Ukraine-Krieg Newsblog: Russland verbrennt große Mengen Gas nahe Pipeline Nord Stream 1

Russland verbrennt einem BBC-Bericht zufolge riesige Mengen an Erdgas nahe der im Moment kaum noch befüllten Ostseepipeline Nord Stream 1. Die Flamme bei der Kompressorstation Portowaja nordwestlich von Sankt Petersburg ist demnach bis in das benachbarte Finnland und deutlich auf Satellitenbildern zu sehen. Aktuelle Nachrichten zum Ukraine-Krieg und den Folgen im Newsblog.

Russland verbrennt Gas an der Verdichterstation Portovaya in Russland, aufgenommen vom Luftüberwachungsturm von Pyterlahti in Virolahti, Ostfinnland.
Russland verbrennt Gas an der Verdichterstation Portovaya in Russland, aufgenommen vom Luftüberwachungsturm von Pyterlahti in Virolahti, Ostfinnland. Bildrechte: IMAGO / Lehtikuva

Unser Ukraine-Newsblog am Freitag, 26. August 2022, endet hier. Vielen Dank für Ihr Interesse. Über die aktuellen Entwicklungen informieren wir Sie wieder ab Samstag.

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

22:17 Uhr | Total gibt sibirisches Gasfeld an russischen Partner ab

Das französische Energieunternehmen TotalEnergies gibt seine Anteile an einem Gasfeld in Sibirien ab. Der Konzern erklärte, die Gasförderung auf dem Feld Termokarstowoje werde künftig vom russischen Partner Nowatek allein betrieben. Bislang hielt Total 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen.

Die französische Zeitung "Le Monde" hatte vor zwei Tagen berichtet, dass Gas aus dem sibirischen Feld genutzt werde, um Kerosin für die russische Armee herzustellen. Befüllt würden damit die Tanks von Kampfjets, die im Krieg in der Ukraine im Einsatz seien. TotalEnergies hatte erklärt, davon habe man keine Kenntnis.

18:19 Uhr | Uni Magdeburg bietet Doppelabschluss für Ukrainer

Eine Fahne mit dem Porträt des Physikers Otto von Guericke weht vor dem Campustower der Otto von Guericke Universität.
Der Campustower der Otto von Guericke Universität. Bildrechte: dpa

Die Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg will ab dem kommenden Wintersemester einen deutsch-ukrainischen Doppelabschluss anbieten. Die Uni teilte mit, man arbeite mit der Technischen Universität in Charkiw zusammen. Die Idee des Programms sei es, nach Deutschland geflüchteten ukrainischen Abiturienten einen leichteren Einstieg in das deutsche Hochschulsystem zu ermöglichen. Es stehe aber auch Menschen offen, die sich in der Ukraine befänden.

16:15 Uhr | Podcast: Ex-General Bühler bilanziert ein halbes Jahr Krieg in der Ukraine

Seit einem halben Jahr hält die Ukraine dem russischen Angriff stand. Inzwischen kann Russland nur noch kleine taktische Geländegewinne erzielen. In der neuen Podcastfolge zieht Ex-General Erhard Bühler eine Zwischenbilanz und geht auf die Frage ein, warum die Ukraine nicht die Krim-Brücke angreift.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 54 min
Bildrechte: MDR / Erhard Bühler

15:35 Uhr | Wirtschaftsweise Grimm für subventionierte Gasgrundversorgung

Um die Privathaushalte von den gestiegenen Gaspreisen zu entlasten, hat die Wirtschaftsweise Veronika Grimm einen staatlich subventionierten Grundverbrauch ins Spiel gebracht. Grimm sagte der Deutschen Presse-Agentur, Haushalte bis zu einem bestimmten Einkommen könnten Gas zu günstigen Konditionen bekommen - zum Beispiel 75 Prozent des Durchschnittsverbrauches. Für den darüber hinausgehenden Verbrauch müsste dann der Marktpreis gezahlt werden. Mit diesem Modell würde Anreiz zum Energiesparen gegeben und zugleich Zahlungsschwierigkeiten von Mietern, Versorgern und auch Vermietern vorgebeugt.

13:31 Uhr | BBC: Russland verbrennt große Mengen Gas nahe Pipeline Nord Stream 1

Russland verbrennt einem BBC-Bericht zufolge riesige Mengen an Erdgas nahe der im Moment kaum noch befüllten Ostseepipeline Nord Stream 1. Die Flamme bei der Kompressorstation Portowaja nordwestlich von Sankt Petersburg ist demnach bis in das benachbarte Finnland und deutlich auf Satellitenbildern zu sehen. Es soll sich um Gas handeln, das für den Export nach Deutschland bestimmt war, aber wegen der geringeren Auslastung der Leitung im Moment nicht anderweitig abgeführt werden kann.

