gegenüber in Fallen gefangenen Katzen. Hunde gelten als wildernd, wenn sie mehrfach dem Wild nachstellen und dieses im Jagdbezirk erkennbar gefährden können, es sei denn, dass sich der Hund nach erkennbaren Umständen nur vorübergehend der Einwirkung seines Herrn entzogen hat. Katzen gelten als wildernd, wenn sie im Jagdbezirk in einer Entfernung von mehr als 200 Metern vom nächsten bewohnten Gebäude dem Wild nachstellend angetroffen werden.

(2) Soweit der Jagdausübungsberechtigte einem Jagdgast nach § 41 Abs. 4 die Ausübung des Jagdschutzes schriftlich übertragen hat, stehen diesem die Befugnisse nach Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 ebenfalls zu.

(3) Der Eigentümer eines in einem Jagdbezirk getöteten Hundes oder einer dort getöteten Katze kann wegen der Tötung und Beseitigung Schadenersatz nur verlangen, sofern er nachweist, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zulässigkeit der Tötung nicht vorgelegen haben.

Verbände verurteilen Luchs-Abschuss

"Das ist ganz tragisch, wir sind sehr bestürzt über den Vorfall", sagt Tamás vom Nabu Thüringen. Für die Wiederausbreitung des Luchses sei der Abschuss ein herber Rückschlag. Lediglich von sechs Luchsen wisse der Verband, die regelmäßig im Freistaat verkehrten. In Deutschland seien es etwa 150 Tiere. "Das ist recht wenig, um daraus eine überlebensfähige, sich selbst erhaltende Population abzuleiten", führt der Luchs-Experte aus.

Für die Zukunft wünscht sich Tamás, dass die Behörden aktiv Möglichkeiten schaffen, solche Vorfälle aufzuklären, beispielsweise in Form einer Umweltstabsstelle. Immer wieder seien auch andere Tierarten wie Fischotter oder Greifvögel, die unter das Jagdrecht fallen, von illegalen Tötungen betroffen; beispielsweise durch Vergiftungen.

In ein ähnliches Horn stößt auch der Landesjagdverband. In einer Stellungnahme verurteilt er die Tötung des Luchses. Der Verband sei gemeinsam mit den Natur- und Umweltschutzorganisationen BUND und WWF in verschiedenen Monitoring-Projekten involviert. Dazu gehören laut LJV auch aktuelle Untersuchungen zu Vorkommen, Verbreitung und Wanderverhalten des Luchs in Thüringen.

"Insofern ist jeder Verlust eines dieser unter Naturschutz stehenden Tiere sehr schmerzlich sowohl für die Population dieser Wildtierart als auch für die laufenden Forschungen", teilte der Verband mit. Auch er sei sehr an der Aufklärung des Vorfalls interessiert.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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