Buchtipp der Woche Meister der Tarnung. Wie Tiere sich unsichtbar machen

Porträt von Ines Drahonovsky: Frau mit längeren, offenen, gelockten, dunklen Haaren, dunklem Augen-Make-Up und freundlichem Blick, Kleid mit Blumenmuster, in der Hand einige Blätter, Blick leicht nach rechts in Kamera, Hintergrund: grüne Natur, unscharf
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schon mal davon geträumt, unsichtbar zu sein? Zumindest für kurze Zeit? MDR WISSEN-Redakteurin Ines Drahonovsky hätte diese Fähigkeit gern, wie sie angesichts einer Neuerscheinung zum Thema Tarnung in der Tierwelt gern einräumt. Besonders traurig findet sie allerdings, dass einige Tiere mit dieser besonderen Fähigkeit stark gefährdet, manche sogar vom Aussterben bedroht sind. Und so ist dieses Buch nicht nur eine "Augenweide", sondern auch ein eindringliches Plädoyer für den Artenschutz.

Das Cover ist in den Komplementärfarben Blau und Orange gehalten. Links, passend zum Thema blau auf blau, der Titel. Der größere Teil rechts zeigt einen von orangenen Pflanzen teilweise bedeckten Tigerkopf.
Unsere Buchempfehlung zum Thema Tiere und ihre Tarnung Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Tarnung, Täuschung, Trickserei

Es geht um Tiere, die mit ihrer Umgebung nahezu verschmelzen und so für Feinde oder ihre potentielle Beute fast unsichtbar werden können. Um Tarnung, Täuschung und Trickserei in der Natur und die Frage: Wo ist das Tier? Und um clevere Strategien von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien, Wirbellosen und Fischen, um zu überleben oder erfolgreicher zu jagen.

Tiere machen sich unsichtbar

Es sind hier ganz klar die Bilder, die fesseln, diese großartigen Fotos von recht unterschiedlichen Tieren, die Fähigkeiten haben, die ich auch gern hätte! Mal nicht gesehen zu werden, unbemerkt Dinge tun zu können, weil man sich äußerlich der entsprechenden Umgebung anpassen kann – eine großartige Vorstellung!

Die linke Seite zeigt eine braun-weiße Eidechse mit gelben Dornen, die auf einem Kiesuntergrund fast unsichtbar ist. Die rechte Seite beschreibt den Dornteufel und zeigt einen dessen Kopf aus der Seitenansicht.
Eine merkwürdige Eidechse Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Was in diesem Buch immer wieder überrascht, ist natürlich kein Spaß, keine Show, sondern eine "Pflichtveranstaltung" für die Tiere, um in ihrer Umgebung bestehen zu können.

Das ist zum Beispiel der Mondvogel, ein Nachtfalter, der sich in ein kleines Aststück verwandeln kann, das wie gerade abgebrochen aussieht. Derart maskiert entgeht er seinen Feinden.

Die Doppelseite beschreibt den Mondvogel, einen Nachtfalter, der, an einem Ast hängend, kaum von diesem zu unterscheiden ist.
Wer findet den Mondvogel? Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Zwischen solchen beeindruckenden Bildern liefert der Autor spannende Zusatzinformationen zu den Tieren. Wir erfahren, dass die weiblichen Tüpfelhyänen größer als die männlichen sind und auch das Sagen haben. Wir lesen, wie Kopi Luwak, der berühmte "Katzenkaffee", mit Hilfe des katzenartigen Bänderrollers entsteht und dass Altvögel unter den Regenpfeifern eine Verletzung vortäuschen, um Fressfeinde, die sich nun eine schnelle Mahlzeit erhoffen, vom Nest wegzulocken.  

Auf jeder Buchseite und bei jedem neuen Beispiel für den Erfindungsreichtum der Natur stellt sich die Frage: Was kommt jetzt noch? Und das macht Spaß!

Bücher über Tiere und Menschen

Steve Parker, von Haus aus ein Zoologe, der am Naturhistorischen Museum in London gearbeitet hat und für seine Sachbücher mehrfach ausgezeichnet wurde. Er ist oft und gern mit seinen Büchern in der Welt der Tiere unterwegs, beschäftigt sich aber auch mit dem menschlichen Körper.

