Migration Ukraine-Flüchtlinge: Jena hat Platzprobleme

In ganz Thüringen wird mit Hochdruck daran gearbeitet, Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen. In Jena sind die Kapazitäten bereits erschöpft. Mehrere Städte fordern Hilfe vom Land.

Mehrere Geflüchtete stehen vor einem Reisebus nach ihrer Ankunft in Bad Sulza
Immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Thüringen an. Genauer Zahlen gibt es aber nicht. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

In Jena sind die Kapazitäten zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen vorerst erschöpft. Wie Koordinator Andreas Amend MDR THÜRINGEN sagte, sind bereits mehr als 600 ukrainische Flüchtlinge in der Stadt. Die angebotenen Privatunterkünfte seien belegt, ebenso die Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften und im Schullandheim "Stern". Amend hofft, dass bis Freitag eine Turnhalle in Lobeda als Notunterkunft für bis zu 60 Menschen bezugsfertig ist.

Als zusätzliche Quartiere werden jetzt das Gästehaus des Internationalen Bundes und ein leerstehendes Seniorenheim vorbereitet. Der Bedarf ist laut Amend schwer planbar. Die meisten Flüchtlinge suchten Verwandte oder Bekannte auf. Schnell stelle sich dann heraus, dass der Wohnraum für einen längeren Aufenthalt nicht ausreicht. Dann folge der Hilferuf an die Stadtverwaltung.

Spendenbereitschaft in Thüringen ist groß

Auch der Bedarf an Sachspenden ist weiter groß. Seit dieser Woche können sie im Wertstoffhof in der Löbstedter Straße abgegeben werden. Gefragt sind Möbel, Geschirr, Besteck bis hin zu Haushalts- und Elektrogeräten - jeweils in gebrauchsfähigem Zustand. Die Kartons sollten beschriftet sein, um die Weitergabe der Spenden an Hilfesuchende zu erleichtern.

Keine offiziellen Zahlen

Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat keinen Überblick, wie viele ukrainische Flüchtlinge seit Kriegsbeginn nach Thüringen gekommen sind. Das liegt nach Angaben der Behörde daran, dass die Flüchtlinge kein Visum benötigen und viele von ihnen auf eigene Faust angereist und vorerst privat untergekommen sind. Daher ist auch erst ein Bruchteil der Angekommen registriert - allein in Erfurt sind wohl rund 800 Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen.

Problematisch sei jedoch aktuell, dass viele Mitarbeiter im Sozialamt krankheitsbedingt ausfallen und die Behörde vorerst keine Flüchtlinge mehr auf Wohnungen verteilen kann. 65 wurden zunächst in eiener Schulturnhalle untergebracht.

Städte bereiten sich auf Flüchtlinge vor

Überall in Thüringen wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Flüchtlinge unterzubringen. Im Unstrut-Hainich-Kreis sind es aktuell 130. Hier könnten noch zwei Jugendherbergen aktiviert werden. In Dingelstädt im Eichsfeldkreis stellt das Gymnasium seine Hausmeisterwohnungen zur Verfügung. Im Ilmkreis erklärten sich das Landschulheim Dörnfeld, das Schülerfreizeitzentrum Ilmenau und Jugendherbergen bereit, Menschen aus der Ukraine aufzunehmen. Im Saale-Orla-Kreis sind in Pößneck ein Ankunftszentrum und in Schleiz eine Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet worden.

In Gera will man die alte Flüchtlingsunterkunft im SRH Klinikum reaktivieren. Problem dabei: Bisher ist immer noch nicht klar wie das Land Thüringen die Kosten erstattet, die den Kommunen bei der Flüchtlingshilfe entstehen.

Oberbürgermeister fordern Krisenstab

Mehrere Thüringer Oberbürgermeister fordern Hilfe vom Land. Unter anderem die Städte Suhl, Weimar, Jena und Gera wandten sich in einer öffentlichen Stellungnahme an das Land. Auch die Bürgermeisterin der Stadt Eisenach hat sich an dem Appell beteiligt. Die Städte fordern einen Flüchtlingsgipfel und einen Krisenstab. Sie schließen sich damit dem Thüringer Gemeinde- und Städtebund an. Dieser hatte sich bereits am vergangenem Freitag an Ministerpräsident Bodo Ramelow gewandt.

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MDR (fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. März 2022 | 15:00 Uhr

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