Energiekrise Wann werden Gas und Strom wieder günstiger?

Zum 1. Oktober sollen die Gaspreise für alle Kunden anziehen - und damit auch die Strompreise. Wie hängen Strom und Gaspreise eigentlich zusammen? Werden die Preise weiter steigen oder in naher Zukunft wieder sinken? Wie schätzt Energieexperte Dominik Möst von der Technischen Universität in Dresden die Entwicklung ein?

Stromkabel mit Banknoten
Bildrechte: imago images/Eibner

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Strom- und Gaspreisen?

Dominik Möst: Das lässt sich relativ einfach erklären: Zur Stromerzeugung werden Gaskraftwerke benötigt. Und in den Stunden, in denen Gaskraftwerke zur Stromerzeugung benötigt werden, sind diese in der Regel preissetzend, weil es die teuerste Technologie ist. Bei den aktuell hohen Gaspreisen schlägt sich der Gaspreis auf den Strompreis durch. (Anm. d. Red.: Dominik Möst meint das sogenannte Merit-Order-Prinzip, das hier erklärt wird.)

Ankündigung einer Strompreiserhöhung
Diese Post haben gerade viele Mieter im Briefkasten: die Ankündigung der Strompreiserhöhung. Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Warum wird so viel Gas verwendet?

In den vergangenen Jahren haben wir Kapazitäten aus dem Markt genommen: Stichwort Kernenergieausstieg, Stichwort Kohleausstieg. In den Stunden, in denen keine oder wenig erneuerbare Energien zur Verfügung stehen, werden Gaskraftwerke zur Schließung dieser Kapazitätslücke benötigt und die sind dann eben preissetzend.

Aktuell kommt noch eine Sondersituation hinzu: Vor allem in Frankreich befindet sich ein Großteil der Kernkraftwerke nicht in Betrieb und diese Stromproduktion muss europaweit ersetzt werden. Dafür kommen europaweit Gaskraftwerke zum Einsatz und damit auch natürlich zu großen Teilen Gaskraftwerke in Deutschland. Und das ist auch der Grund, warum die Gas-Stromerzeugung in diesem Jahr deutlich höher ist, als auch in den letzten Jahren.

Stichwort Gaslaternen: Früher gab es diesen Umweg, aus Gas Strom zu machen, um dann Licht zu erzeugen, nicht. Wäre so etwas heute noch denkbar?

Es gibt Anwendungen, wo das denkbar sein kann. Bei den Gaslaternen ist es energetisch überhaupt nicht sinnvoll. Die Energie, die ich beim Verbrennen aufwende, um Licht zu erzeugen, ist bei einer Gaslaterne enorm. Und wenn sie das dann natürlich damit vergleichen, dass sie heute beispielsweise LED-Lampen haben und Strom dafür nutzen, dann ist das wesentlich effizienter. Daher wäre es an der Stelle nicht sinnvoll zu wechseln.

Eine historische Gaslaterne erhebt sich in Dresden auf der Brühlschen Terrasse vor den Türmen der Kunsthochschule, des Schlosses, des Ständehauses und der Katholischen Hofkirche.
Die gute alte Gaslaterne, wie hier in Dresden: Wäre das Prinzip nicht wieder eine Lösung? Bildrechte: dpa

Wie werden sich die Gaspreise in Zukunft entwickeln?

Das ist keine einfache Frage. Fest steht: Wir haben die vergangenen 20 bis 30 Jahre Gas relativ günstig aus der Nachbarschaft, aus Russland, bezogen - zu einem Gaspreis von ungefähr im Mittel 20 Euro die Megawattstunde. Und davon findet jetzt eine Abkehr statt. Wenn wir schauen, was die Alternativen sind, woher wir Gas jetzt beziehen, dann kann man davon ausgehen, dass wir im Gasbezug ein Preisniveau von längerfristig 60 bis 80 Euro die Megawattstunde haben werden. Das heißt: mindestens eine Drei- bis Vervierfachung langfristig. Aktuell sind die Preise natürlich nochmal deutlich höher, weil durch die Umstellung noch höhere Transaktionskosten anfallen.

Haben wir schon alles ausgeschöpft, was in Sachen alternativer Energie-Erzeugung möglich ist?

Hier muss man zwischen kurzfristig und langfristig unterscheiden. Kurzfristig ist es natürlich nicht so einfach, weil Infrastruktur davon betroffen ist, die Verbrauche so umzustellen. Langfristig ist der Weg insbesondere dann auch politisch vorgezeichnet. Das heißt: mehr Nutzung von erneuerbaren Energien und eine höhere Energieeffizienz. Da sind noch einige Forschungsarbeiten zu tun, gerade im Bereich des Wasserstoffs, welcher dann auch langfristig Gas ersetzen soll und hier dann auch im Bereich der Sektor-Kopplung* eine wichtige Rolle spielen soll.

*Anm. d. Red.: "Sektor-Kopplung" ist die Verbindung der "Energiesektoren" Strom, Wärme und Verkehr. Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen wird immer wichtiger. Die Vernetzung aller Sektoren, also die Sektor Kopplung, soll zum Erreichen der klimapolitischen Ziele der Bundesregierung beitragen.

MDR (th,in)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Der Tag | 12. September 2022 | 10:17 Uhr

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