Weltklimagipfel Merkel fordert weltweiten Kohleausstieg

Der weitweite Verzicht auf Kohle und die Erhebung eines Preises auf CO2 – das sind die beiden Instrument, die Angela Merkel zur Auftaktveranstaltung des Weltklimagipfels in Glasgow angepriesen hat. Dutzende Staatschefs äußerten sich eindringlich zum Thema Klimaschutz.

Angela Merkel geht nach einer Rede beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow von der Bühne.
Die scheidende Kanzlerin Angela Merkel fordert in Glasgow mehr Klimaschutz. Bildrechte: picture alliance/dpa/Bundesregierung | Guido Bergmann

Bei der Auftaktveranstaltung des Weltklimagipfels im schottischen Glasgow hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen weltweiten Kohleausstieg starkgemacht. In ihrer Ansprache sagte sie, dies sei notwendig, um die Erderhitzung nicht weiter anzufachen.

Um die notwendige "umfassende Transformation des Lebens und Wirtschaftens" zu bewerkstelligen, seit außerdem die CO2-Bepreisung ein zentrales Instrument. Das Modell, das in Europa und Deutschland mit dem Emissionshandel bereits umgesetzt werde, weise der Wirtschaft den Weg zur Klimaneutralität.

Wir sind nicht da, wo wir hinmüssen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel redet beim UN-Klimagipfel COP26 in Glasgow.
Angela Merkel spricht auf der Weltklimakonferen in Glasgow. Bildrechte: picture alliance/dpa/Bundesregierung | Guido Bergmann

"Eine Minute vor zwölf"

Die Konferenz war zuvor vom Gastgeber, dem britischen Premier Boris Johnson, eröffnet worden. Er sagte, auf der Uhr des Weltuntergangs sei es eine Minute vor zwölf. Diese Konferenz müsse diese Bombe entschärfen. Das Treffen in Glasgow müsse der Anfang vom Ende des Klimawandels werden.

UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die Teilnehmerstaaten, sich stärker zu engagieren. Die bisher versprochenen Anstrengungen reichten hinten und vorne nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Die Menschheit grabe sich ihr eigenes Grab.

USA und Brasilien wollen Emissionen um die Hälfte reduzieren

Die USA werden nach den Worten von Präsident Joe Biden ihre Klimaziele erreichen. Dies bedeute, dass die Emissionen bis 2030 um mehr als eine Gigatonne oder 50 bis 52 Prozent reduziert würden, sagt Biden in Glasgow. Es sei ein moralisches und ökonomisches Imperativ, den Klimawandel anzugehen. Die USA seien nicht nur zurück am Tisch, sie würden auch eine Führungsrolle einnehmen und mit gutem Beispiel vorangehen.

Auch Brasilien will seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 50 Prozent reduzieren. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro versicherte, sein Land sei beim Klimaschutz Teil der Lösung. Er habe seinen Umweltminister angewiesen, die Ziele Brasiliens beim Klimaschutz anzuheben, erklärt Bolsonaro in einer Videobotschaft an den Glasgower Gipfel.

Indien will klimaneutral werden

Indien will bis 2070 keine Treibhausgase mehr ausstoßen – 20 Jahre später als von Experten gefordert und zehn Jahre später als von China angekündigt. Erneuerbare Energien sollten bis 2030 etwa 50 Prozent des Energiebedarfs stellen, sagt Ministerpräsident Narendra Modi in Glasgow. In seiner Rede wies er darauf hin, dass in Indien 17 Prozent der Weltbevölkerung lebe, aber nur für fünf Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sei.

Türkei sagt Teilnahme kurzfristig ab

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hingegen hat seine Teilnahme an der Konferenz kurzfristig abgesagt. Grund ist Regierungskreisen zufolge, dass Großbritannien den Forderungen Ankaras nach Sicherheitsvorkehrungen nicht nachgekommen ist. Neben protokollarischen Problemen seien unter anderem auch die Forderungen bezüglich der Anzahl der Sicherheitsfahrzeuge nicht erfüllt worden.

Etwa zwei Wochen lang wollen Regierungsvertreter aus rund 200 Staaten nun über die weitere Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beraten. Thema soll auch die finanzielle Unterstützung armer Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung sein.

dpa, AFP, Reuters (cga)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2021 | 16:30 Uhr

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