Do 14.10. 2021 22:10Uhr 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 14.10.2021 22:10 22:40

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Das Kulturmagazin des MDR

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Die Themen:

* Evelyn Richter - ein Nachruf
* Einsamkeit in der Stadt
* Thomas Kunst: „Zandschower Klinken“
* Simon Weckert schafft digitale Kunst
* Kulturkalender

Evelyn Richter - ein Nachruf
Evelyn Richter, geboren 1930 in Bautzen, zählte zu den bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands. Zum 90. Geburtstag der Künstlerin am 31. Januar 2020 haben die Kunstsammlungen Dresden ihr eine kleine Hommage dargebracht. Die Ausstellung enthält Werke aus allen bekannten Serien der Fotografin: Menschen auf der Straße, Selbstporträts, Reisende, Museumsbesucher, Porträts von Künstlern, Schriftstellern und Musikern. Was machte die Arbeit dieser beliebten und allseits geachteten Künstlerin aus? Zum einen, was sie zeigt: Sie hat den ungeschönten sozialdokumentarischen Blick, blickt hinter die Fassaden und zeichnet so ein empathisches Bild des ostdeutschen Alltags und seiner Menschen. Zum anderen gewinnt dokumentarische Beobachtung dabei eine überzeitliche formale Qualität: Bilder, die wirken. Am 10. Oktober ist Evelyn Richter mit 91 Jahren gestorben. artour erinnert an die Ausnahmefotografin.
Autor: Meinhard Michael/Hans-Michael Marten

Einsamkeit in der Stadt
Immer mehr Menschen, so berichtet die Statistik, leben allein, leben einsam. Während Begegnungen zunehmend im Digitalen stattfinden, die Verbindlichkeit in sozialen Beziehungen abnimmt. Und: Die städtischen Ballungsräume wachsen - Biotope für ein Gefühl, das fast jeder kennt. Die Berliner Regisseurin Nicola Graef hat über „Die Einsame Stadt" Berlin einen intimen, einfühlsamen Dokumentarfilm gemacht. Er wurde im März 2020, kurz vor dem ersten Corona-Lockdown, fertig - bevor die Pandemie alle ahnen ließ, was Einsamkeit bedeutet. Bei DOK Leipzig 2020 wurde er gezeigt, jetzt startet der Film, über ein Jahr später als geplant, in unseren Kinos.
Autor: Andreas Lueg

Thomas Kunst: „Zandschower Klinken“
Seit 35 Jahren ist Thomas Kunst Angestellter der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und arbeitet dort als Saalaufsicht. In seiner freien Zeit schreibt er Bücher, allerdings verkauften sie sich "hundsmiserabel",wie er im Interview sagt, "im Jahr drei bis fünf Lesungen... keine Plätze auf Bestenlisten." Seinem Selbstbewusstsein hat das wenig anhaben können. "Es gibt in Deutschland über 900 Literaturpreise, fast jeden Tag könnten drei vergeben werden, warum diese drei nicht täglich an mich gehen, ist mir ein großes Rätsel. Das ist meine Art von Humor, um nicht zu verbittern und am Leben zu bleiben." Jetzt könnte sich das ändern, denn sein Roman "Zandschower Klinken" wurde auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis der Frankfurter Buchmesse gesetzt.
Der Roman spielt in einem norddeutschen Dorf, in dem das Unmögliche möglich zu sein scheint: Zandschow wird zu Sansibar, der Feuerlöschteich zum Indischen Ozean. Die Bewohner des Orts rund um "Getränke-Wolf" folgen einem kuriosen Wochenplan, donnerstags werden zwanzig Plastikschwäne auf dem Teich ausgesetzt, ein ausrangierter U-Bahn-Waggon dient als Reisemobil, sie feiern an der "Lagune" Festspiele unter künstlichen Palmen. Das Buch ist eine Mischung aus Trip und Traum, Vision und gelebtem Nonsens. Dabei entsteht ein stellenweise verrücktes, verdrehtes und hochkomisches Porträt einer utopischen Solidargemeinschaft, die sich in der Provinz zusammenfindet. Arme Leute, die versuchen, sich ein schönes Leben zu machen mit den Dingen, die sie haben. In Thomas Kunsts Worten: "Die wenigsten von uns gehen einer geregelten Tätigkeit nach. Die meisten beziehen Stütze. Wir kriegen die Zeit trotzdem rum. In U-Bahn-Waggons und am Strand. In Turnhallen und auf Sonnenbänken. Wir sind nicht nur benachteiligt. Wir können nichts für unsere Begabung, ein freies Leben zu führen. Wir bleiben jetzt hier."
Autor: Rayk Wieland

Simon Weckert schafft digitale Kunst
Der in Chemnitz aufgewachsene Künstler Simon Weckert wurde einem Millionenpublikum bekannt, als er mit einem Bollerwagen mit 99 Smartphones Google Maps austrickste und einen digitalen Stau erzeugte. Jetzt präsentiert er unter dem Titel "Ubuntu - The other me!" im Museum Gunzenhauser Chemnitz Werke, die sich mit dem zunehmenden Einfluss künstlicher Intelligenz auf unseren Alltag befassen. Ihn interessiert, wie Technologien unsere Gesellschaft formen. Dabei verbindet er seine technischen Fertigkeiten mit künstlerischem Ausdruck und politischen Botschaften - und zeigt dabei, wie an dieser Schnittstelle digitale Kunst entsteht.
Autorin: Pia Uffelmann

Kulturkalender
* Gerhard-Altenbourg-Preis 2021 des Altenburger Lindenau-Museums an Ruth Wolf-Rehfeldt (*1932 in Wurzen) für ihr Lebenswerk - Retrospektive bis 14.11.
* "Film ab!" heißt ein Konzert des MDR-Sinfonieorchesters, auf dem der Klangkörper alte Stummfilme mit neuer Musik erlebbar macht - als Vorgeschmack auf das Jubiläum "100 Jahre Rundfunk" 2023. Alte Filme, deren Musik verloren gegangen war, wurden neu vertont von Studenten der Bauhausuni Weimar, im Auftrag des MDR Sinfonieorchesters/ in Koop. mit arte. Der musikalische Geist der 1920er als Filmrevue: Konzert am 29. Oktober, Felsenkeller Leipzig
* Filmtipp: "Dear Future Children" - der Dokumentarfilm startet am 14.10. in den Kinos.
Autorin: Stephany Mundt


"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen.

Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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