Russland verbrennt Gas an der Verdichterstation Portovaya in Russland, aufgenommen vom Luftüberwachungsturm von Pyterlahti in Virolahti, Ostfinnland.
Blick auf die Verdichterstation Portovaya in Russland, aufgenommen vom Luftüberwachungsturm von Pyterlahti in Virolahti, Ostfinnland . Bildrechte: IMAGO / Lehtikuva

Das Abfackeln von Gas im Verarbeitungsprozess ist nichts Ungewöhnliches. Erstaunt zeigten sich der BBC zufolge Experten jedoch über die Menge. Der Branchendienst RystadEnergy geht dem Bericht zufolge davon aus, dass dort täglich 4,34 Millionen Kubikmeter Gas in Rauch aufgehen - das entspreche einem Wert von umgerechnet rund zehn Millionen Euro am Tag. Deutschlands Botschafter in London, Miguel Berger, sagte der BBC am Freitag, man beobachte das Abfackeln bereits seit einiger Zeit. Das zeige, dass die Verringerung des Anteils von russischem Gas am deutschen Verbrauch von über 50 auf nun etwa 10 Prozent Wirkung zeige und einen starken Effekt auf die russische Wirtschaft habe. Er fügte hinzu: "Weil sie ihr Gas nirgendwo anders verkaufen können, müssen sie es verbrennen."

Aktuell ist Nord Stream 1 nach russischen Angaben wegen fehlender Turbinen nur zu 20 Prozent ausgelastet. Damit werden täglich etwa 33 Millionen Kubikmeter Gas durch die Ostsee nach Deutschland gepumpt. Der russische Energieriese Gazprom bestätigt nicht, dass nicht verkauftes Gas abgefackelt wird.

12:41 Uhr | Ukraine kontrolliert weiter 45 Prozent des Donezker Gebiets

Nach über sechs Monaten russischem Angriffskrieg kontrolliert Kiew in der Ostukraine weiter große Teile des Donezker Gebiets. 45 Prozent stünden unter ukrainischer Kontrolle, sagte Militärgouverneur Pawlo Kyrylenko am Freitag beim TV-Sender Nastojaschtscheje Wremja. Vor dem russischen Einmarsch am 24. Februar standen demnach etwa zwei Drittel des Gebiets mit etwa 1,67 Millionen Einwohnern unter ukrainischer Kontrolle. Im verbliebenen Teil würden sich derzeit etwa 350.000 Menschen aufhalten, sagte Kyrylenko.

Russland hat hingegen das ostukrainische Gebiet Luhansk komplett erobert. Dazu stehen weite Teile der Gebiete Charkiw, Donezk, Saporischschja und Cherson in der Ost- und Südukraine unter russischer Kontrolle.

10:45 Uhr | Russen sollen Ausbildung von Ukrainern ausgespäht haben

Russische Geheimdienste sollen versucht haben, die Ausbildung ukrainischer Soldaten an westlichen Waffensystemen in Deutschland auszuspähen. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) habe im Umfeld der Militärstandorte Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz und Grafenwöhr in Bayern verdächtige Fahrzeuge bemerkt, aus denen heraus vermutlich Zufahrten zu den Kasernen beobachtet worden seien, berichtete der "Spiegel" am Freitag. Übungsplätze seien mehrmals mit Kleindrohnen überflogen worden. In Sicherheitskreisen werde auch vermutet, die russischen Dienste könnten versucht haben, Mobilfunkdaten der ukrainischen Soldaten mit Funkscannern auszuspähen.

Der MAD erklärte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, zu möglichen Ergebnissen von Abwehroperationen äußere man sich nicht. In Idar-Oberstein bildete die Bundeswehr ukrainische Soldaten an der "Panzerhaubitze 2000" aus, in Grafenwöhr trainierten die US-amerikanischen Streitkräfte Ukrainer an westlichen Artillerie-Systemen.

08:24 Uhr | Besetztes AKW Saproischschja hat wieder Strom

Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja ist wieder am Stromnetz, nachdem es zwischenzeitlich von der Versorgung abgeschnitten war. Das teilte die Internationale Atomenergiebehörde (IEAE) unter Berufung auf Angaben aus Kiew mit. Allerdings stünden derzeit alle sechs Reaktoren still. Russland erklärte dagegen, ein Reaktorblock sei wieder angefahren worden.

Gestern war wegen Bränden in der Nähe die Stromversorgung zwischenzeitlich gekappt worden. Deshalb hatten sich Reaktorblöcke automatisch abgeschaltet.

Wegen des Vorfalls hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verstärkten internationalen Druck auf Russland gefordert, um eine Räumung des besetzten Atomkraftwerks zu erreichen. Die Internationale Atomenergiebehörde und andere Organisationen müssten viel schneller handeln.

Jede Minute, die das russische Militär im Kernkraftwerk bleibt, bedeutet das Risiko einer globalen Strahlenkatastrophe.

Wolodymyr Selenskyj Ukrainischer Präsident

06:00 Uhr | Newsblog am Freitag, 26. August 2022

Guten Morgen, in unserem Newsblog halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem aktuellen Stand. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 26. August 2022 | 06:00 Uhr

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