Energieversorgung Windräder im Wald für Rot-Rot-Grün kein Tabu mehr

Thüringen will den Ausbau von Windrädern schneller vorantreiben, um unabhängiger von Öl und Gas zu werden. Die Verfahren sollen verschlankt werden - und auch der Bau im Wald und in Naturschutzgebieten soll kein Tabu mehr sein.

Die Thüringer Landesregierung schließt den Bau von Windrädern im Wald nicht mehr aus. Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij (Linke) sagte nach einer Kabinettssitzung am Dienstag, in Thüringen sei auf vielen Flächen per Gesetz der Bau neuer Windkraftanlagen nicht möglich.

Um die Ausbauziele der Bundesregierung zu erreichen, müsse geprüft werden, ob Windräder in Einzelfällen auch in Wäldern und Naturschutzgebieten genehmigt werden könnten. Außerdem will Karawanskij den Gemeinden künftig mehr Befugnisse beim Bau von Windanlagen geben. Sie sollen künftig die Möglichkeit bekommen, eigene Gebiete für Windenergieanlagen ausweisen zu können.

Susanna Karawanskij
Infrastrukturministerin Susanna Karawanskij: Gemeinden sollen Flächen selbst ausweisen können. Bildrechte: dpa

Siegesmund: Energiesicherheit ist Sicherheitspolitik

Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte, künftig solle die Dauer von Genehmigungsverfahren für Windräder deutlich verkürzt werden. So solle die Leitungsebene des Landesverwaltungsamtes direkt für die Planung und Genehmigung neuer Anlagen zuständig sein. Mit Blick auf den russischen Angriff auf die Ukraine sprach Siegesmund auch von Energiesicherheit als Teil der Sicherheitspolitik.

Für den möglichen Bau von Windrädern im Wald verwies die Ministerin der Grünen auf geschädigte Waldflächen. Die Flächen könnten für den Ausbau der erneuerbaren Energien genutzt werden. Siegesmund zufolge ist noch abzuwarten, welche gesetzlichen Vorgaben der Bund dazu macht. Nach den Plänen der Bundesregierung sollen deutschlandweit zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie reserviert werden.

Anja Siegesmund sitzt im Plenarsaal des Thüringer Landtags.
Thüringens Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund: "Energiepolitik ist Sicherheitspolitik". Bildrechte: dpa

Verbot von Windkraftanlagen im Waldgesetz

Auf Drängen der Oppositionsfraktionen CDU und FDP war ein Verbot von Windkraftanlagen im Wald Ende 2020 wieder in das Thüringer Waldgesetz aufgenommen worden. Eine Änderung des Waldgesetzes in Thüringen ist laut den Ministerinnen jedoch zunächst nicht geplant. "Wir werden zunächst abwarten, was der Bund macht", sagte Karawanskij.

Über Windräder wird seit Jahren in Thüringen gestritten. Die Union fordert in einem Gesetzentwurf mindestens 1.000 Meter Abstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern. Bisher ist in Thüringen gesetzlich geregelt, dass ein Prozent der Landesfläche für Windräder genutzt werden können. Tatsächlich sind es laut Siegesmund derzeit aber erst 0,3 Prozent. In Thüringen produzieren 844 Windräder maximal 1.694 Megawatt Strom.

Zuvor hatten die Grünen im Landtag mehr Flächen für Windkraftanlagen in Wäldern gefordert. Die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion Laura Wahl sagte, der Ausbau müsse vorangetrieben werden - mindestens zwei Prozent der Landesfläche müsse dafür zu Verfügung stehen. Die Linksfraktion erwartet vom Ausbau erneuerbarer Energien gleichbleibende, niedrige Energiepreise. Das hätten Studien belegt.

Kritik von CDU, AfD und FDP an Windradplänen

Die Opposition im Landtag kritisierte den Vorstoß aus dem rot-rot-grünen Lager. Der energiepolitische Sprecher der CDU-Fraktion Thomas Gottweiss sprach von "völligem Wildwuchs" beim Ausbau von Windkraftanlagen, wenn die Gemeinden künftig eigene Gebiete ausweisen könnten.

Die AfD-Fraktion bezeichnete den Windkraftausbau als "politischen Irrweg", der zu größerer Abhängigkeit führe. Die energiepolitische Sprecherin Nadine Hoffmann sagte, es sei falsch zu glauben, dass ein weiterer Windkraft- und Solarausbau mit geringeren Energieimporten aus dem Ausland einhergehen werde.

Die FDP-Gruppe erklärte, dass die Energiewende mehr als Windräder erfordere. Der Sprecher für Infrastruktur, Dirk Bergner, sagte, Thüringen müsse technologieoffen herangehen. Unter anderem Wasserkraft habe ein großes Potenzial.

MDR(sar),dpa,epd

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. März 2022 | 16:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/fdba4c50-299c-460d-a540-5f9c82fcb6a0 was not found on this server.

Mehr aus Thüringen

Genanalyse 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Museumsumzug 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Handy 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK