Ukraine-Krieg Wie Thüringen Flüchtlinge aus der Ukraine aufnimmt

Mit rund 800 Flüchtlingen müssen die Thüringer Landkreise in den nächsten Wochen jeweils rechnen. Auf Hochtouren läuft derweil die Suche nach Unterkünften. Die Opposition fordert eine Koordinierung durch die Regierung.

Mehrere Geflüchtete stehen vor einem Reisebus nach ihrer Ankunft in Bad Sulza
Am Dienstag erreichte auch der erste Bus mit Flüchtlingen Bad Sulza im Weimarer Land. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Die Thüringer Landkreise müssen in den kommenden sechs bis zwölf Wochen mit jeweils rund 800 Flüchtlingen aus der Ukraine rechnen. Das teilte der Landrat des Eichsfeldkreises, Werner Henning, am Dienstag mit. Er berief sich dabei auf eine entsprechende Information der Landesregierung. Die Suche nach Unterkünften in den Städten und Landkreisen läuft mittlerweile auf Hochtouren. Viele Kreis- und Stadtverwaltungen setzen auf Angebote von Privatvermietern, aber auch von Hotels und Pensionen.

Denn vielerorts - wie zum Beispiel im Kreis Schmalkalden-Meiningen - ist es schwierig, innerhalb weniger Tage Wohnungen anzumieten. Etliche Städte und Kreise haben Mailadressen eingerichtet, unter der Vermieter oder Privatleute ein Zimmer oder auch nur ein freies Bett anbieten können.

Landkreise selbst verantwortlich

Für die Flüchtlinge müssten die Landkreise selbst nach Wohnmöglichkeiten suchen. Sie sind laut Henning auch verantwortlich für Hilfen entsprechend dem Asylbewerberleistungsgesetz. Dazu gehörten auch die Unterkunftskosten. Die CDU forderte die Landesregierung in der Zwischenzeit auf, die Aufnahme der Kriegsflüchtlinge federführend zu übernehmen und nicht den Kommunen zu überlassen.

Es brauche ein ordentliches Management, sonst drohe Chaos, sagte Fraktionschef Mario Voigt. Die Landesregierung dürfe die Landkreise, Städte und Gemeinden mit dieser "Mammutaufgabe" nicht alleine lassen. Voigt sprach von der "größten Fluchtbewegung" seit dem Zweiten Weltkrieg.

FDP fordert finanzielle Hilfe für Kommunen

Auch die migrationspolitische Sprecherin der FDP im Thüringer Landtag, Franziska Baum, forderte von der Landesregierung ein Höchstmaß an organisatorischer und finanzieller Hilfe für die Kommunen.

Vor allem mit Blick auf die Kindergärten und Schulen im Freistaat. Diese stünden schon bald vor der Aufgabe, geflüchtete Kinder und Jugendliche zu integrieren. Das werde Erzieher, Schulsozialarbeiterinnen und Lehrerinnen vor enorme Herausforderungen stellen.

Verfassungsschutz fordert Registrierung von Flüchtlingen

Gleichzeitig forderte der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer am Dienstag im Handelsblatt eine Registrierung aller Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Er mahnte, dass bereits jetzt die organisierte Kriminalität versuche, sich die Flüchtlingssituation zunutze zu machen, etwa in Bezug auf Menschenhandel oder Prostitution.

Bei aller Hilfe und allem Mitgefühl dürfe die Sicherheit "unserer Bürger" nicht aus dem Blick verloren werden, sagte der Verfassungsschutzchef. Eine Gefahr gehe dabei nicht etwa von den Flüchtlingen aus, sondern möglicherweise von Terrororganisationen oder der organisierten Kriminalität.

Zeitweise auch Eisenberg vorstellbar

Das Land will die Flüchtlinge nach eigenen Angaben zügig auf die Städte und Gemeinden verteilen, in der Erstaufnahmestelle Suhl sollen sie nur einen bis zwei Tage bleiben. Sollte der Flüchtlingsstrom drastisch anschwellen, könnte zeitweise auch die Erstaufnahmestelle Eisenberg reaktiviert werden.

Erster Bus mit Flüchtlingen erreicht Bad Sulza

Ein erster größerer Reisebus mit Flüchtlingen aus der Ukraine erreichte am Dienstag Bad Sulza im Weimarer Land. Die etwa 40 Menschen werden auf Privatinitiative zunächst im Hotel Krähenhütte untergebracht. Die Hotelbetreiber haben 50 Betten zur Verfügung gestellt.

