Ukraine-Russland-Konflikt Belarus: Warum das Militärmanöver mit Russland den Menschen Angst macht

In Belarus findet seit Donnerstag ein gemeinsames Militärmanöver von russischen und belarussischen Truppen statt – direkt an der Grenze zur Ukraine. Bis zum 20. Februar sollen die Übungen andauern. US-amerikanischen Angaben zufolge hat Moskau rund 30.000 Soldaten nach Belarus abkommandiert und zusätzlich Luftabwehrsysteme dorthin verlegt. Unsere Ostbloggerin in Minsk, Anna Zaitseva, fasst in drei Fragen und Antworten zusammen, was die belarussische Bevölkerung von der Sache hält.

Soldat in Militärhubschrauber - Veröffentlichung: Verteidigungsministerium der Russischen Föderation
Russische und belarussische Truppen üben derzeit gemeinsam nahe der ukrainischen Grenze. Bildrechte: imago images/SNA

Was denken die Menschen in Belarus über das gemeinsame Militärmanöver mit Russland?

Die Menschen in Belarus machen sich deswegen große Sorgen. Eigentlich sind solche gemeinsamen Militärmanöver mit Russland nichts Neues. Aber: Die Tatsache, dass derzeit rund 30.000 russische Soldaten im Land sind, die auch schweres Gerät mitgebracht haben, ist doch sehr ungewöhnlich. Das gab es bislang noch nie.

Die Belarussen fürchten, zwischen die Fronten zu geraten, falls Russland sich entscheidet, die Ukraine anzugreifen. Diese Angst wird dadurch bestärkt, dass Belarus das ideale Aufmarschgebiet für russische Truppen Richtung Ukraine ist. Wenn sie nämlich aus Belarus kommen, müssen sie nicht den Dnepr passieren. Viele Belarussen halten die Gefahr, dass ihr Land in den Konflikt hineingezogen wird, für durchaus realistisch.

S-400 Triumf Luftabwehrsysteme
Auch russische Luftabwehrsysteme S-400 Triumf nehmen am Manöver in Belarus teil. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Welche Befürchtungen verbinden die Menschen in Belarus außerdem mit der Anwesenheit russischer Truppen im Land?

Ende Februar gibt es in Belarus ein Referendum über eine neue Verfassung. Dabei wird die Vertiefung der Integration mit Russland eine Rolle spielen. Die Menschen haben Angst, dass sie am ersten März in einem Unionsstaat mit Russland aufwachen – und die russischen Truppen stünden dann schon im Land und könnten eventuelle Proteste leicht unterdrücken.

Der ursprüngliche Verfassungsentwurf sicherte innenpolitisch Lukaschenkos Macht und gab Russland keinen Einfluss auf Belarus. Putin hat diesen Entwurf scharf kritisiert und einen wichtigen Kredit für Belarus nicht bewilligt. Die Bevölkerung befürchtet nun, dass Lukaschenko und Putin hinter den Kulissen einen Deal schließen könnten. Der Verfassungsentwurf könnte dann noch kurz vor dem Referendum ausgetauscht werden – gegen eine Version, die Belarus um seine Unabhängigkeit bringt. Dass das Ergebnis des Referendums den Wünschen der Machthaber entsprechend manipuliert wird, daran hat niemand in Belarus Zweifel.

Wie werden die gemeinsamen Militärmanöver von Belarus und Russland von offizieller Seite dargestellt?

Die Staatsführung und auch die staatlichen Medien sagen, dass die Manöver überhaupt nichts Ungewöhnliches sind, da es in der Vergangenheit schon welche gab. Dass diesmal aber viel mehr russische Truppen und Waffen im Land sind als sonst, das verschweigen sie. Sie sagen außerdem, dass in der Ukraine-Krise von russischer Seite überhaupt keine Kriegsgefahr ausgeht. Allerdings glaubt ihnen das niemand. Auch weil die USA inzwischen damit begonnen haben, Personal aus Belarus abzuziehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 12. Februar 2022 | 07:15 Uhr

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