Finanzen Tipps vom Experten: Finanzcheck zum Jahresende

Endlich einen Fondssparplan anlegen? Oder eine lang geplante Spende tätigen? Die Zeit bis Silvester ist optimal, um finanzielle Weichen zu stellen. Auch Steuern kann man noch im alten Jahr sparen. Manche Entscheidungen sollten noch vor Silvester fallen, denn es gibt Fristen zu beachten.

Spenden – an wen?

An sich freut sich jede gemeinnützige Organisation über Spenden. Das kann die kleine Initiative vor Ort sein oder eine weltweit tätige Vereinigung. Wichtig ist, dass das Geld da ankommt, wo es gebraucht wird. Gut ist, wenn der Spendenempfänger schon lange aktiv und bekannt ist, wie etwa SOS Kinderdorf, Amnesty International, Greenpeace, Brot für die Welt, Terre des hommes, die Welthungerhilfe, WWF oder Ärzte ohne Grenzen.

Bei weniger bekannten Organisationen können Spendensiegel hilfreich sein, beispielsweise das DZI-Siegel. Dahinter steht das Deutsche Zentralinstituts für soziale Fragen. Organisationen, die es nutzen möchten, müssen sich einer strengen und kostenpflichtigen Prüfung unterziehen. Das DZI-Zeichen ist also ein deutlicher Hinweis, dass alles seine Ordnung hat – falls es aber fehlt, muss das noch kein Alarmzeichen sein. Gerade kleinere Organisationen scheuen den bürokratischen und finanziellen Aufwand der Prüfung. Anhaltspunkte können auch andere Siegel der Initiative Transparente Zivilgesellschaft oder das „Wirkt!“-Zeichen von Phineo geben.

Prima ist es natürlich, wenn der Spendenempfänger in der eigenen Stadt oder in der unmittelbaren Region wirkt, dann ist deren Tätigkeit viel besser vorstellbar. Spenden für gemeinnützige Zwecke lassen sich als Sonderausgaben von der Steuer absetzen: bis zu einer Grenze von 20 Prozent der Einkünfte. Wer noch im Dezember spendet, kann schon bei der Steuererklärung für 2021 davon profitieren. Bei Beträgen bis 300 Euro ist in der Regel keine Spendenbescheinigung nötig, hier reicht der Kontoauszug.

Wer für ehrenamtliche Mitarbeit im Verein eine Entschädigung bekommen würde, kann diese auch spenden. Das nennt sich Aufwandsspende oder Rückspende - faktisch fließt dann kein Geld, aber der Spender muss zunächst das Anrecht auf eine solche Entschädigung haben und dann freiwillig verzichten. Über die Übungsleiterpauschale oder die Ehrenamtspauschale kann ein Verein bestimmte Aufgaben vergüten, zum Beispiel als Obolus für die Leistung als Schwimmtrainerin oder Chorleiter, aber auch für Büroarbeit. Auch hier ist bei Beträgen bis 300 Euro pro Jahr keine Spendenbescheinigung erforderlich, um sie in der Steuererklärung anzugeben.

Ein Rechenbeispiel: Ein Alleinstehender mit 30.000 Euro Jahreseinkünften spendet seinem Verein 300 Euro, die eigentlich als Aufwandsentschädigung vereinbart waren. Das führt zu rund 99 Euro Steuerersparnis.

Steuertipps zum Jahresende

Haushaltsnahe Dienstleistungen, beispielsweise der Winterdienst, Gartenarbeiten oder die Putzkraft können bis höchstens 20.000 Euro jährlich in der Steuererklärung angesetzt werden - und zwar zu einem Fünftel, was bis zu 4.000 Euro an Steuern spart.

Handwerker, die noch im alten Jahr beauftragt und bezahlt werden, können ebenfalls in der Steuererklärung geltend gemacht werden. 20 Prozent der gezahlten Arbeitskosten lassen sich so direkt von der Steuerschuld abziehen, maximal 1.200 Euro pro Jahr. Das entspricht einer Gesamtausgabe von 6.000 Euro. Auch die Anfahrts- und die Gerätekosten fallen darunter, aber nicht die Materialkosten.

