Nichtstun ist gesund Warum uns Langeweile gut tut

Einfach mal dasitzen und nichts tun! Wer das kann, lebt gesünder. Psychologen und Lebensberater empfehlen beim Nichtstun kein schlechtes Gewissen zu haben. Warum das so ist? Heike Fiedler hat nachgefragt.

Mutter und Tochter lehnen sich auf einen Tisch. 2 min
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Nichtstun ist in unserer Kultur verpönt, in der asiatischen hingegen nicht. Ein chinesisches Sprichwort lautet: Beim nichts machen, bleibt nichts ungemacht. Das passt nicht wirklich in unsere Gesellschaft, in der es ja meist heißt: Wer rastet, der rostet. Langweile klingt irgendwie negativ. Sobald sie aufkommt, überlegt man: Was könnte ich als Nächstes anstellen?

Mut zum Nichtstun

Psychologen und Lebensberater empfehlen aber stattdessen tatsächlich den Mut fürs Nichtstun aufzubringen. Denn wer das nach einem arbeitsreichen Leben nicht gelernt hat, geht gesundheitliche Risiken ein, wenn er in Rente geht oder beispielsweise durch Arbeitslosigkeit zum Nichtstun verdammt ist.

Das Risiko, krank zu werden, wenn man nicht Langeweile aushalten kann, ist relativ groß.

Kurt Seikowski | Psychologe

Woher kommt das schlechte Gewissen?

Nichtstun ist gesund, meinen Biologen. Das Innehalten verlangsamt die Aktivität der Gehirnwellen, der Blutdruck sinkt, die Durchblutung wird gefördert, Stress wird reduziert, das Immunsystem wird gestärkt, und beim Nichtstun beschäftigt man sich mit sich. Man kann herausfinden, warum man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man nur mal rumsitzt oder nur zum Fenster rausschaut.

Der Psychologe Kurt Seikowski stellt sich diese Fragen: "Woher kommt es eigentlich, dass ich das negativ bewerte? Kommt das von den Eltern? Kommt das von anderen, von Gleichaltrigen?". Der Psychologe rät, zu hinterfragen, warum man solche negativen Gedanken und so einen negativen Touch in Bezug auf Langeweile hat.

Junge schaut traurig aus dem Fenster.
"Sitz doch nicht nur rum. Tu doch was!" - würden sicher viele von uns instinktiv zu diesem Jungen sagen. Dabei ist gerade das Nichtstun so wichtig, um aufzutanken und neue Ideen zu entwickeln. Bildrechte: Colourbox.de

Unsere Großeltern kennen Nichtstun gar nicht

Eltern und Großeltern kennen das Nichtstun so gut wie gar nicht. Da wurde immer etwas gemacht und diese Einstellung überträgt sich auf die Kinder. Und wer dennoch diesem Bedürfnis nach Nichtstun nachgibt, der wird folgendes erfahren, wie es eine junge Frau, Mitte Zwanzig, auf den Punkt bringt: "Wenn man die Möglichkeit hat, wirklich alle Viere von sich zu strecken. Dann ist das sehr, sehr erholsam."

Menschlich und gesundheitsfördernd: Rumtrödeln

Das meinen auch die Fachleute. Wer sich Zeiten des Nichtstuns gönnt, der würde danach viel effektiver arbeiten können. Und noch etwas kann währenddessen passieren. Man stellt sich selbst Fragen, sagt der Psychologe Kurt Seikowski: "Was sind deine Bedürfnisse? Erfüllst du die tatsächlich? Gönnst du dir nicht eigentlich zu wenig schöne Sachen?“

Hand aufs Herz: Wann haben wir im durchstrukturierten Tagesablauf Zeit und Muße auf unser Inneres zu hören? Rumtrödeln sei also menschlich und gesundheitsfördernd, sagt Kurt Seikowski und wird nur in unserer Kultur schlecht bewertet.

Vertreterin der Positiven Psychologie Ilona Bürgel 30 min
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Quelle: MDR SACHSEN (hf, in)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 10. Januar 2022 | 10:40 Uhr

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