Gut zu wissen Wer kann auf die neue Grundrente hoffen?

Über ein Jahrzehnt wird unter wechselnden Bundesregierungen und unter immer wieder anderem Namen schon über sie gestritten: Mindestrente, Zuschussrente, Lebensleistungsrente, Solidarrente. Nun wurde der Rentenzuschlag für Geringverdiener tatsächlich auf den Weg gebracht, als sogenannte "Grundrente". Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Stempel mit der Aufschrift Grundrente
Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Wer bekommt die Grundrente?

Die Grundrente soll erhalten, wer mindestens 33 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Der Zuschlag, den es zur Rente gibt, ist gestaffelt und erreicht nach 35 Beitragsjahren die volle Höhe. Als Beitragszeiten gelten auch Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Insgesamt sollen laut Bundesregierung rund 1,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner von der Grundrente profitieren. Sie richtet sich an diejenigen, die im Verlauf ihres Erwerbslebens unter 80 Prozent des Durchschnitts der Deutschen verdient haben.

Wer bekommt sie nicht?

Außen vor sind beispielsweise diejenigen, die längere Zeit arbeitslos waren. Denn Versicherungszeiten, die im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit stehen, werden nicht als Beitragszeiten berücksichtigt. Ebenso steht es um die Zeiten der freiwilligen Versicherung. Das betrifft vor allem Selbstständige.

Muss man die Grundrente beantragen?

Nein, die Grundrente muss nicht beantragt werden. Die Rentenversicherung prüft den Anspruch automatisch, in Zusammenarbeit mit den Finanzämtern.

Welche Einkommensgrenzen gelten?

In voller Höhe soll die Grundrente lediglich den Rentnerinnen und Rentnern gezahlt werden, die ein zu versteuerndes Einkommen von maximal 1.250 Euro haben. Bei Paaren liegt die Grenze bei 1.950 Euro. Liegt das Einkommen darüber, gibt es Abzüge. Bis 1.600 Euro (Alleinstehende)/2.300 Euro (Paare) wird der Mehrbetrag zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Was darüber hinausgeht, zu 100 Prozent.

Beispiel: Hat ein Alleinstehender 1.400 Euro Einkommen, werden 150 Euro x 60 Prozent = 90 Euro mit der Grundrente verrechnet. Hat er 1.700 Euro Einkommen, werden (350 Euro x 60 Prozent) + (100 Euro x 100 Prozent) = 310 Euro verrechnet. Zum Einkommen gehören die bisherige Rente einschließlich Witwen- oder Betriebsrenten sowie Nebenjobs und auch Mieteinnahmen. Mögliche Kapitalerträge werden bei der Einkommensprüfung ebenfalls berücksichtigt.

Wird Vermögen angerechnet?

Die Höhe des Vermögens spielt bei der Grundrente keine Rolle. Es findet keine Vermögensprüfung statt. Wer also beispielsweise ein großes Haus oder wertvollen Schmuck besitzt, kann theoretisch trotzdem Grundrente erhalten.

Wie hoch ist die Grundrente?

Der Zuschlag zur Rente liegt laut Arbeitsministerium bei maximal 404,86 Euro brutto. Im Osten sind es rund 390 Euro.

Berechnet wird die Grundrente auf Basis der Entgeltpunkte im Rentensystem. Diese Entgeltpunkte sammelt jeder, der in die Rentenversicherung einzahlt. Wer ungefähr das jährliche Durchschnittseinkommen in Deutschland erhält (2019 circa 38.900 Euro West und 36.350 Euro Ost), bekommt pro Jahr einen Rentenpunkt. Für jeden Punkt gibt es derzeit im Westen 33,05 Euro Rente und im Osten 31,89 Euro.

Für die Berechnung der Grundrente werden nur jene Beitragszeiten herangezogen, in denen man (aufs Jahr gerechnet) mindestens 0,3 Entgeltpunkte bekommen hat. (So will man z.B. die häufig kritisch angeführten Hausfrauen mit Mini-Nebenjob raushalten.) Liegt der Durchschnitt der aus diesen Zeiten erworbenen Entgeltpunkte unter 0,8, wird er verdoppelt, allerdings maximal bis 0,8. Zugleich wird der "Zuschlag" auf die Entgeltpunkte wieder um 12,5 Prozent verkürzt. Damit sollen jene, die mehr Beitrag gezahlt haben, definitiv auch mehr Rente erhalten.

Wo kann ich mich zur Grundrente persönlich beraten lassen?

Das geht bei der Deutsche Rentenversicherung. Termine kann man online (deutsche-rentenversicherung.de) oder telefonisch (Tel. 0800 1000 4800) vereinbaren.

Ein Beispiel zur Berechnung des Arbeitsministeriums Katrin M. ist Bauingenieurin aus Leipzig. Sie hat bis zur Wende gut verdient. Dann jedoch ging die Firma pleite und Katrin M. war ein paar Jahre arbeitslos, bis sie als Angestellte in unterschiedlichen Bereichen wieder Arbeit fand - allerdings unterhalb ihrer Qualifikation. Mit dem Verdienst kam sie zwar einigermaßen zurecht, doch beläuft sich ihre Altersrente nur auf 746 Euro (brutto). Da sie (trotz der Arbeitslosigkeit) insgesamt auf mehr als 35 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung kommt, hat die Leipzigerin eine Gesamtrente in Höhe von 941 Euro.

Berechnung:
durchschnittlicher Verdienst = 0,6 Entgeltpunkte (EP)

Rente aus eigener Beitragszahlung: 39 Jahre x 0,6 EP x 31,89 Euro = rund 746 Euro

Grundrentenzuschlag: 35 x (0,2 EP - (0,2 EP x 12,5 %)) x 31,89 Euro = rund 195 Euro

Gesamtrente: 746 + 195 = 941 Euro (brutto) Quelle: BMAS

Quelle: MDR SACHSEN/Stiftung Warentest/Christian Lindner

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06. Juli 2021 | 10:00 Uhr

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