(Un)eingeschränkt Mutter sein Francés Herrmann: Sportlerin, Mutter, selbstbestimmt

Francés Herrmann ist erfolgreiche Para-Leichtathletin und Mutter. Als Sportlerin fühlt sie sich akzeptiert, als Mutter in vielen Situationen nicht. Sie lebt mit einer inkompletten Querschnittlähmung und damit, dass Außenstehende immer wieder über sie und ihren Sohn urteilen.

Francés Herrmann ist Leichtathletin. Bei den Paralympics 2021 in Tokio hat die 32-jährige Cottbusserin Silber im Speerwurf gewonnen. Doch zu den schönsten Momenten ihres Tages zählt, Sohn Henry von der Krippe abzuholen: "Ich freue mich, wenn wir beide wieder zusammen sind und ich erfahre, wie sein Tag war und ich ihm erzähle, wie meiner war. Mit ihm den Rest des Tages zu verbringen, bedeutet: nach Hause zu kommen", sagt Francés Herrmann.

Als Mutter von anderen beurteilt

Henry ist ein Wunschkind. Doch ihr Glück teilten anfangs nicht alle. Die Sportlerin lebt mit einer spastischen Tetraparese, eine inkomplette Querschnittlähmung, die durch Sauerstoffmangel bei ihrer Geburt ausgelöst wurde. Francés Herrmann erzählt, dass Ärtze Bedenken äußerten und Behörden abweisend reagierten, als sie schwanger wurde.

Vor Henrys Geburt hatte sie sich keine Gedanken darüber gemacht, wie die Außenwelt auf sie als Mutter reagieren könnte: "Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das sich als Mutter natürlich verändert. Das hat nichts mit einer Behinderung zu tun." Verletzende Kommentare erlebt sie als Mutter mit Behinderung immer wieder, wenn sie mit Henry unterwegs ist. Außenstehende trauen ihrer Erfahrung nach Menschen mit Behinderung oft nicht zu, selbst einzuschätzen, was sie leisten können und wollen: "Es tut weh, wenn andere über einen urteilen, obwohl man mit sich selbst im Reinen ist."

Unterstützung von Mutter und Oma

Von Henrys Vater leben die beiden getrennt. Francés mit ihrer Großmutter Hannelore in einem barrierefreien Haus. Großmutter Hannelore und Mutter Simone unterstützen Francés im Alltag: "Meine Tochter braucht für einige Dinge ein paar Minuten länger und hat an manchen Tagen Schmerzen. Trotzdem bringt sie für Henry eine Engelsgeduld in Situationen auf, in denen andere längst die Fassung verloren hätten. Dafür bewundere ich sie", sagt Mutter Simone.

Die Profisportlerin ist immer wieder aufs Neue überwältigt von dem, was ihr Sohn in ihr auslöst: "Henry hebt für mich alles noch mal auf eine andere Ebene. Es erdet mich unwahrscheinlich, für ihn da zu sein und mich in seine Lage zu versetzen. Die Welt mit seinen Augen zu sehen bereichert mein Leben."

Familienleben mit Behinderung

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Selbstbestimmt | 24. Juli 2022 | 08:00 Uhr