Nah dran | 29.04.2021 | In der Mediathek Wie sehen sich die Väter des 21. Jahrhunderts? Ein Gespräch unter Vätern

Sich in der Rolle des Vaters zurechtzufinden, ist nicht einfach. Andererseits war es vielleicht nie schöner, denn in unserer Gesellschaft existieren vielfältige Rollenbilder nebeneinander. Einig sind sich die Väter darin, die Zukunft ihrer Kinder mit gestalten zu wollen. Ein Gespräch:

Collage, Porträts mehrerer Väter
Väter sprechen übers Vater-Sein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

  • Franz, 27 Jahre alt, 2 Kinder.
  • Gert, 72 Jahre alt, seine Kinder sind erwachsen
  • Hendrik, 48 Jahre alt, Adoptivvater
  • Matthias, 51 Jahre alt, geschieden, 2 Kinder
  • Ali, 60 Jahre alt, 4 Kinder
  • Ralf und Ronan, 50 und 19 Jahre alt, Vater und Sohn

Was heißt es, Vater zu sein?

Franz: "Ich wollte nie der Vater sein, der nur abends zu Hause und dann streng ist, sondern so viel wie möglich für meine Kinder da sein. Frauen sollten genauso gleichberechtigt im Berufsleben sein, wie Männer gleichberechtigt im Familienleben sein sollten."

Ralf: "Was ist denn das neue Vater-Bild? Ich weiß es nicht. So wie es läuft, funktioniert es und ist es auch in Ordnung."

Ali: "Ich komme aus dem Libanon. Und bei uns ist die Vater-Rolle eine strenge Rolle. Das heißt, sein Wort ist ein Machtwort. Vielleicht wollte ich diese strenge Vater-Figur nicht sein, weil ich seit 36 Jahren in Deutschland lebe. Ich habe versucht, meine Kinder zu verstehen."

Hendrik: "In unserer Gesellschaft ist vor allem die klassische Vaterrolle sichtbar. Es gibt aber viele andere Vater-Rollen, zum Beispiel schwule Väter und Adoptivväter. Mir ist wichtig, sichtbar zu machen, dass Familie mehr sein kann als Vater, Mutter, Kind."

Matthias: "Meine Kinder sind eine Woche bei mir und eine Woche bei ihrer Mama. Also bin ich alternierender, alleinerziehender Vater. Mir ist wichtig, dass ich mit meinen Kindern viel vom Leben teilen und den gemeinsamen Alltag erleben kann." 

2007 wurden Elterngeld und –zeit neu geregelt. Die sogenannten Partnermonate stehen Eltern zu, wenn beide zu Hause geblieben sind, um sich um das Kind zu kümmern, also Elterngeldmonate in Anspruch genommen haben. Dadurch soll väterliches Engagement zusätzlich belohnt werden.

Nehmen Väter die Elternzeit in Anspruch?

Franz: "Mir war es ganz wichtig, in den ersten Monaten dabei zu sein. Ich finde das eine wahnsinnig prägende Zeit, um sich als Mann und als Vater zu finden."

Matthias: "Als die Kinder kleiner waren, bin ich mit meiner Arbeitszeit auf 30 Stunden runter gegangen."

Ralf: "Die Elternteilzeit war bei uns noch nicht so Thema, das ist erst kurz danach gekommen. Ich hätte es auch nicht so gemocht, weil ich ein 'Werkler' bin. Also wenn dass das moderne Vatersein ausmacht, bin ich alt."

Gert: "Als die Kinder klein waren, hab ich mich nicht so heran getraut und bin sehr vorsichtig gewesen. Jetzt sehe aber, wie mein Sohn die Windeln meines Enkels wechselt. Das ist für mich neu und erstaunlich."

Welche Aufgaben übernehmen Väter?

Matthias: "Ich bin nicht der Vater, der nur klassisch handwerkliche oder sportliche Aktivitäten mit den Kindern macht. Mir ist es genauso wichtig, dass die Kinder erleben, dass ich gerne koche und mich selbstverständlich um den Haushalt kümmere."

Ronan: "Für die Schule hat mir bei Mathe meine Mutter geholfen, bei Physik mein Vater – wie es am besten von der Zeit und vom Können her gepasst hat."

Ali: "Wenn alles gut läuft, geben Väter dem Kind Kraft. Frauen sind bekanntlich emotionaler."

Gert: "Bei Problemen emotionaler Art sind die Kinder zur Mutti gegangen, bei technischen Problemen oder wenn sie etwas kaufen wollten eher zu mir."

Franz: "Typische Muttersache ist für mich, das Kind auszutragen, zur Welt zu bringen und zu stillen. Ansonsten gibt es für mich nichts, was ganz typisch Aufgabe des Vaters oder der Mutter ist."

Was läuft gut beim Vater-Sein, wo treten Probleme auf?   

Ralf (zu seinem Sohn Ronan): "Ich würde gern mal mit dir wandern gehen, aber das kriege ich bei dir nicht rein."

Hendrik: "Ich bin erst ein halbes Jahr Vater, und, ohne drum herum zu reden, der Anfang war alles andere als leicht. Aber jetzt kommen immer mehr schöne Momente. Zum Beispiel, morgens mit einem Lächeln geweckt zu werden oder in ein lachendes Gesicht zu schauen."

Franz: "Das erste Mal Krabbeln, die ersten Schritte, das erste Mal 'Papa, ich hab dich lieb' zu hören: Da geht einem das Herz auf. Das ist das Schönste."

Lassen sich Familie und Arbeit vereinbaren?

Hendrik: "Ich will gemeinsame Zeit verbringen, ich will Zeit lassen und mein Kind auf seinem Weg begleiten."

Matthias: "Unabhängig davon, ob man Kinder hat oder nicht, muss man nicht unbedingt 40 Stunden arbeiten."

Franz: "Ich denke, die Welt und die Gesellschaft muss sich dem anpassen, dass man als Vater den Job auch zu anderen Zeiten erledigen kann. Ich denke, da passiert aber auch gerade Einiges."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Nah dran | 29. April 2021 | 22:40 Uhr