Sabotage-Akt Viertes Leck in Nord-Stream-Pipelines entdeckt

An den russischen Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee ist nunmehr ein viertes Leck gefunden worden. Drei waren zuvor schon bekannt. Als weiterhin unklar gilt, wer dafür verantwortlich ist. Als relativ sicher erscheint aber, dass die Schäden durch Sabotage entstanden. Russland weist jede Verantwortung von sich. Für Erdgaslieferungen nutzbar ist aktuell nur noch ein Strang an einer der beiden Leitungen – von Nord Stream 2.

Eine Karte zeigt den Verlauf der Pipelines Nord Stream 1 und 2. An drei Punkten sind die Lecks markiert.
Bisher waren drei große Löcher in der Erdgasleitungen nahe der dänischen Insel Bornholm in der Ostsee bekannt. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

An den Nord-Stream-Gasleitungen durch die Ostsee gibt es vier statt wie bisher bekannt drei Lecks. Wie die schwedische Küstenwache am Donnerstag mitteilte, befinden sich zwei der Löcher an den Leitungen in schwedischen und zwei in dänischen Gewässern. Nach Informationen der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet" wurde das zweite Leck in den schwedischen Gewässern nahe Simrishamn ganz in der Nähe des ersten entdeckt.

Ein Sprecher der Nord Stream 2 AG sagte der Deutschen Presse-Agentur, schwedische Behörden hätten über einen weiteren kleineren Riss informiert, im bereits zuvor beschädigten Strang der Nord-Stream-2-Leitung. Deren Leitung B sei allerdings weiter stabil. Die Betriebsgenehmigung für diese aktuell also letzte nutzbare Leitung hatte die Bundesregierung wegen des rusischen Angiffs auf die Ukraine im Februar allerdings auf Eis gelegt.

Suche nach dem Saboteur

Nach derzeitigem Stand gibt es somit an beiden Nord-Stream-1-Strängen je einen Schaden und zwei an einem der Nord-Stream-2-Leitung. Die Ursache ist unklar. Westliche Experten gehen aber von Sabotage aus, auch die EU und die Nato. Schwedische Seismologen hatten erklärt, es könne zu Explosionen gekommen sei. Es gilt aber noch als unklar, wer sie ausgelöst haben könnte.

Der russische Regierungssprecher Dmitri Peskow hatte es als "dumm und absurd" bezeichnet zu vermuten, dass Russland dahinter stecke. Auch für Moskau seien die Schäden "ziemlich problematisch". Auf russischen Antrag hin soll am Freitag der UN-Sicherheitsrat darüber beraten. Russland selbst kündigte Ermittlungen wegen "Terrorismus" an. Auch die Betreiberfirma will die Schäden an ihren Leitungen untersuchen und die Ursachen klären.

Rufe nach militärischem Schutz

Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter forderte eine "besonnene" Aufklärung, wofür es Zeit brauche. Auch er äußerte am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin aber die Vermutung, dass Russland der Urheber sei.

Obwohl zuletzt kein Gas mehr geliefert wurde, waren die Pipelines gefüllt, weshalb seit Montag nun Gas aus der Ostsee entweicht. Russland hatte seine Lieferungen durch Nord Stream 1 vor einigen Wochen gestoppt, angeblich aus technischen Gründen. Westliche Staaten sehen das aber als Vorwand, um wegen ihrer Parteinahme für die Ukraine im russischen Krieg gegen das Land den Druck zu erhöhen. Dieses Motiv wird nun auch hier vermutet.

Das russische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die Lecks seien in einer Zone aufgetreten, die "von den US-Geheimdiensten kontrolliert" werde. Kiesewetter forderte nun in der ARD einen besseren Schutz dieser kritischen Infrastruktur, was eine neue Aufgabe für die Marine sei. Dabei gehe es auch um Kommunikationskabel nach Nordamerika und Skandinavien.

Auch Jacopo Pepe, Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, forderte "einen stärkeren militärischen Schutz unserer kritischen Infrastruktur". Dem "Tagesspiegel" sagte er, künftig müssten Pipelines, Flüssiggas-Terminals und auch Schiffs-Transportrouten für Flüssiggas überwacht werden.

Warnung vor Klimaschäden

Beide Erdgasleitungen landen in Deutschland an, wo sich das Umweltbundesamt nun besorgt über mögliche Klimaschäden durch das Methan äußerte. Man rechne mit Emissionen von etwa 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, was etwa einem Prozent der deutschen Jahresemissionen entspreche. Da es keine Abschottung der Pipelines gebe, entweiche wohl der gesamte Inhalt. Da die Lecks in ihren Hoheitsgebieten liegen, dürften die Emissionen Dänemark und Schweden zugerechnet werden.

dpa/AFP/Reuters(ksc)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. September 2022 | 10:00 Uhr

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