Der Redakteur | 08.04.2022 Recyclinghof oder Glascontainer: Wohin mit Tonflaschen?

Thomas Becker
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Renate Baufeld aus Rudelsdorf fragt sich, wie sie alte Tonflaschen entsorgen soll. Gehören die in den Glascontainer? In den Hausmüll? Unser Redakteur fragt beim Recyclinghof nach.

Steingutflaschen und Tonkrug
Steingut und Ton können wiederverwendet werden. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

Am Anfang war die Tonflasche. Doch letztlich ist diese nur Teil eines ganzen Systems, das mit dem Recycling von Baustoffen zu tun hat. Zunächst die ganz klare Ansage: Nur weil es eine Flasche ist, gehört sie nicht in den Glascontainer. Und in die Gelbe Tonne natürlich auch nicht. Sie ist aus Ton und dürfte theoretisch in den Hausmüll. Damit wäre sie aber auch "verloren".

Wer Müll vermeiden will, der kann andere Wege gehen. In diesem Fall führt dieser zu einem Betrieb, der Baustoffe recycelt oder zum Wertstoffhof. Bedeutet: Wenn der alte Fernseher entsorgt wird, wäre das auch der richtige Moment, die Tonflaschen aus dem Keller mitzunehmen.

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Viele Dinge können wiederverwendet werden - sie müssen nicht auf der Mülldeponie landen. Beton, Bauschutt oder Tonflaschen zum Beispiel. Dag Heidemann erklärt, was zu beachten ist.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 08.04.2022 16:40Uhr 11:33 min

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Ton gehört zum Wertstoffhof

Die Tonflasche ist verwandt mit (Ton-)Dachziegeln oder Mauerziegeln und könnte noch ein langen zweites Leben haben, wenn auch als Bruch oder Mehl. Natürlich sind das für die Unternehmen nur Kleinstmengen, die für sich genommen nicht die Welt retten, aber wenn man sich vorbildlich die Mühe machen will: Bügel ab und beim nächsten Wertstoffhofbesuch nachfragen, wohin damit. Die Baustoffrecycler machen daraus dann Beimischungen für Bodensubstrate oder auch Ziegelmehl für Tennisplätze.

Der reine Ziegelbruch wird zum Beispiel bei Dachbegrünungen verwendet, weil das Material das Wasser für die Pflanzen gut hält.

Dag Heidemann, Heidemann-Recycling Eisfeld

Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, wie wichtig es ist, die Bauschuttcontainer nicht gedankenlos zuzumüllen. Es ist für den Häuslebauer und Gartenbesitzer schon lange kein billiges Vergnügen mehr, solche Materialien loszuwerden. Die Entsorger schauen sehr genau und Mischmaterialien werden richtig teuer oder auch gar nicht erst angenommen.

Auch Beton kann recycelt werden

"Abzocke" ist ein Wort, das die Firmen von verärgerten Kunden oft zu hören bekommen, aber das Zeug muss auch irgendwo hin. Die Zeiten des gedankenlosen Verklappens in Deponien sind schon lange dabei. Diese will auch niemand in seiner Nähe haben (Müllverbrennungsanlagen übrigens auch nicht) und Kiesgruben oder andere Abbauformen von Grundstoffen lösen ebenso wenig Freude aus.

Vor diesem Hintergrund wäre es auch geradezu dämlich, zum Beispiel reine Betonabfälle irgendwo zu verbuddeln, um andernorts das Gestein für Kies und Schotter wieder auszugraben. Denn Altbeton ist zum Beispiel im Straßenbau auch in großen Mengen sehr gut verwendbar. Voraussetzung: Er ist nicht mit Schadstoffen belastet, mit denen wir uns am Ende vielleicht systematisch das Grundwasser verunreinigen.

Recycling-Baustoffe dürfen keine Schadstoffe freisetzen, die die Qualität von Boden und Grundwasser nachhaltig negativ beeinflussen.

Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V.

Bauschuttcontainer sind keine Müllhalden

Der Branchenverband hat auf seiner Internetseite eine ganze Reihe von Informationen zusammengestellt, die erklären, warum die Kollegen auf den Recyclinghöfen sehr genau hinschauen.

Dag Heidemann und seine Kollegen sind diesbezüglich Kummer gewöhnt. Oben sieht der Bauschuttcontainer noch super aus und beim Abkippen kommen dann Teerpappen, Dämmstoffe, Hausmüll und Sofas zum Vorschein, alles Dinge, die für den Straßen- und Wegebau beispielsweise zur begrenzt geeignet sind.

Abgesehen davon, dass mit solchen "Beimischungen" ganze Ladungen eben nicht mehr recyclingfähig sind: Die Vor- und Aussortierung ist oft Handarbeit und jeder sollte auch an diese Menschen denken, bevor er den Windelbeutel oder eben das Sofa im Ziegelbruch versenkt.

Wir machen eine Eingangskontrolle und wenn wir das nach dem Entleeren sehen, muss der Kunde seine Ladung leider wieder mitnehmen.

Dag Heidemann, Heidemann-Recycling Eisfeld

Und wohin mit anderen Flaschen?

Am Glascontainer haben wir gewöhnlich die Auswahl zwischen weiß, braun und grün. Und: Nein, es ist nicht so, dass im Lkw sowieso alles zusammengeschüttet wird. Etwas hilflos stehen wir dann aber mit unseren blauen, schwarzen oder roten Flaschen vor den drei Containerlöchern.

Leere Flaschen und Gläser liegen in einem Weiߟglascontainer.
Flaschen bitte immer nach Farbe sortieren. Bildrechte: dpa

Ganz einfacher Tipp: Alles, was farblich nicht passt, das gehört ins Grünglas. Das bestätigt auch das Umweltbundesamt. Begründung: Diese Fraktion ist Fehlfarben gegenüber am unempfindlichsten. Unsere Tonflaschen aber gehören auf keinen Fall in den Glascontainer. Sie erschweren einfach nur das Glasrecycling. 

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 08. April 2022 | 16:40 Uhr

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