Resolution für Erhalt Status der Frühchen-Station im SRH-Klinikum Suhl ist gefährdet

Die Zukunft der Frühchen-Station im Suhler SRH Zentralklinikum ist offen. Grund sind neue Richtlinien. Bei einem Aus sieht die Klinikleitung die Versorgung von Frühgeborenen in Südthüringen akut in Gefahr. Die Stadträte in Suhl und Schleusinigen fordern, die Station zu erhalten. Auch das Ministerium will sich dafür einsetzen. Doch eine Ausnahmegenehmigung würde nur ein Jahr gelten.

Ein Frühchen auf einer Neugeborenen-Intensivstation.
Die Klinikleitung sieht bei einem Aus der Frühchen-Station die Versorgung von Frühgeborenen in Südthüringen akut in Gefahr. (Symbolfoto) Bildrechte: IMAGO / Cavan Images

Wie es mit der Frühchen-Station am Suhler Klinikum weitergeht, ist offen. Grund sind nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums neue Vorgaben ab 2023, wie viele Frühchen in einer Klinik geboren werden müssen, um den sogenannten Level-1-Status zu behalten. In Level-1-Zentren werden Frühchen mit einem Gewicht von weniger als 1.250 Gramm versorgt.

Nach den neuen Richtlinien des Bundes bleiben ab dem kommenden Jahr nur jene Krankenhäuser Level-1-Zentren, in denen mindestens 20 Frühchen jährlich unter dieser Grenze zur Welt kommen. Grund ist den Angaben nach, dass es dann weniger häufig zu Komplikationen kommt.

Eine Hebamme kümmert sich um ein Frühchen
Wie geht es weiter mit der Frühchen-Station in Suhl? (Symbol) Bildrechte: Colourbox.de

Der Unterschied zwischen einem Level-1- und Level-2-Geburtszentrum Ein Perinatalzentrum Level 1 entspricht der höchsten Stufe. Diese Zentren behandeln und versorgen die schwersten Fälle. Die Anforderungen sind daher am höchsten.

Behandelt werden folgende Fälle:

• Wenn eine Frühgeburt mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm oder die Geburt vor der 29. Schwangerschaftswoche zu erwarten ist.
• Schwangere mit Drillingen, bei denen die Geburt vor der 33. Schwangerschaftswoche erwartet wird.
• Bei einer Schwangerschaft mit mehr als Drillingen.
• Wenn eine Schwangerschaft mit fetalen oder mütterlichen Vorerkrankungen vorliegt, bei der nach der Geburt eine intensivmedizinische Behandlung wahrscheinlich notwendig ist. Dies ist etwa der Fall bei angeborenen Fehlbildungen wie kritischen Herzfehlern.

Für eine Level-2-Einrichtung gibt es aber Einschränkungen bei Geburtsalter und Gewicht. Die Anforderungen sind also etwas geringer.

Ein Perinatalzentrum Level 2 behandelt folgende Fälle:

• Wenn ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht zwischen 1.250 und 1.499 Gramm oder die Geburt zwischen der 29. Schwangerschaftswoche und 31. Schwangerschaftswoche erwartet wird.
• Bei Schwangeren mit schweren schwangerschaftsassoziierten Erkrankungen wie dem Hellp-Syndrom.
• Wenn das errechnete Gewicht des Fötus unter der 3. Perzentile liegt.
• Bei Schwangeren mit insulinpflichtiger Diabeteserkrankung, wenn eine Gefährdung des Fötus oder Neugeborenen absehbar ist.
Quelle: fruehchenwelt.com

Frühchen-Stationen in Erfurt und Jena bleiben bestehen

Geht es nach dieser Richtlinie, bleiben Erfurt und Jena erhalten. Suhl würde zum Level-2-Zentrum heruntergestuft. Grund ist den Angaben nach die geringe Auslastung. In Erfurt und Jena sind im Jahr 2020 jeweils mehr als 30 so kleine Frühchen auf die Welt gekommen, in Suhl waren es nur 13.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist darüber aber noch keine Entscheidung gefallen. So liegen beispielsweise die Zahlen aus dem Jahr 2021 noch nicht vor.

Noch keine Entscheidung gefallen

Der Suhler Kliniksprecher Christian Jacob sagte, die Gesundheitsministerin habe Unterstützung zugesichert, um die Frühchen-Station in Suhl erhalten zu können. Der Suhler Stadtrat will gemeinsam mit dem SRH-Klinikum eine Ausnahmegenehmigung erwirken.

