Schönheitskur in Berlin Wie ein ägyptischer Mumiensarg aus Gotha auf Reisen geht

Ein fast 3.000 Jahre alter Mumiensarg aus einem Museum in Gotha soll in Berlin restauriert werden. Wie das Exponat nun transportiert werden soll, hat sich unsere MDR THÜRINGEN-Reporterin angesehen.

Ein altägyptischer Mumiensarg, geschätztes Herstellungsdatum 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 17.11.2021 19:00Uhr 03:02 min

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Ziemlich verloren sieht er aus, wie er da so liegt auf dem Boden in einem Gemälderaum des Depots der Stiftung Schloss Friedenstein im Perthes-Forum in Gotha. Eigentlich wird er in einem Klimaschrank aufbewahrt, in einem Ausziehfach. Über und unter ihm liegen sonst andere Mumiensärge und Mumien. Jetzt ist er allein. Schon einen ganzen Tag lang.

Aufgeklappt liegen so obere und untere Hälfte nebeneinander. Sowohl unter der Ober- als auch unter der Unterhälfte liegt ein spezielles Papier. So sollen Farb- und Splitterteile aufgefangen werden, die für die Restauratorin Tatjana Lamfried in Berlin noch wichtig sein könnten. Denn das ist das Reiseziel des Mumiensarges - eine Restaurierungswerkstatt in Berlin.

Ein Mann zeigt auf eine beschädigte Stelle, Kameramann filmt
Eine echte Besonderheit im Museum in Gotha. Der Mumiensarg ist fast 3.000 Jahre alt. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Und weil dort die Anlieferung nur über ein Fenster funktioniert, wird der Sarg nicht wie ursprünglich geplant in einer Klimakiste transportiert, sondern in Papier und Noppenfolie verpackt, erklärt Uta Wallenstein. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ägyptenabteilung im Herzoglichen Museum und kennt die Geheimnisse und Geschichten dieses Sarges. Natürlich hätten auch das Gewicht und die Holzpreise eine Rolle gespielt.

Sarg kam über London nach Gotha

Auf Holz klopfen will ich beim ägyptischen Sarg lieber nicht. Immerhin ist er schon fast 3.000 Jahre alt. Zwei Meter lang ist er und war farbenprächtig bemalt mit Bildern verschiedener Gottheiten. Er stammt aus dem 10. bis 9. Jahrhundert vor Christus. Gefertigt wurde der Sarg für einen hohen ägyptischen Würdenträger namens Nes-pa-aa. Er war Vorsteher und Hüter am Tempel des Osiris. Nach Gotha kam er 1848 von London aus als Geschenk von Prinzgemahl Albert, des Gemahls Queen Victorias, an seinen in Gotha regierenden Bruder Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha.

Die prächtigen Farben lassen sich nur erahnen. Doch Uta Wallenstein zeigt mir Fotos von bereits restaurierten Mumiensärgen. Und ich bin überrascht, was nach der Reinigung und der Restaurierung da wieder zum Vorschein kam. Der Sarg hat also Glück, dass so viele Spenden zusammenkamen, dass er in den kommenden Monaten umfangreich für knapp 12.000 Euro restauriert werden kann.

Mumiensarg-Detail Fußende
Einige Risse hat der Sarg aus Holz bereits. Für knapp 12.000 Euro wird er nun restauriert. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

"Geruch der Jahrtausende"

Berühren will ich ihn also besser nicht, diesen ägyptischen Sarg. Aber ganz nah ran gehe ich dennoch. Ich möchte wissen, wie er riecht. Und naja, besonders würde ich das mal nennen. Uta Wallenstein lacht. Das sei der Geruch der Jahrtausende. Ob ich denn nun den Fluch des Pharao fürchten muss, frage ich. Wenn ja, wäre es jetzt sowieso zu spät. Doch Uta Wallenstein beruhigt mich. Schon vor Jahren wurden umfangreiche Untersuchungen an den Mumien und an den Särgen gemacht. Gefunden wurden dabei lediglich Keime und Pilze, die nicht gefährlich sind - also nicht pathogen - und die auch beispielsweise in Blumenerde vorkommen. Dem Fluch des Pharao bin ich also entkommen.

Mumiensarg uaf Verpackungsmateriel
Ober- und Unterseite des Sargs müssen gut verpackt werden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Die Depotmitarbeiter wie Gunter Rothe beginnen, den Mumiensarg mit dem Spezialpapier und der Noppenfolie zu verpacken. Ich hätte ja Angst, etwas kaputt zu machen, sage ich. Doch Gunter Rothe lächelt nur und sagt, für ihn sei das Alltag. Nur gut, dass ich das nicht machen muss. Normalerweise liegen in so einem Sarg ja Mumien, eingewickelt in Leinenbinden. Nun wird der Sarg eingewickelt wie eine Mumie - allerdings in Papier und Plastik.

Ob die alten Ägypter genauso viel Spaß daran gehabt hätten, die Bläschen in der Noppenfolie zu zerdrücken, so wie ich, frage ich mich. Das Einwickeln geht dann schneller als gedacht. In nicht einmal zehn Minuten ist der untere Sargteil verpackt und wird zur Seite gelegt. Dem Deckel ergeht es nicht anders. Nach kurzer Zeit ist auch er verpackt und liegt auf einem Transportwagen.

Mumiensarg Transport und Filmung
Gut eingewickelt in Spezialpapier und Noppenfolie geht es am Donnerstag in einem klimatisierten Transporter in die Hauptstadt. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Im Transporter nach Berlin

Eine Nacht verbringt der Mumiensarg nun noch in Gotha. In einem klimatisierten und besonders gefederten Transporter der Stiftung Schloss Friedenstein geht er dann auf Reisen nach Berlin - in die Schönheitskur. Zehn Monate wird er dort bleiben und dann im kommenden Herbst strahlend schön wieder zurückkehren nach Gotha. Dann wird er Teil einer Freimaurerausstellung werden.

Wie verabschiedet man jetzt einen solchen Sarg? Kann Uta Wallenstein einen ägyptischen Abschiedsgruß? Nein, lacht sie. Ich auch nicht. Und so wünschen wir beide ihm von Herzen gute Reise und eine glückliche Rückkehr. Uta Wallenstein liegt die Restaurierung dieses Sarges sehr am Herzen, sagt sie mir. Doch das habe ich längst am Strahlen in ihren Augen gesehen.

Quelle: MDR(fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. November 2021 | 19:00 Uhr

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