Nord Stream 1 & 2 EU hält Pipeline-Sabotage für wahrscheinlich und droht mit Sanktionen

Die EU-Länder gehen davon aus, dass die Lecks in den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 auf Sabotage zurückzuführen sind. Kommissionschefin von der Leyen und der Außenbeauftragte Borrel drohen mit schärfsten Reaktionen.

Neben den Flaggen der EU-Mitgliedsstaaten ist auch jene der Ukraine aufgezogen.
Einigkeit in der EU: Lecks in Gaspipelines sind auf Sabotage zurückzuführen Bildrechte: IMAGO/Future Image

Die Europäische Union hält Sabotage als Ursache für die Lecks an den Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 für wahrscheinlich und droht mit Gegenmaßnahmen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte im Namen aller 27 Mitgliedstaaten: "Alle verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass diese Lecks das Ergebnis einer vorsätzlichen Handlung sind." Jede vorsätzliche Störung der europäischen Energieinfrastruktur werde mit einer robusten und gemeinsamen Reaktion beantwortet werden.

Von der Leyen nennt Sabotage "inakzeptabel"

Zuvor hatte bereits EU-Komissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Konsequenzen gedroht. Nach einem Telefonat mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen schrieb von der Leyen auf Twitter, jede vorsätzliche Störung der europäischen Energie-Infrastruktur sei inakzeptabel. Das werde zur schärfsten möglichen Reaktion führen.

Keiner von beiden nannte einen Verdacht, wer hinter einem möglichen Sabotageakt stecken könnte. Borrell sagte jedoch, man sei sehr besorgt: "Diese Vorfälle sind kein Zufall und gehen uns alle an."

Lettlands Außenminister: Neue Phase des hybriden Krieges

Noch deutlicher wurde Lettlands Außenminister Edgars Rinkevics. Er erklärte, die "Sabotage an den Pipelines Nord Stream 1 und 2 muss als schwerwiegendster Sicherheits- und Umweltvorfall in der Ostsee eingestuft werden. Die Nato und die EU sollten dies ernst nehmen und entsprechend reagieren." Es scheine, schrieb er auf Twitter, "dass wir in eine neue Phase des hybriden Krieges eintreten".

Dänemark und Schweden schließen Unglück als Ursache aus

Dänemark und Schweden hatten zuvor ausgeschlossen, dass die Lecks auf einen Unfall zurückzuführen seien. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte, die Behörden seien zu zu der eindeutigen Bewertung gekommen, dass es sich um absichtliche Taten handele. Innerhalb kurzer Zeit seien mehrere Explosionen registriert worden. Wer dahinterstecke, sei noch unklar. Auch Schwedens Regierungschefin Magdalena Andersson sprach von Sabotage. Die Ukraine und Polen hatten bereits am Dienstag von Sabotage gesprochen und Russland beschuldigt.

Eine Karte zeigt den Verlauf der Pipelines Nord Stream 1 und 2. An drei Punkten sind die Lecks markiert.
An drei Stellen sind Lecks der Nord-Stream-Pipelines aufgetreten. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Habeck spricht von gezielten Angriff

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sprach ebenfalls von einem gezielten Angriff. Man wisse inzwischen sicher, dass die Lecks "nicht durch natürliche Vorkommnisse oder Ereignisse oder Materialermüdung entstanden sind, sondern dass es wirklich Attacken auf die Infrastruktur gegeben hat", sagte Habeck bei einer Veranstaltung von Spitzenverbänden der Wirtschaft.

Russland weist Verantwortung für Sabotage zurück

Russland weist Vermutungen zurück, die Regierung in Moskau sei für die Sabotage verantwortlich. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, solche Behauptungen seien dumm. Was genau an den Pipelines passiert sei, wisse Russland derzeit auch nicht. Die Vorfälle müssten aufgeklärt werden. Russland habe kein Interesse daran, dass die Pipelines ausfielen und auch Europa nicht. Zugleich verwies er auf große Gewinne, die US-Firmen mit Gaslieferungen nach Europa machten.

Drei Lecks in 70 Meter Tiefe

Nachdem zuerst in der Pipeline Nord Stream 2 und später in Nord Stream 1 ein Druckabfall bemerkt wurde, wurden insgesamt drei Lecks vor der dänischen Insel Bornholm entdeckt. Die Leitungen liegen dort in 70 Meter Tiefe. Als Ursache für die Lecks werden Unterwasser-Explosionen vermutet. Die Reparatur wird nach Angaben der Betreiber Wochen dauern. Ob die Pipelines je wieder genutzt werden, ist ungewiss.

MDR, DPA, AFP

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 28. September 2022 | 09:00 Uhr

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