Fußball | 3. Liga Dynamo Dresden leitet "Neuaufbau" ein: Becker darf bleiben - Capretti muss gehen

Die ersten Personalentscheidungen bei Dynamo Dresden sind gefallen. Ralf Becker darf trotz des Abstiegs in die 3. Liga bleiben und den neuen Kader zusammenstellen. Trainer Guerino Capretti hat dagegen keine Zukunft. Nach zwölf Spielen ohne Sieg traute ihm der Aufsichtsrat den erfolgreichen Neustart nicht zu.

Ralf Becker und Guerino Capretti
Bildrechte: IMAGO / Hentschel

Er darf also weitermachen! Ralf Becker soll als Sportgeschäftsführer die schnellstmögliche Rückkehr der SG Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga planen. Das gelang dem 51-Jährigen bereits in der Saison 2020/21. Doch nach der am Ende extrem frustrierenden abgelaufenen Spielzeit stand auch Becker wegen seiner verfehlten Einkaufspolitik, vor allem in der Winterpause, in der Kritik. Dazu kam die Entlassung von Trainer Alexander Schmidt und die Verpflichtung des noch völlig Zweitliga-unerfahrenen Trainers Guerino Capretti. Am Ende stand Dynamo 2022 ohne Sieg da, verlor dann auch noch ohne eigenes Tor die Relegation gegen den 1. FC Kaiserslautern.

"Ralf Becker genießt unser volles Vertrauen"

Dresdens Sportdirektor Ralf Becker
Seit 2020 leitet Ralf Becker die sportlichen Geschicke bei Dynamo Dresden. Bildrechte: IMAGO / Dennis Hetzschold

Dennoch hat Becker weiter das Vertrauen des Aufsichtsrates und erhielt einen angepassten Zweijahresvertrag auch für die 3. Liga. Der bisherige galt bis 2025 ausschließlich für Liga zwei. "Trotz des Verfehlens unseres Saisonziels sind wir grundsätzlich vom eingeschlagenen Weg sowie der Ausrichtung im sportlichen Bereich überzeugt. Ralf Becker genießt unser volles Vertrauen, dass er mit seiner Kompetenz erneut eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen kann", begründete Aufsichtsratschef Jens Heinig die Entscheidung.

Trotz des Verfehlens unseres Saisonziels sind wir grundsätzlich vom eingeschlagenen Weg sowie der Ausrichtung im sportlichen Bereich überzeugt

Jens Heinig Aufsichtsratschef Dynamo Dresden

Becker: "Abstieg war ein Rückschlag"

Becker dankte dem Aufsichtsrat für das Vertrauen: "Natürlich bin ich noch immer wahnsinnig enttäuscht, dass unser Plan nicht aufgegangen ist und wir unser Saisonziel verfehlt haben. Dies stellt zweifelsohne einen Rückschlag für unseren eingeschlagenen Weg dar. Gleichzeitig habe ich immer betont, dass ich sehr gerne für die Sportgemeinschaft arbeite und dass ich von unserer grundsätzlichen Ausrichtung überzeugt bin."

"Neuaufbau" ohne Trainer Capretti

Keine große Überraschung indes: Die Zeit von Trainer Guerino Capretti ist nach wenigen Monaten, zwölf Spielen ohne Sieg und dem Abstieg in die 3. Liga, abgelaufen. Der Aufsichtsrat der SG Dynamo Dresden traute dem 40-Jährigen nicht zu, die sofortige Rückkehr in die 2. Bundesliga erfolgreich anzugehen. Kosten kommen auf die SGD nicht hinzu, da der Kontrakt mit Capretti nur für die 2. Bundesliga Gültigkeit besaß.

Trainer Guerino Capretti, Dynamo Dresden
Guerino Capretti konnte Dynamo Dresden nicht vor dem Absturz in die 3. Liga bewahren. Bildrechte: IMAGO/Hentschel

"Er hat alles gegeben, damit wir gemeinsam unser Saisonziel erreichen. Aber leider konnten wir den Abstieg nicht verhindern. Ich bin trotzdem weiterhin von seinen Qualitäten als Trainer und als Mensch überzeugt, muss jedoch gleichzeitig die bestmögliche Entscheidung für die Zukunft der SG Dynamo Dresden treffen", erklärte Becker. Wer den "Neuaufbau in der 3. Liga" leiten wird, ist noch nicht klar. Entsprechende Gespräche werden derzeit intensiviert, so Becker.

Capretti: "Nicht geschafft, uns für den Fleiß zu belohnen"

Der nunmehr entlassene Trainer dankte noch einmal allen Fans und Mitgliedern des Vereins. "Der verpasste Klassenerhalt tut unheimlich weh. Die Mannschaft hat in jeder Trainingseinheit mit großem Engagement gearbeitet, damit wir unser Ziel erreichen – leider haben wir es nicht geschafft, uns für all den Fleiß in Form von Siegen zu belohnen." Capretti hatte vor seinem Engagement in Dresden den SC Verl in die 3. Liga geführt.

Uwe Karte: Es geht um grundsätzliche Entscheidungen

Kaum ein Journalist kennt die SG Dynamo Dresden besser als Uwe Karte. Für ihn ist nicht die Hauptfrage, was in den kommenden drei Wochen passiert. Man bräuchte ein Konzept über drei bis fünf Jahre, um Dynamo als Zweitliga-Team zu etablieren. Aktuell schaffe man es nicht, über den Status einer Fahrstuhlmannschaft hinaus zu kommen. Dabei hätten Verein und Stadt eigentlich alle Voraussetzungen. Dafür müssten die insgesamt 25 Funktionsträger aber ihre Eitelkeiten hintenanstellen. Dass Guerino Capretti gehen muss, überraschte auch Karte nicht. Der sei von Anfang an völlig überfordert gewesen, mit dem, was gefordert wurde.

Uwe Karte 23 min
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Mit der Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Sportdirektor Ralf Becker sei der Verein den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Laut Satzung hätte man sonst die Stelle ausschreiben müssen, "das hätte wochenlang gedauert". Was den MDR-Reporter erschreckte: "Dynamo Dresden hat erst Ende April an einen Plan B gedacht, dass man die Klasse nicht hält. Man war mal wieder von der Wirklichkeit überrascht." Wer nun neuer Trainer werden sollte, wollte sich Karte nicht entlocken lassen. Matthias Maucksch oder Peter Pacult hätten zumindest eine sehr fitte Mannschaft hinterlassen. Sehr nachhaltig ist der Job ohnehin nicht: "Es wäre der 41. Trainer seit der Wende, den ich erlebe."

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red

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 27. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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