Reformationsorte in Mitteldeutschland: Freiberg Zwei Brüder, viel Silber und viel Streit

Der Dom St. Marien in Freiberg ist eines der schönsten Bauwerke seiner Art. Die ursprünglich romanische Basilika, die 1190 fertig gestellt worden war, wurde bei einem Stadtbrand 1484 weitgehend zerstört. Sie wurde durch die spätgotische Hallenkirche ersetzt und 1501 geweiht. So wie schon die Vorgängerkirche spiegelte sie den ungewöhnlichen Reichtum von Freiberg, der der Bergbaustadt durch Silberfunde im 12. Jahrhundert zuteilwurde.

Von diesem Reichtum zeugen noch heute stattliche Bürgerhäuser mit hohen Dachspeichern am Obermarkt, wehrhafte Stadtmauertürme und Denkmäler in der Altstadt – die mit dem seit dem 13. Jahrhundert unveränderten Grundriss komplett unter Denkmalschutz steht. Im ältesten Teil, der Sächstadt, wo die ersten Bergleute lebten, stehen schiefe, zweistöckige Häuschen, gleich neben alten Halden, eingefasst mit Mauern aus Gneis – einem Gestein, das durch erhöhten Druck oder erhöhte Temperatur in der Erdkruste entsteht. Die Silberstadt am Fuße des Erzgebirges, unweit von Dresden, zählt wohl zu den schönsten alten Städten Deutschlands. Und das Freiberger Silberbergwerk ist nicht nur das älteste, sondern mit rund 1.000 Erzgängen das größte in Sachsen.

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360°: Dom St. Marien, Orgelempore

Freiberg Dom Orgelempore
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Einführung der Reformation zwei Jahre früher

Reporter Alexander Schubert im Gespräch mit Katrin Hutschenreuther 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Große Teile der Freiberger Bürgerschaft bekannten sich schon seit den 1520er-Jahren öffentlich zur Reformation. An alten Bürgerhäusern sind heute noch Aufschriften erkennbar oder Tafeln angebracht, die dies belegen. So sind beispielsweise am Haus Petersstraße 46 auf einer großen Tafel unter den Buchstaben VDMIE die Anfangsbuchstaben der Einsetzungsworte des heiligen Abendmahles zu lesen. In dem Haus soll sich eine noch mit päpstlicher Genehmigung errichtete Kapelle befunden haben.

Häufig nutzen die Bürger ein Bibelwort, das als Bekenntnis zur Reformation verstanden wurde und später durch Herzog Heinrich zum Wahlspruch der lutherischen Wettiner wurde: "Verbum Domini manet in aeternum" – "Gottes Wort bleibt in Ewigkeit" (Jesaja 40,8; 1. Petrusbrief 1,25). Luther selbst hat die Stadt nie besucht, um dort zu predigen. Die Zeit war reif für Wandel. Und der fand in Freiberg zwei Jahre früher statt.

2012 feierte Freiberg 475 Jahre Reformation. Hier datiert man die Einführung der Reformation also auf das Jahr 1537. Das ist interessant, weil für das albertinische Herzogtum Sachsen die Einführung der Reformation im Jahr 1539 gilt, dem Todesjahr des Herzogs Georg des Bärtigen. Grund dafür ist die Spannung zwischen Herzog Georg – einem entschiedenen Gegner Luthers – und seinem Bruder Heinrich. Was der eine bekämpfte, ließ der andere zumindest geschehen. Und das ergab Spielräume. Außerdem residierte Heinrich auf Schloss Freudenstein in Freiberg.

Der evangelische Theologe und Reformator Jacob Schenck reichte schließlich das erste Abendmahl in beiderlei Gestalt am Neujahrstag 1537 im Freiberger Dom. Und das war der entscheidende Schritt für die Einführung der Reformation in Freiberg. Zum Trinitatisfest am 27. Mai wurde dann der evangelische Gottesdienst in allen Kirchen der Stadt auf diese Weise gefeiert.

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Über dieses Thema berichtete auch: MDR Sachsenspiegel | Fernsehen | 23.09.2016 | 11:40 Uhr
MDR 1 Radio Sachsen | 15.09.2016 | 12:00 Uhr

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