Manche Kosten wie Ausgaben für die Brille, Zahnersatz, eine Kur, Bestattungen oder auch die Wiederbeschaffungskosten der Flutopfer heißen im Steuerdeutsch außergewöhnliche Belastungen. Hier hat jeder Bürger eine individuelle Grenze der sogenannten „zumutbaren Belastung“, je nach Einkommen und Familienstand mehrere Hundert Euro oder auch mehr. Wer sie in einem konkreten Jahr überschreitet, kann so die Steuerzahlung senken. Die neue Brille, noch 2021 verschrieben und bezahlt, lohnt sich dann vielleicht nicht nur optisch.

Aktien zum Fest

In der Vorweihnachtszeit ist diese Feststellung ein Klassiker: Was können wir uns denn noch gegenseitig schenken, wir haben doch eigentlich alles? Ein Briefumschlag mit Geldschein ist da leider auch nicht immer die Lösung. Für die Enkel oder auch ältere Kinder mag das zwar passen, aber zumindest für den Partner sollte es doch bitte individueller sein?

Mit Aktien beziehungsweise einem Wertpapierdepot schlägt man dagegen zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein solches Geschenk ist das Signal, sich gemeinsam mit dem anderen ans Thema Börse zu wagen, das für Einsteiger viele Fragen aufwirft und deshalb viel besser zusammen angepackt werden kann. Zum anderen lohnt es sich angesichts der allgemeinen Zinsflaute langfristig auch finanziell. Fürs Herantasten sind keine großen Beträge erforderlich. Auch ein Startbetrag von 100 oder 200 Euro kann schon nützen und später aufgestockt werden.

Ein Depot gehört zum Wertpapierkauf

Um Wertpapier zu kaufen und zu verwahren, ist ein Depot erforderlich, das zum Beispiel Direktbanken sehr kostengünstig anbieten. Dies muss der oder die Beschenkte persönlich eröffnen - hier kann man also nur symbolisch die Vorrecherche "schenken".

Ein Mann haelt am 24.06.2021 in Berlin ein Smartphone in der Hand auf dem Aktienkurse zu sehen sind
ETF-Fonds lassen sich ganz einfach über das Smartphone managen. Bildrechte: dpa

Für den eigentlichen Wertpapierkauf ist dann aber Geld erforderlich, das man in Gestalt eines selbstgemachten Gutscheins übergeben könnte. Der Geldratgeber Finanztip.de empfiehlt, keine Aktien einzelner Unternehmen auszuwählen, sondern die risikoärmere Variante eines weltweiten Aktienkorbs (ETF) zu nutzen.

Das erweitert auch die kreativen Bastelmöglichkeiten beim Gestalten eines Gutscheins oder der Weihnachtskarte, schließlich stecken hinter einem Welt-ETF quasi alle bekannten börsennotierten Firmen.

Minderjährige Kinder können ebenfalls Depotinhaber sein. Das ist die Lösung für Eltern, Verwandte und Freunde, um dem Nachwuchs eine finanzielle Grundlage für Ausbildung oder Führerschein zu geben. Der Eröffnung eines Kinderdepots müssen beide Eltern beziehungsweise die gesetzlichen Vertreter zustimmen und es bis zum 18. Geburtstag auch verwalten. Das zugehörige Depotkonto können aber auch Oma oder Patenonkel füttern.

Finanzexperte Hendrik Buhrs
Finanzexperte Hendrik Buhrs Bildrechte: Rechte: Finanztip

Ratgeber Unser Finanzexperte Hendrik Buhrs

Unser Finanzexperte Hendrik Buhrs

Hendrik Buhrs arbeitet im Team Bank und Versicherung bei Finanztip. In Münster und Exeter hat er Volkswirtschaftslehre studiert. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 07. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

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