Bei den Flüchtlingen handelt es sich überwiegend um Frauen mit Kindern, selbst Säuglinge sind mitgereist. Sie wurden von den Maltesern auf den Weg geschickt, nachdem sie in Berlin gelandet waren. Viele von ihnen sind bereits mehr als eine Woche unterwegs. Die Flüchtlinge bekommen auch Unterstützung von den Ukrainischen Landsleuten und der Stadt Bad Sulza.

45 Flüchtlinge nach Pößneck unterwegs

Am Dienstag sollen 45 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Pößneck (Saale-Orla-Kreis) ankommen. Wie eine Sprecherin der Druckerei GGP Media sagte, haben Mitarbeiter des Unternehmens die Frauen, Kinder und einen Mann im Rentenalter von der polnisch-ukrainischen Grenze mitgenommen. Die Druckerei-Mitarbeiter waren am Montag mit einer Dolmetscherin nach Polen gefahren, um Hilfsgüter abzugeben.

In Pößneck sollen die Ukrainer bis Ende März in einem früheren Lehrlingsheim der Volkssolidarität untergebracht werden. Dort wurden demnach auf einer Etage Einzel- und Doppelzimmer für sie vorbereitet. Für die Zeit danach versuche man gerade, Wohnungen für sie zu finden, sagte die Mitarbeiterin der Druckerei.

Erste Flüchtlinge in Bad Tennstedt angekommen

Noch am Montag sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine in Bad Tennstedt im Unstrut-Hainich-Kreis angekommen. Wie Bürgermeister Jens Weimann (CDU) MDR THÜRINGEN sagte, habe die Städtische Wohnungsgesellschaft gemeinsam mit dem Feuerwehrverein eine Wohnung für fünf Frauen und Kinder komplett hergerichtet.

Am Dienstag werden zehn weitere Flüchtlinge erwartet. Sie sollen im Stadtgebiet privat untergebracht werden.

Flüchtlinge von der polnischen Grenze in Obermehler eingetroffen

Am Montagabend sind in der Gemeinschaftsunterkunft Obermehler im Unstrut-Hainich-Kreis die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine eingetroffen. Wie Helfer Marcel Gißke MDR THÜRINGEN sagte, sind die 24 Frauen, Männer und Kinder im polnischen Grenzort Przemysl zugestiegen. Unklar ist, wie lange die Flüchtlinge in Obermehler bleiben.

Gißke war am Freitag mit zwei weiteren Helfern und zwei Kleinbussen in Richtung Ukraine aufgebrochen, um dort Hilfsgütern hinzubringen. Der Inhaber eines ambulanten Hilfsdienstes in Sondershausen hat die private Hilfsaktion gemeinsam mit einem Kollegen organisiert.

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Weitere Flüchtlinge werden in Schmalkalden erwartet

Wie ein Sprecher der Hilfsinitiative MDR THÜRINGEN sagte, sind in Schmalkalden bislang 46 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in privaten Unterkünften untergebracht worden. Die Frauen seinen mit ihren Kindern und zumeist ältere Menschen per Bus von der ukrainisch-polnischen Grenze nach Thüringen geholt worden. Sie seien seit Sonntagabend in Schmalkalden und kamen in Wohnungen in Privathäusern, Ferienwohnungen und Hotels unter.

Außerdem werde ihnen Lebensmittel, Hygiene- und Badartikel sowie Kleidung und Spielsachen zur Verfügung gestellt. Nach Angaben von Bürgermeister Thomas Kaminski werden weitere Flüchtlinge erwartet. Auch für sie würden Unterkünfte in und um Schmalkalden gesucht.

Bistum Erfurt startet Ukraine-Hilfe

Unterdessen hat auch das Bistum Erfurt eine Aktion mit 50.000 Euro Soforthilfe gestartet. Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr rief zu Solidarität und großherzigen Spenden auf. "Wir müssen zweigleisig denken und handeln." Die Hälfte der Summe sei bereits über Caritas international als Vor-Ort-Hilfe an das ukrainische Schwestern-Hilfswerk überwiesen worden, erklärte ein Bistumssprecher am Dienstag in der Thüringer Landeshauptstadt.

Gleichzeitig fließen weitere 25.000 Euro in einen Fonds, mit dessen Mitteln Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet, die bereits nach Thüringen gekommen sind oder noch kommen werden, Unterstützung finden sollen.

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MDR (jn,ds)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. März 2022 | 12:00 Uhr

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