Pfarrgarten Saxdorf Ein Fleck vom Paradies in Brandenburg

Saxdorf ist ein kleines Dorf zwischen Mühlberg und Bad Liebenwerda in Südbrandenburg nahe der Grenze zu Sachsen. Es ist eine Heidelandschaft an der Elbe, gelegen zwischen Feldern und Kiefernwäldern. Darin liegt eine romanische Kirche mit Friedhof und Pfarrgarten – ein Stückchen vom Paradies im Süden von Brandenburg.

Der Pfarrer Karl-Heinrich Zahn (l.) und der Maler, Restaurator und Gartenfreund Hanspeter Bethke stehen im Pfarrgarten in Saxdorf (Kreis Elbe Elster) in ihrer Pflanzenwelt.
Pfarrer Zahn (li.) und Maler Behnke gaben dem Garten seine heutige Form. Bildrechte: dpa

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt, wie das Gelände Anfang der 1970er Jahre aussah. Umringt von ein paar alten Obstbäumen stehen Kirche, Pfarrhaus und Friedhof frei auf der Wiese. Daneben eine Panzerstraße, die Richtung Elbe führt. Heute wachsen hier auf fast 4000 m² Bäume, Sträucher und Blumen. Seine heutige Gestalt verdankt der Garten dem im April 2021 verstorbenen Altpfarrers Karl Heinrich Zahn und dessen Partner Hanspeter Bethke. Beide liegen neben der romanischen Kirche begraben.

Das Paradies vor Augen

Während ihres langen gemeinsamen Lebens hätten sie aus der Ödnis ein wirkliches Paradies gemacht, schwärmt Gärtner Gritsch Egbert: "Das kleine Paradies in Südbrandenburg, hat Herr Bethke immer gesagt." Aus ganz Deutschland reisten Menschen an, um den Garten zu erleben und sich über die vielen verschiedenen Pflanzensorten zu freuen, sagt der Gärtner. Häufig nähmen sie nicht nur Ratschläge mit, sondern auch Ableger.

Anfang der 1970er Jahre zog Pfarrer Karl Heinrich Zahn zusammen mit dem Maler Hanspeter Bethke von Halle nach Saxdorf, um die Pfarrstelle zu besetzen. Als die beiden anfingen, den alten Garten neu zu bepflanzen, hatten sie im übertragenen Sinne schon das biblische Paradies vor Augen. Vor zehn Jahren sagte der Pfarrer in einer Fernsehsendung des ZDF: "Der Begriff Paradies kommt ja aus der Bibel. Da wird ein Garten angelegt, in dem Frieden herrscht. Und dann werden Adam und Eva ausgetrieben aus dem Paradies."

Jeder Garten, der angelegt wird, ist ein Stück Sehnsucht nach diesem verloren gegangenen Paradies.

Pfarrer Karl Heinrich Zahn ZDF (2011)

DDR: Ungezwungene Diskussionen im Gartenparadies

Gebirgs-Mammutbäume, winterharte Zitronen, Palmen, Ginkgo, Kamelien, Magnolien, chinesische Gewürzbäume und unzählige Rosensorten wachsen hier. Auch Christof Enders, Superintendent des Kirchenbezirks Bad Liebenwerda in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, liebt den Paradiesgarten. Dafür gibt es zwei Gründe: "Mich fasziniert die Zusammengehörigkeit von Pfarrhaus und Garten. Es ist kein beliebiger Garten, kein botanischer Garten."

Der Garten ist aus der besonderen Atmosphäre des Pfarrhauses erwachsen.

Christof Enders Superintendent, Kirchenbezirk Bad Liebenwerda

Dort wuchsen nicht nur Pflanzen, sondern er bot auch den Gedanken Raum:

Im Pfarrgarten wurde frei gedacht, frei gefeiert und frei diskutiert. Alles, was in der DDR-Zeit nicht möglich war, war hier möglich, und zwar auf ungezwungene Weise.

Christof Enders Superintendent, Kirchenbezirk Bad Liebenwerda

Christof Enders hat unter den Bäumen im Garten auch schon Gottesdienste gefeiert. Im Pavillon am Pfarrhaus und in der Kirche treten Musiker aus aller Welt auf. Die Atmosphäre beeindruckt Enders: "Wenn die Fenster offen sind und die Musik in den Garten zieht, die Vögel mitmusizieren, das ist großartig. Das haben die Leute selbst aufgebaut, in einer Region, in der sonst gar nichts ist."

Alte Fresken wurden restauriert

Der Maler, Restaurator und Gartenfreund Hanspeter Bethke (l.) und der Pfarrer Karl-Heinrich Zahn stehen in der mittelalterlichen Dorfkirche in Saxdorf (Kreis Elbe Elster)
Maler Behnke (li.) und Pfarrer Zahn in der restaurierten Kirche. Bildrechte: dpa

Skulpturen aus Sandstein stehen am schmalen Weg zur Kirche neben alten und auch neueren Grabsteinen. Die Saxdorfer Kirche ist geprägt von dem hölzernen Turm, der runden Apsis und den romanischen Fenstern. Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut, wahrscheinlich als Pfarrei des Klosters Mühlberg. Auf seinem Weg nach Torgau soll auch Luther immer wieder dort vorbeigekommen sein. 1547, während der Schlacht von Mühlberg, wurde die Kirche zerstört und dann ohne Gewölbe wiederaufgebaut. Spuren der Schätze der Kirche blieben aber erhalten, etwa Reste der Malereien am Triumphbogen.

Der Verein Kunst & Kultursommer Saxdorf bewirtschaftet den Pfarrgarten inzwischen seit vielen Jahren. Eine Ausstellung im Pfarrhaus erinnert an den verstorbenen Pfarrer Karl Heinrich Zahn und den Künstler Hanspeter Bethke. Und weil der langjährige Gärtner des Vereins in den Ruhestand geht, wird nun ein neuer Paradiesgärtner gesucht.

Besucherinformationen Für Besucher ist der Pfarrgarten Saxdorf täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet, die Ausstellung im Pfarrhaus an den Wochenenden. Über Konzerte und andere Veranstaltungen informiert der Verein auf seiner Webseite.

Gottesdienste und Feiertage

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR | 11. August 2021 | 11:49 Uhr