Covid-19 1.000 mal so viel Virus: Warum sich die Delta-Variante weltweit durchsetzt

In zahlreichen Ländern der Welt steigen die Coronazahlen dank Delta-Variante wieder, auch in Deutschland. Daten aus China zeigen: Infizierte sind offenbar deutlich früher viel ansteckender als bisher.

Illustration: Corona Virus
Das Sars-Coronavirus-2 (Illustration). Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Impfungen und Sommerklima auf der Nordhalbkugel hatten die weltweiten Coronazahlen in Mai und Juni fallen lassen. Doch einem neuen Report der WHO zufolge steigen die Infektionen wieder deutlich an und könnten jetzt in einer vierten Welle der Pandemie münden. Einer der Gründe dafür könnte neben einer Rücknahme vieler Maßnahmen zur Verhinderung von Ansteckungen auch die vermehrte Ausbreitung der Deltavariante sein. Sie macht laut der globalen Variantenüberwachung durch GISAID inzwischen neun Prozent aller weltweiten Fälle aus.

Infizierte haben jetzt zu Beginn 1.000 Mal so viele Viren

In der Woche bis zum 18. Juli stiegt die Zahl der Corona-Neuinfektionen weltweit demnach wieder auf 3,4 Millionen. Die größten Zuwächse verzeichneten die USA (plus 68 Prozent), Indonesien (plus 44 Prozent) und Großbritannien (plus 41 Prozent). Die Deltavariante kommt jetzt in insgesamt 124 Ländern vor, das sind 13 mehr als in der Vorwoche. In vielen Staaten, darunter Deutschland, Australien, China, Indien, Israel, Russland und dem Vereinigten Königreich ist Delta mit einem Anteil von über 75 Prozent aller Fälle nun die dominierende Variante.

Steigende Neuinfektionen mit Sars-CoV-2
Land Zuwachs neue Infektionen gegenüber der Vorwoche Anteil Delta-Variante 7-Tages-Inzidenz Vollständig Geimpfte
USA 68 Prozent 68,1 84,5 48,41 Prozent
Vereintes Königreich 41 Prozent 99,2 492,1 53,63 Prozent
Indonesien 44 Prozent 95,1 114,7 6,07 Prozent
Deutschland 57 Prozent 72,5 12,2 47,62 Prozent

Der Grund für die rasche Ausbreitung liegt offenbar darin, dass das Virus sich nun schon schnell nach einer Ansteckung stark vermehrt und Infizierte so früher viel ansteckender werden. Eine noch nicht begutachtete Studie aus China hat ein Ausbruchscluster von 167 Fällen untersucht. Alle Infektionsketten seien bis zum Indexfall zurück verfolgbar, schreiben die Forscher. Dabei sei sichtbar geworden, dass PCR-Tests nun schon meistens vier Tage nach dem Kontakt positiv würden. Beim ursprünglichen Wuhan-Virus waren im Schnitt noch sechs Tage beobachtet worden. Und die Virusmenge beim ersten positiven Test sei jetzt um das 1.260-fache erhöht.

Vorläufige Daten aus Kanada: Delta könnte das Sterberisiko mehr als verdoppeln

Eine weitere Preprint-Studie hat die Risiken von schweren Verläufen verglichen zwischen Patienten mit verschiedenen Virenvarianten in Kanada. Eine Infektion mit Delta erhöhte demnach das Risiko ins Krankenhaus zu müssen um etwa 120 Prozent, auf einer Intensivstation behandelt zu werden um 287 Prozent und das Risiko, an der Infektion zu sterben um 137 Prozent.

Wer vollständig geimpft ist, ist aber auch gegen die Deltavariante offenbar noch gut geschützt. Entsprechende Studienergebnisse aus dem Vereinigten Königreich wurden jetzt im renommierten New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht. Demnach beobachteten die Forscher zwar einen deutlich reduzierten Schutzeffekt nach der Erstimpfung, sowohl beim Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch bei dem von Astrazeneca. Vollständig Geimpfte waren mit 88 Prozent bei Biontech und 67 Prozent bei Astrazeneca hingegen immer noch sehr effektiv vor einer Ansteckung geschützt.

(ens/dpa)

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