Ethische Verantwortung Die Kirche als Immobilien-Eigentümerin

Die Kirchen in Deutschland gehören zu den größten Immobilieneigentümerinnen, sie agieren auch als Vermieter. Nur etwa 30 Prozent des Bestands von 75.000 Gebäuden werden nach Angaben des Evangelischen Immobilienverbands Deutschland sakral genutzt. Der Immobilienbestand der katholischen Kirche wurde vor einigen Jahren auf rund 130.000 Wohnungen geschätzt. Doch wie vertragen sich soziale und ökologische Ziele im freien Markt mit der Erwartung einer Rendite?

Friedrichswerdersche Kirche
Luxuswohnungen und die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte Bildrechte: dpa

Kirchliche Akteure investieren weltweit am Immobilienmarkt, der langfristige Renditen verspricht. Die Einnahmen fließen z.B. in Pensionsfonds. Doch stehen kirchliche Investoren damit auch vor einem ethischen Dilemma, wenn sich soziale und ökologische Ziele im freien Markt nicht mit den ökomonischen Erwägungen vereinbaren lassen.

Eine Geldanlage verfolgt grundsätzlich drei ökonomische Ziele: die Geldanlage zu sichern, Rendite zu erwirtschaften und Liquidität, also dass das Geld zum gewünschten Zeitpunkt auch zur Verfügung steht.

Karin Bassler Geschäftsführerin des Arbeitskreises Kirchlicher Investoren (AKI)

So erläutert Karin Bassler die drei wesentlichen ökonomischen Ziele auch für kirchliche Investoren. Bassler ist Geschäftsführerin des Arbeitskreises (AKI), zu dem sich alle großen kirchlichen Anleger aus dem evangelischen Bereich zusammengeschlossen haben.

Frage nach Kriterien und Kontrolle: Was heißt ethisch und nachhaltig?

Bassler betont, Ziel sei es, eine Geldanlage ethisch-nachhaltig und im Einklang mit dem kirchlichen Auftrag zu tätigen. Unterschiedliche und teils auch widersprüchliche Berichte über fragwürdige Geschäfte oder Methoden kirchennaher Akteure führt sie darauf zurück, dass es bei der Geldanlage keine Definition dafür gibt, was Ethik und Nachhaltigkeit im Einzelnen bedeuten.

Entscheidungen über Investitionen würden nicht zentral beschieden, sondern immer von einzelnen Akteuren getroffen. Nachhaltigkeitskriterien würden sich weiterentwickeln und könnten auch unterschiedlich bewertet werden. So heißt es in einer Orientierungshilfe der Deutschen Bischofskonferenz dazu:

Ethisch Gewolltes und finanziell Vertretbares sind nicht immer deckungsgleich.

Deutsche Bischofskonferenz

Bassler: "Gewinn und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch"

Dabei, so meint Bassler, widersprächen sich Gewinnerwartung und Nachhaltigkeitsprinzipien nicht. In den vergangenen Jahrzehnten habe es immer Diskussionen gegeben, ob Geldanlagen, die sozialverantwortlich und umweltbewusst seien, automatisch einen Renditeverzicht bedeuteten: "Das ist nicht der Fall. Die Mehrheit der Studien kommt zu dem Ergebnis, dass es keinen negativen Einfluss auf die Rendite langfristig orientierter Investoren hat, ob man sozialökologische, nachhaltige Kriterien berücksichtigt oder nicht", sagt Bassler.

In Frankfurt / Main hat man erkannt, dass soziales Miteinander mehr bedeutet als kurzfristig zusätzliches Geld in der Pfarreikasse. Ob Jung oder Alt, alleinerziehend, arbeitslos, Asylbewerber oder Mensch mit Behinderung - nach dem Willen der Dompfarrei sollen alle Menschen Chancen auf eine Mietwohnung aus dem Besitz der katholischen Kirche haben. Mit den Wohnungen könne man viel Gutes tun und werde dadurch als Kirche positiv wahrgenommen, heißt es in einem Leitfaden der katholischen Kirche in Frankfurt. Beispielsweise könne man steuern, wer zu welchem Preis in den Wohnungen wohne. So zeige sich, dass Sozialkompetenz und Empathie ein weiteres Vermögen der Kirche darstellen, so formuliert es Pia Arnold-Rammé, Referentin für Sozialpastoral bei der Katholischen Stadtkirche. Auch wenn man damit nicht das Wohnungsproblem in ganz Frankfurt lösen könne, aber "ein paar Akzente setzen".

Wenn die Leute dann wirklich eine Wohnung finden und sich bei uns bedanken - das ist wirklich immer ein schöner Moment.

Pia Arnold-Rammé Katholischen Stadtkirche Frankfurt/Main

Quelle: Julia Kaperdos (epd)