Symbole des Judentums Von Davidstern und Toraschrein

Die Symbole des jüdischen Glaubens sind - wie in anderen Religionen auch - vielfältig und Teil der kollektiven Identität. Sie stiften Zugehörigkeit und Verbundenheit und verweisen auf wesentliche Ansichten und Werte der religiösen Gemeinschaft. Wir erklären, was die jüdischen Symbole heute für eine Bedeutung haben.

Auf einem Tisch sind eine Kippa, ide Tora, ein Chanukkaleuchter und ein Tallit zu sehen.
Bildrechte: imago images/Shotshop

Davidstern

Ein Davidstern wird mit Kreide an eine Schultafel gemalt.
Der Davidstern Bildrechte: MDR

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum in Verbindung stehen. Er ist ein Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichseitige Dreiecke gebildet wird. Eines der Dreiecke weist nach oben, das andere nach unten. Der Davidstern schmückt Synagogen, Friedhöfe, die israelische Flagge und vieles mehr.

Ab dem Mittelalter und vor allem ab dem 17. Jahrhundert wurde das Symbol an Synagogen angebracht. Ende des 19. Jahrhundert wurde es von der zionistischen Bewegung als Zeichen aufgenommen. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Gelber Stern", "Judenstern") aufgezwungen.

Das israelische Pendant der Hilfsorganisation "Rotes Kreuz" ist der "Rote Davidstern".


Menora

Menora, ein siebenarmiger Leuchter in der Synagoge in Koeln
Siebenarmiger Leuchter Bildrechte: IMAGO / photothek

Die Menora ist ein siebenarmiger Kerzenständer. Neben dem Davidstern ist die Menora eines der bekanntesten und meistgenutzten Symbole des Judentums und ziert auch das israelische Staatswappen. Die Menora symbolisiert die Schöpfung der Welt in sieben Tagen. Der siebte Arm, die Achse, von der die anderen Arme abgehen, steht dabei für den Schabbat. Die Menora findet erstmals im Buch Exodus 25:31-40 Erwähnung. Dort heißt es, sie wird später im Tempel in Jerusalem stehen und ihn beleuchten.


Chanukkia

Der achtarmige Leuchter heißt Chanukkia und wird zum Chanukkafest verwendet. Zum Lichtanzünden wird die neunte Kerze verwendet, die "Schamasch" (Diener) heißt. Zum Ritual des Anzündens gehören auch Segenssprüche und Gebete: "Gelobt seist du, Herr unser Gott, König der Welt, der vollbracht hat Wundertaten an unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit." Die Kerzen werden von rechts nach links angezündet, die neue immer zu erst.


Kippa

Mehrere Kippot liegen an einem Verkaufsstand in der historischen Altstadt.
Die Kippa Bildrechte: dpa

Die Kippa ist die kleine kreisförmige Kopfbedeckung der Juden. Sie wird auch Käppchen genannt und drückt Ehrfurcht vor Gott aus. Es ist ein Zeichen dafür, dass Gott über dem Menschen steht. Beim Gebet, dem Studium religiöser Schriften und während eines Synagogen- oder Friedhofsbesuchs müssen Männer eine Kopfbedeckung tragen. Basecap oder Hut gehen aber auch.


Chai

jüdisches Museum in Oslo: Hebräisches Lebenszeichen Chai im Eingang
Die Chai Bildrechte: imago stock&people

Das hebräische Wort Chai bedeutet "Leben" und ist eines der bekanntesten jüdischen Symbole. Es wird aus den beiden Buchstaben "Che"“ und "Jud" zusammengesetzt. Die Chai hat eine große Bedeutung für das Judentum: Sie symbolisiert den Wert des Lebens und den Willen, dieses zu schützen. Als Schmuckelement ist die Chai viel zu sehen und als Anhänger an einer Halskette sehr beliebt.


Chamsa  

Das Symbol der schützenden Hand ist auch im Islam und Christentum bekannt. Das Wort Chamsa ist arabisch und heißt wie das hebräische Wort Chamesch "fünf" und steht für die Finger einer Hand. Die Chamsa ist vor allem für Juden aus Nordafrika von Bedeutung. Aber auch bei Juden anderer Herkunft, ob religiös oder säkular, erfreut sich das Symbol zunehmender Beliebtheit.

