Jüdische Kochkultur Religion geht durch den Magen

Valentina Marcenaro hat in Dresden zwei jüdische Kochfeste gegründet. Sie gründete in Dresden zwei jüdische kulinarische Feste.

Ein traditionelles israelisches Eiergericht Shakshuka steht mit Beilagen im Cafe "Gordon" auf dem Tisch.
Kartoffelpuffer, Shakshuka und Krapfen sind traditionell jüdische Gerichte. Bildrechte: dpa

Kochen und Küche spielen im Leben einer italienischen Familie immer eine große Rolle. Im Leben von Valentina Marcenaro kommen noch jüdische Familientraditionen dazu. Doch lange sei ihr gar nicht klar gewesen, was dieses "Jüdischsein" eigentlich bedeute. Denn ihre Kernfamilie lebe nicht jüdisch.

"Ich habe als Kind keine jüdische Erziehung bekommen, auch wenn immer klar war, dass wir jüdisch sind. Das war ein wichtiger Teil unserer Identität, aber ziemlich sinnentleert", sagt Valentina Marcenaro. Wer in ihrer weitverzweigten Familie nach streng orthodoxen Regeln lebte, wurde spöttisch beäugt.

In Deutschland zum Judentum gefunden

Valentina Marcenaro ist in Mailand geboren und am nördlichen Gardasee aufgewachsen. Zum Studium kam sie nach Deutschland. Dort fand sie zum Judentum. Seit 20 Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Dresden.

Ihre Kinder haben Bar Mizwa und Bat Mizwa gemacht: "Als mein Mann eingetreten ist, haben wir noch viel stärker angefangen, den Sabbat Zuhause zu feiern. Und dann habe ich diese ganze Kochtradition für mich entdeckt."

Leah 25 min
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Kochen nach alten Familienrezepten

Gern greift sie auf die Rezepte ihrer Tante aus Reggio Emilia zurück oder auf die ihrer Mutter. Diese wuchs in Ägypten auf und lebte bis zur Suezkrise 1958 säkular in einer großen jüdischen Community. Religiöses Leben spielte keine Rolle. Aber jüdisches Essen schon. Die Vielfalt und die Weltläufigkeit jüdischen Lebens spiegelt sich in den Gerichten.

Das legendäre "Buch der Jüdischen Küche" steht, ganz abgegriffen, auch im Dresdner Zuhause der Marcenaros. Autorin Claudia Roden, eine Britin, wurde wie Marcenaros Mutter in Kairo geboren. Rodens Kochbuch verknüpft Anthropologie, Ahnenforschung und Rezeptrecherche zwischen Odessa und New York.

"Claudia Roden sagt, dass jüdische Rezepte immer auch bei Familien zu finden waren, in denen das religiöse Jüdischsein kaum eine Rolle gespielt hat. Und damit bin ich hundertprozentig einverstanden", sagt Valentina Marcenaro.

Zwei kulinarische Feste in Dresden

Denn jüdische Küche gibt es überall dort, wo Juden sind. Also auch in Dresden. Das war der Grund für Valentina Marcenaro, vor sechs Jahren mit dem "Gefilte Fest" ein jüdisches Kochfest in Dresden zu starten. In mehreren Workshops wird gemeinsam gekocht und gegessen, werden Festrituale und Essenstraditionen erklärt.

"Das zweite Fest ist 'Der besondere Schabbat'. Er ist wirklich zu einem Renner geworden, und das finde auch sehr sehr schön", sagt Valentina Marcenaro.

Dabei wird der Beginn des Sabbats in einem Restaurant gefeiert, begleitet von Rezitationen und Musik. Die Idee dazu hätten sie und ihr Mann entwickelt, weil sie zu Hause fast immer zu Sabbat am Freitagabend mit den Kindern gefeiert hätten. Für Valentina Marcenaro, die zuletzt im Team der Kulturhauptstadtbewerbung und seit kurzem als Leiterin der Jugendkunstschule Dresden arbeitet, ist es immer wieder spannend, wie viele Kochtraditionen sich in der jüdischen Küche verbinden.