Themenjahr "Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen" Projekt "Tora ist Leben" startete online

Eigentlich sollte ein Rabbiner in verschiedenen Orten Thüringens zeigen, wie eine neue Tora-Rolle geschrieben wird. Doch wegen der Corona-Beschränkungen ist das leider nicht möglich. Das Projekt startete nun digital mit einem Kurzfilm und einem Musik-Vortrag.

Ein geöffneter Schrein Aron Hakodesch verwahrt 17 alte Torarollen.
Ein geöffneter Tora-Schrein mit Torarollen. Bildrechte: imago images/Uwe Steinert

Die Corona-Beschränkungen haben auch Auswirkungen auf den Veranstaltungsplan des Themenjahres "Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen": So konnte das Projekt "Tora ist Leben" am Mittwoch (13.01.) nur online starten. Auf Youtube wurde der Kurzfilm "Vom Pergament zur Tora" gezeigt. Außerdem gab zu es eine Zoom-Konferenz unter dem Thema "VielStimmigkeiten. Zur Tora und ihren Klängen in den jüdischen Kulturen der Welt" mit Dr. Diana Matut. Nähere Angaben dazu sind auf der Facebook-Seite "Tora ist Leben" nachlesbar.

Stichwort: Tora

Der Tanach ist das Heilige Buch der Juden. Ein Teil der Hebräischen Bibel ist die Tora. Die anderen beiden Teile sind die Propheten (Nevi’im) und die Schriften (Ketuvim). Die Tora besteht aus den fünf Büchern Mose.

Der Begriff Tora bedeutet "Lehre, Gesetz". Die Tora ist in hebräischen Buchstaben auf handgefertigtem Pergament aus der Haut koscherer ("reiner“) Tiere geschrieben.

Die Torarolle ist auf zwei Holzstäbe aufgewickelt. Die Stäbe werden als "Baum des Lebens" (hebr. "Ez Hachajim") bezeichnet. Um die Torarolle wird ein spezielles Stoffband gebunden. Dann wird sie mit einem bestickten Mantel, der sie beschützen und verzieren soll, bedeckt. Die Torarolle darf nicht mit bloßen Händen berührt werden. Daher dient ein silberner Stab als Lesehilfe. An dessen Ende befindet sich eine kleine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger. Die Lesehilfe heißt Jad, nach dem hebräischen Wort für "Hand".

Der Sofer ist ein "Schreiber". Er restauriert und fertigt neue Kopien einer Tora und anderer Ritualgegenstände an. Zum Schreiben werden Gänsekiele und reine Tinte verwendet. Das Schreiben der Tora gilt als besonders ehrenvoll. Vor jeder Schreibsitzung bittet der Sofer Gott um genügend physische und mentale Kraft. Macht er einen einzigen Fehler, muss er von vorne anfangen.

Quelle: Zentralrat der Juden

Kern des Projekts "Tora ist Leben" ist das Schreiben einer neuen Tora-Rolle für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen. An ihr arbeitet seit Oktober 2019 ein speziell dafür ausgebildeter und autorisierter Rabbi, der in Berlin lebende Reuven Yaakobov, ein so genannter Sofer. Der schreibt mit Feder und Tinte die 304 805 Buchstaben auf Pergament. Das Schreiben der Tora sollte während des Themenjahrs eigentlich in verschiedenen Thüringer Orten für Interessierte live zu erleben sein. Aufgrund der Corona-Beschränkungen mussten diese Aktionen zunächst ausgesetzt werden und Begleit-Veranstaltungen finden nun digital statt. Sollte es später wieder möglich sein, wird der Sofer in Thüringen öffentlich an der Tora weiter schreiben.

Neue Tora für jüdische Landesgemeinde

Die neue Tora-Rolle ist ein Geschenk der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) und des Bistums Erfurt an die jüdischen Landesgemeinde. Den ersten Buchstaben hatte der Sofer im Oktober 2019 in einer feierlichen Zeremonie in der neuen Synagoge in Erfurt geschrieben. Wenn die Schrift nach zwei Jahren fast fertig sein wird, schreibt Rabbiner Reuven Yaakobov - wieder in einer besonderen Zeremonie - den letzten Buchstaben.

Quelle:MDR/dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Religion & Gesellschaft | 27. Oktober 2019 | 08:15 Uhr