Hilfe Bad Liebenstein nimmt Flüchtlinge aus der Ukraine auf

Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine. Schutz finden sie auch in Thüringen. Am Samstagmorgen sind 41 Flüchtlinge in Bad Liebenstein angekommen - vor allem Frauen und Kinder. Sie wurden bei Familien, in Privatunterkünften und Ferienwohnungen untergebracht. Das hatte das Netzwerk Ukraine in den letzten Tagen organisiert.

Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer und weitere Bürger der Stadt sprechen zu ukrainischen Flüchtlingen.
Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer hieß die ukrainischen Flüchtlinge herzlich willkommen. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Valeria Zizukina ist eine junge Frau. Sie hat Deutsch und Englisch in Charkiw studiert, wollte als Dolmetscherin arbeiten. Jetzt ist sie mit ihrer Mutter Tatjana seit Dienstag auf der Flucht. Sie haben Großmutter, Stiefvater und Freunde zurücklassen müssen. Sie wollten bleiben, sagt Zizukina.

Für sie war das keine Option. Die Explosionen, das Verbarrikadieren im Keller, die Angst, das macht was mit dir, sagt sie. Valeria Zizukina bleibt bei diesen Worten völlig gefasst, während ihrer Mutter Tränen in die Augen steigen. Und sich bei mir ein Kloß im Hals bildet.

Zwei Frauen aus der Ukraine im Gespräch mit MDR THÜRINGEN-Reporterin Katja Bomeier.
Valeria Zizukina (li.) und ihre Mutter waren tagelang auf der Flucht. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Viele Bad Liebensteiner haben Hilfe angeboten

Die beiden sitzen mir an einem Tisch in einem kleinen Bungalow gegenüber. Daneben brennt der Ofen, an einem Schrank hängt die ukrainische Flagge. Mit dabei sind auch Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer und Eberhard Heller von der Kirchgemeinde.

Am Mittwoch wurde im Stadtrat entschieden, ein Netzwerk aufzubauen. Um vorbereitet zu sein, wenn Menschen aus der Ukraine kommen. Viele Bad Liebensteiner haben angeboten zu helfen - mit Wohnraum, beim Organisieren und Betreuen. "Dass der Anruf dann doch so schnell kommen würde, hätten wir nicht gedacht", sagt Brodführer.

Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer und weitere Bürger der Stadt sprechen zu ukrainischen Flüchtlingen.
Bad Liebensteins Bürgermeister Michael Brodführer (links) heißt die Flüchtlinge aus der Ukraine willkommen. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Auf dem Rückweg vom Hilfstransport Flüchtlinge mitgenommen

Ein Busunternehmer hatte sich am Freitagabend gemeldet, ob Bad Liebenstein Flüchtlinge aufnehmen kann. Er hatte Hilfsgüter an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht und auf dem Rückweg Flüchtlinge aufgenommen. Für Brodführer war klar: Wir müssen helfen.

Am Samstagmorgen um 4 Uhr sind 41 Flüchtlinge - vor allem Frauen und Kinder - in Bad Liebenstein angekommen - erschöpft und müde. In der Kirche werden sie mit heißer Suppe, Kaffee und Tee versorgt. Bis alle auf die Liebensteiner Familien aufgeteilt werden, dauert es.

"Sie waren todmüde, sind gleich eingeschlafen"

Es war beeindruckend, wie geduldig die Menschen waren, sagte Susanne Rakowski. Trotz allem, was sie erlebt haben. Für sie war es selbstverständlich zu helfen. Genauso wie für Christian Jäger. Er beschreibt die Situation als bedrückend. Ihm taten vor allem die Kinder leid. "Sie waren todmüde, sind gleich eingeschlafen, als wir sie auf die Kirchenbänke gelegt haben."

Der Rentner ist den Tränen nah. Er sagt: "Ich wüsste nicht, wo wir hingehen sollten, wenn es hier Krieg gäbe. Die Menschen brauchen Hilfe, die bekommen sie von uns - aus ganzem Herzen."

Am Nachmittag wollen sich dann alle in der Kinder- und Jugendkunstschule treffen. Es gibt belegte Brote, Suppe, Kuchen. Dann will Aline Burghardt die ukrainischen Gäste begrüßen - auf russisch. Dafür übt sie zusammen mit Michael Kotschinsky. Er stammt aus Russland. Für ihn ist es ein wichtiges Anliegen, den ukrainischen Flüchtlingen zu helfen. Er fühlt sich mitverantwortlich, für das was gerade passiert. Er hilft beim Übersetzen und Vermitteln. "Das ist das, was ich tun kann", sagt Kotschinsky.

Aline Burghardt übt mit Michael Kotschinsky russisch.
Aline Burghardt übt mit Michael Kotschinsky russisch. Bildrechte: MDR/Katja Bomeier

Zu dem Treffen am Nachmittag wollen auch Valeria Zizukina und ihre Mutter Tatjana kommen. Beim Verabschieden nehmen mich beide in den Arm. Tatjana weint. "Aber wir sind in Sicherheit", sagt Valeria. "Und sobald wieder Frieden ist, werden wir in die Ukraine zurückkehren und unser Land wieder aufbauen." Dabei lächelt sie.

MDR (dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten regional | 05. März 2022 | 21:30 Uhr

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