Das Cover ist in den Komplementärfarben Blau und Orange gehalten. Links, passend zum Thema blau auf blau, der Titel. Der größere Teil rechts zeigt einen von orangenen Pflanzen teilweise bedeckten Tigerkopf.
Unsere Buchempfehlung zum Thema Tiere und ihre Tarnung Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Die Daten zum Buch Steve Parker: Meister der Tarnung. Wie Tiere sich unsichtbar machen. Aus dem Englischen von Susanne Warmuth. Verlag wbg Theiss 2022, 240 Seiten, 38 Euro, ISBN 978-3-8062-4431-1

Nachschlagewerk, Unterhaltung, Augenschmaus

Es ist ein Sachbuch, 237 Seiten stark -  mit 236 großen und kleinen Fotos von genau 100 Tieren -  sowie 3 Seiten Register und Bildnachweis. Es gibt eine Einleitung, die in das Thema "Tarnung" einführt, zugleich aber auch darauf aufmerksam macht, dass viele der beschriebenen "Meister der Tarnung" zu gefährdeten Arten gehören. Lesende werden auf 6 Kontinente eingeladen (Nordamerika, Mittel-und Südamerika, Europa, Afrika, Asien, Australien) und in verschiedene Lebensräume in den Meeren und Ozeanen. Diese geographische Zuordnung ist ein Kriterium für die Auswahl der vorgestellten Tiere und für ihre Reihenfolge im Buch. Menschen, die sich gern mit der Tierwelt in bestimmten Regionen dieser Erde befassen, werden hier Freude beim Lesen haben. Vor allem aber ist das Buch ein Augenschmaus für alle, die sich für Tiere mit besonderen Fähigkeiten interessieren.

Zu jedem Tier gibt es eine Spalte mit allgemeinen Informationen zu Verbreitung, Namen, Größe, Lebensräumen, Ernährung und Gefährdungsgrad, dann die ausführliche "Tarnungsgeschichte" und eine Art Schlussbotschaft mit zusätzlichen Fakten im wahrsten Sinne des Wortes "unterm Strich".

Foto und Beschreibung des größten lebenden Beuteltieres, eines schwarzen Nagers.
Schwarz wie die Nacht - der Beutelteufel Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Lesende können sich also auf die Geschichten konzentrieren, wie Tiere es schaffen, nicht wahrgenommen zu werden. Sie können aber auch nur Fotos betrachten samt den allgemeinen Informationen. Man kann aber auch nur die Fotos und die unterhaltsamen Fakten unterm Strich nutzen.

Dieses Buch hat also das Zeug, wissensvermittelnd zu unterhalten. Es ist aber auch ein gutes Nachschlagewerk für alle Altersgruppen.

Bedrohte Meister der Tarnung

Was bleibt nach der Lektüre dieses Buches? Dass neben den Chamäleons ziemlich viele Geschöpfe auf diesem Planeten leben, die sich durch ausgeklügelte Strategien sehr gut verbergen können und dass es unterschiedliche Formen der Tarnung gibt. Der Blattschwanzgecko zum Beispiel verschmilzt geradezu mit der Baumrinde.

Ausschnitt eines Baumstamms mit zwischen grün, braun und rot changierenden Strukturen, auf dem neben Rankpflanzen auch ein baumfarbiger Gecko zu erkennen ist.
Perfekte Tarnung Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Andere Tiere vermeiden den verräterischen Schattenwurf, indem sie sich flach auf den Untergrund drücken. Wieder andere schmücken sich mit Dingen aus ihrer Umgebung, z.B. die Dekorateurkrabbe, die sich mit Steinchen, kleinen Organismen und Korallenstückchen verziert. Diese hier verhüllt sich mit Seeanemonen.

Beschreibung und Bild einer Dekorateurkrabbe. Ohne Hinweis würde man wahrscheinlich nur eine blau-grün-weiße Wasserpflanze erkennen; bei genauem Hinsehen sieht man allerdings einige Körperteile einer Krabbe, farblich zur Pflanze passend.
Was ist Krabbe, was Anemone? Bildrechte: Verlag wbg Theiss

Wir begreifen auch, dass viele der 100 vorgestellten Tiere trotz ihrer Fähigkeit, sich gut zu tarnen, sehr gefährdet sind – wie z.B. die Echte Karettschildkröte, der Beutelteufel, die "bemalte" Wollfledermaus, der Komodowaran, der Leopard und der Goliathfrosch. Dieses Buch sorgt dafür, diese bedrohten Tierarten mal ganz anders wahrzunehmen. Und: es schafft einen besonderen Zugang zum Thema "Artenvielfalt". Möge es viele Leserinnen und Leser erreichen, um ihnen deutlich zu machen, was unserer Erde fehlen würde, wenn diese Meister der Täuschung aussterben.  

Ines Drahonovsky
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Rezensentin Ines Drahonovsky ist bei MDR WISSEN für bewegte Bilder verantwortlich und brennt fürs Leben auf dem Land.

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