Brüssel Nato will mit Aufrüstung auf Russlands Krieg reagieren

Die Staats- und Regierungschefs der 30 Nato-Länder haben in Brüssel das weitere Vorgehen angesichts von Russlands Krieg gegen die Ukraine beraten. Einigkeit herrschte darin, die eigene Verteidigungsbereitschaft zu stärken und Russlands Präsidenten Putin einen hohen Preis zahlen zu lassen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, oben rechts, sitzt während einer Plenarsitzung im NATO-Hauptquartier in Brüssel neben US-Präsident Joe Biden
Nato-Sondergipfel in Brüssel Bildrechte: IMAGO / ZUMA Press

Die Nato-Staaten wollen auf Russlands Angriffskrieg mit massiver Aufrüstung reagieren. Darauf einigten sich die Staats- und Regierungschefs der 30 Mitgliedsländer auf einem Sondergipfel in Brüssel.

In einer gemeinsamen Gipfelerklärung heißt es, angesichts "der seit Jahrzehnten schwerwiegendsten Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit" werde man das Abschreckungs- und Verteidigungsdispositiv erheblich stärken und das gesamte Spektrum an einsatzbereiten Streitkräften und Fähigkeiten weiterentwickeln. US-Präsident Joe Biden erklärte, bis zum Nato-Gipfel in Madrid im Juni werde man entsprechende Pläne ausarbeiten. Man wolle sicherstellen, dass die Nato "auf jede Herausforderung in dem neuen und gefährlicheren Sicherheitsumfeld vorbereitet ist".

Zudem will die Nato die Ukraine mit weiterer Ausrüstung zum Schutz vor biologischen und chemischen Angriffen unterstützen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, die Mitgliedsländer hätten entschieden, der Ukraine weitere Hilfe zu leisten, damit sie ihr Grundrecht auf Selbstverteidigung ausüben könne. Zugleich warnte er Russland, "der Einsatz chemischer Waffen wäre eine schlimme Verletzung des Völkerrechts und würde schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen". Ohnehin müsse Russland für seinen Angriffskrieg einen hohen Preis bezahlen. 

Stoltenberg: Nato schickt weder Soldaten noch Flugzeuge

Natogeneralsekretär Stoltenberg spricht während Pressekonferenz.
Natogeneralsekretär Stoltenberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Stoltenberg sagte, das Bündnis werde weiter an der Seite der Ukraine stehen. Schon jetzt rüstete das Bündnis die Ukraine mit umfangreichen militärischen Gütern aus, darunter seien Panzerabwehr- und Luftabwehrsysteme sowie Drohnen. Er bekräftigte aber zugleich, dass die Nato "weder Soldaten noch Flugzeuge" in die Ukraine schicken werde.

Stoltenberg erklärte, es gehe darum, dass der Konflikt nicht über die Ukraine hinaus eskaliere. Das würde "noch mehr Leid, noch mehr Tote, noch mehr Zerstörung verursachen".

Ukraine bittet um 200 Panzer

An dem Treffen in Brüssel nahm per Videoschalte auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teil. Er bat noch einmal um Waffen, darunter Flugzeuge und 200 Panzer: "Sie haben mehr als 20.000 Panzer. Die Ukraine hat um ein Prozent gebeten." Kiew würde sie auch kaufen. Selenskyj beklagte, er habe bisher keine klare Antwort erhalten. Ähnlich sehe es bei den angeforderten Flugzeugen und Abwehrsystemen für Raketen aus: "Ich bitte darum, Ihre Einschätzung zu ändern und an die Sicherheit in Europa und in der Welt zu denken."

Unterstützung bekam Selenskyj unter anderem aus Estland. Regierungschefin Kaja Kallas erwiderte auf Bedenken, Russland könnte die Lieferung von Kampfflugzeugen als Kriegsbeteiligung der Nato werten: "Putin will uns einschüchtern und mit unseren Ängsten spielen. Wenn wir uns von seinen Aussagen einschüchtern lassen, dann erreicht er vielleicht sein Ziel." Ohne Deutschland konkret zu nennen, fügte sie hinzu: "Wenn Länder mit 80 Millionen Einwohnern kleinere Mengen geben als wir mit 1,3 Millionen, dann können die großen Länder mehr tun, um der Ukraine zu helfen."

Stoltenberg bleibt länger Nato-Chef

Auf dem Gipfel wurde zudem beschlossen, dass Stoltenberg ein Jahr länger im Amt bleibt als geplant. Nach Angaben der Nato dankten die Vertreter der Mitgliedsländer Stoltenberg für seine Führungsstärke und sein Engagement – insbesondere "in diesem kritischen Moment für die internationale Sicherheit". Stoltenbergs Amtszeit wäre eigentlich am 30. September ausgelaufen. Danach wollte der frühere norwegische Regierungschef in seiner Heimat Chef der Zentralbank werden.

dpa/afp/reuters

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 24. März 2022 | 19:30 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/1fdb0fb5-b9be-4b65-a394-bc60e5b58c45 was not found on this server.

Mehr Politik in Osteuropa

Mehr aus Osteuropa