Ewiges Licht


In jüdischen Gebetsräumen und in Synagogen hängt für alle sichtbar ein ewiges Licht. Es brennt Tag und Nacht, deshalb wird es „Ner Tamid“ genannt, auf Deutsch: „immerwährendes Licht“. Es symbolisiert die dauerhafte Anwesenheit Gottes. Laut Überlieferung begleitete er die Israeliten als Feuersäule durch die Wüste Sinai.


Mechiza

In orthodoxen jüdischen Gemeinden sitzen Männer und Frauen während des Gottesdienstes getrennt voneinander. Diese räumliche Trennung der Geschlechter durch einen Vorhang, eine Mauer oder Ähnliches heißt Mechiza. Somit sollen Ablenkungen abgeschirmt und die Konzentration gefördert werden. In großen Synagogen macht eine Frauenempore die Mechiza überflüssig.


Mesusa  

Eine Mesusa befindet sich am Türpfosten des Eingangs einer Synagoge.
Die Mesura Bildrechte: imago/Uwe Steinert

Die Mesua ist eine längliche Kapsel, die am Türpfosten befestigt wird. Sie enthält ein gerolltes Pergament mit Abschnitten aus der Tora. Sie soll eine schützende Bedeutung haben. Sie wird in der oberen Hälfte des rechten Türrahmens befestigt und kennzeichnet ein jüdisches Haus. Jede Tür eines Hauses bzw. einer Wohnung (ausgenommen Bad oder WC), wird mit einer Mesusa ausgestattet. Fromme Juden küssen die Hand, mit der sie die Mesusa berührt haben, wenn sie durch die Tür gehen.


Mikwe

Die Mikwe ist ein rituelles Tauchbad, das im Judentum eine sehr hohe Bedeutung hat. Nach jüdischer Tradition sind zum Beispiel Blut und Tod unrein. Gläubige, die Kontakt mit Toten hatten, müssen die Mikwe besuchen. Frauen sollen sich am Vorabend ihrer Hochzeit, nach der Menstruation oder nach der Geburt eines Kindes reinigen. Männern wird das Bad vor dem Sabbat oder Jom Kippur empfohlen. Auch beim Übertritt zum Judentum ist ein Untertauchen in der Mikwe vorgeschrieben. Der Tora zufolge darf die Mikwe nur mit Wasser natürlichen Ursprungs, also mit Regen-, Quell- oder Grundwasser, gefüllt werden. Damit der Körper vollständig mit diesem reinen Wasser in Kontakt kommt, muss vor dem Bad alles Körperfremde, zum Beispiel Kleidung, Schmuck oder Make-Up, abgelegt werden.


Sabbatkerzen

Der Sabbat, der letzte Wochentag und Ruhetag der Jüdinnen und Juden, beginnt mit dem Entzünden der Sabbatkerzen. Die beiden Leuchter stehen für Schamor und Sachor – Gedenke und Halte. Am Freitagabend, kurz vor Sonnenuntergang entzündet die Frau des Hauses die Sabbatkerzen. Sie hält ihre Hände erst über die Leuchter, dann vor ihr Gesicht und spricht den Sabbatkerzen-Segen, eine sogenannte Bracha.


Schofar

Shofarhörner
Das Schofar Bildrechte: MDR/Anaïs Roth

Ein wichtiges rituelles Symbol zum Neujahrsfest Rosch ha-Schana ist das Schofar, ein Widderhorn, in das während des Gottesdienstes geblasen wird und dessen Ton die Menschen zu Einkehr und Reue veranlassen soll. In früheren Zeiten wurde das Schofar geblasen, um Gefahr oder Krieg anzukündigen. Später wurde es beim Tempeldienst eingesetzt.


Tallit und Zizit 

jüdische Gebetsschals (Tallit) jüdische Gebetsschals (Tallit) in der Synagoge Beit Tikwa in Bielefeld
Der Tallit Bildrechte: imago/ecomedia/robert fishman

Der Tallit ist ein Schal, der zum Gebet getragen wird. Er wird traditionell zum Morgengottesdienst angelegt. An dem Schal sind vier Quasten befestigt, die auch Schaufäden (Zizit) genannt werden. Die Zizit sollen an Gottes Gebote erinnern.