Die Stadträte von Schleusingen im Kreis Hildburghausen haben sich unterdessen ebenso für den Erhalt der Frühgeborenen-Stationen in Suhl, aber auch in Coburg ausgesprochen. In einer Resolution fordern sie, dass in den beiden Kliniken auch weiter extrem kleine Neugeborene versorgt werden. Auch die Coburger Station ist möglicherweise gefährdet.

Bilder Weimar: Beste Versorgung für die Allerkleinsten

Chefärztin PD Dr. med. habil. Kristin Dawczynski und Logopädin Judith Wohlfeld betrachten ein Baby
Chefärztin Dr. Kristin Dawczynski und Logopädin Judith Wohlfeld stimmen sich über die Therapie des Frühchens ab. Bildrechte: MDR/Maik Schuck
Chefärztin PD Dr. med. habil. Kristin Dawczynski und Logopädin Judith Wohlfeld betrachten ein Baby
Chefärztin Dr. Kristin Dawczynski und Logopädin Judith Wohlfeld stimmen sich über die Therapie des Frühchens ab. Bildrechte: MDR/Maik Schuck
Eine Ärztin zeigt auf eine Ampel, die an der Wand hängt
Diese Ampel meldet, wenn es auf der Frühchen-Station zu laut wird für die Kleinen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Blick auf einen leeren Inkubator.
Das Besondere an diesen neuen Bettchen ist, dass die Abdeckung komplett nach oben gefahren werden kann. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Blick auf einen leeren Inkubator.
Dadurch ist es für die Eltern, Ärztinnen und Schwestern leichter, die Frühchen zu versorgen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Ärztin steht in einer offenen Tür, auf der Neonatologie steht
Das neue Farbkonzept macht die Station wärmer, findet Chefärztin Dr. Kristin Dawczynski. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
zwei Schwestern stehen vor einer Wand mit Baby-Fotos
Die Schwestern freuen sich über die Grüße ehemaliger Patientinnen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Eine Ärztin richtet ein Inkubator-Bett her
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
ein Baby in einem Inkubator-Bett hinter einer Scheibe
Die Babys hier brauchen viel Unterstützung und Wärme. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Hand drückt auf Tasten auf einem Monitor
Auf der Frühchen-Station gibt es deshalb jede Menge Technik. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein leeres Inkubator-Bett mit einem orangen Sessel daneben
Nach dem Umbau verschwindet aber fast alles hinter einer sogenannten Medienwand. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Ärztin spricht mit einer Patientin mit langen dunklen Haaren in einem großen Krankenzimmer
Auch im Familienzimmer soll es vor allem gemütlich sein. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Ärztin steht auf einer Wiese vor dem Krankenhaus
Dr. Kristin Dawczynski, Chefärztin der Kinderklinik in Weimar, ist sehr glücklich über das Ergebnis des Umbaus. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Wann ist ein Baby ein Frühchen? Frühchen: Geburt vor vollendeter 37. Schwangerschaftswoche

Sehr kleine Frühchen: Geburt vor vollendeter 32. Schwangerschaftswoche und mit einem Geburtsgewicht von unter 1,5 Kilo

Extrem kleine Frühchen: Gewicht zur Geburt von unter einem Kilo

Quelle: erstekinderbetreuung.de

Klinik: Wegfall vor allem in Notsituationen lebensbedrohlich

Die Klinikleitung teilte mit, sie sehe mit einem Aberkennen des Level-1-Status die Versorgung von Frühgeborenen in ganz Südthüringen akut gefährdet. Die Wege würden sich um mindestens eine Stunde verlängern, das sei vor allem in Notfallsituationen lebensbedrohlich, heißt es. Aus diesem Grund könnte Suhl gemeinsam mit dem Ministerium und den Krankenkassen eine Ausnahme bekommen, die dann aber immer nur für jeweils ein Jahr gilt.

Im Bund war bereits Ende 2020 eine Mindestanzahl an Patienten festgelegt worden. Demnach müssen ab 2023 mindestens 20 Frühgeborene unter 1.250 Gramm versorgt werden, ab 2024 sogar 25 pro Jahr und Klinik. Weder das Krankenhaus in Coburg noch das SRH Klinikum in Suhl erfüllen diese Vorgaben.

Das Thüringer Gesundheitsministerium verweist außerdem darauf, dass es in den meisten Fällen planbar sei, wenn Frühchen unter 1.250 Gramm geholt werden müssten. Die betroffenen Schwangeren würden in der Regel vor der Entbindung in einem Krankenhaus mit Level 1-Status aufgenommen.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 17. Mai 2022 | 17:30 Uhr

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