Orthodoxe Juden tragen im Alltag unter der normalen Kleidung einen sogenannten Tallit Katan, (kleiner Umhang). Das ist ein Kleidungsstück bzw. ein Poncho, an dem ebenfalls vier Quasten befestigt sind.


Tefillin

Bar-Mizwa-Junge mit Tallit und Tefillin an der Westmauer in der Altstadt von Jerusalem.
Die Tefillin Bildrechte: imago/ZUMA Press

Die Tefillin sind Gebetsriemen aus Leder, mit zwei Schächtelchen. Die kleinen, quadratischen Kästchen werden oft auch als Gebetskapseln bezeichnet. In den Tefillin liegen kleine Pergamentrollen, die mit bestimmten Abschnitten aus der Tora versehen sind

Die Tefillin werden auf bestimmte Art und Weise um den Arm und an die Stirn gelegt. Der gebeugte Arm berührt dabei das Herz. Die Tefillin dienen als Mahnung, Gottes Gebote zu beachten.


Tora

Der Tanach ist das Heilige Buch der Juden. Ein Teil der hebräischen Bibel ist die Tora. Die anderen beiden Teile sind die Propheten (Nevi’im) und die Schriften (Ketuvim). Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose.

Der Begriff Tora bedeutet "Lehre, Gesetz". Die Tora ist in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer ("reiner“) Tiere geschrieben.

Ein kleines Mädchen hält 2009 eine Puppe und ihren Vater, der mit einer Torah-Rolle zwischen jüdischen Siedlern tanzt.
Ein jüdischer Siedler tanzt mit einer Tora-Rolle Bildrechte: dpa

Die Torarolle ist auf zwei Holzstäbe gewickelt. Die Stäbe werden als "Baum des Lebens" (hebr. "Ez Hachajim") bezeichnet. Um die Torarolle wird ein spezielles Stoffband gebunden. Dann wird sie mit einem bestickten Mantel, der sie beschützen und verzieren soll, bedeckt. Die Torarolle darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Daher dient ein silberner Stab als Lesehilfe. An dessen Ende befindet sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger. Die Lesehilfe heißt Jad, nach dem hebräischen Wort für "Hand".

Im Laufe eines Jahres lesen Juden die Tora im Gottesdienst einmal komplett durch. An Simchat Tora werden das Ende und auch gleich wieder der Anfang der Heiligen Schrift gelesen. Auf diese Weise kommt die Lesung nie zu einem Ende.


Toraschrein

In jeder Synagoge befindet sich ein Toraschrein. In ihm werden die heiligen Schriften, die Torarollen, aufbewahrt. Er ist immer Richtung Jerusalem ausgerichtet. Abgedeckt ist der Toraschrein durch einen Vorhang. Vor dem Toraschrein befindet sich die Bima, ein etwas erhöhtes Pult, von dem aus, während des Gottesdienstes, die Tora verlesen wird.


Toramantel  

Ein geöffneter Schrein Aron Hakodesch verwahrt 17 alte Torarollen.
Fein ummäntelte Tora-Rollen Bildrechte: imago images/Uwe Steinert

Zum ehrfurchtsvollen Umgang mit der Tora zählt es, die eingerollte Tora mit einem Mantel zu umkleiden. So ist es selbstverständlich, dafür edle Stoffe wie Samt, Seide oder auch Brokat zu wählen und den Mantel mit wertvollen Stickereien aus Gold- und Silberfäden zu versehen. Die Motivauswahl der Stickereien ist vielgestaltig, wie Kronen, die Bundestafeln, zwei Löwen, dem Davidstern, florale Motive und fast immer entsprechende Texte, die auf die Bedeutung der Torarolle, den Stifter oder den Eigentümer hinweisen.


Torazeiger  

Der Tora-Zeiger (Jad) ist ein Zeigestab zum Deuten der Textzeilen in der Toralesung. Er besteht meist aus einem silbernen Stab, an dessen vorderem Ende sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Die Zeigestäbe sollen vermeiden, dass die handgeschriebenen Schriftrollen mit den Händen berührt werden, da die Torarolle als heilig gilt. Der Tora-Zeiger ist Teil des Toraschmuckes und wird gemeinsam mit der Tora in der Toraschrein aufbewahrt.

Quelle: MDR, Zentralrat der Juden in Deutschland

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 28. September 2020 | 18:00 Uhr