Medizin gegen Covid-19 300 Millionen für Corona-Medikamente – wo stehen die Forscher in Jena, München, Tübingen?

Neben den Impfstoffen werden weiter auch Medikamente gegen das Coronavirus erforscht. Ein Förderprogramm des Bundes soll dem zusätzlichen Schub verleihen, vielversprechende Ansätze gibt es bereits.

Eine Frau mit Mundschutz hält eine Tablette in der Hand
Bildrechte: imago images/Westend61

Auch wenn die Corona-Impfkampagne in Deutschland immer besser in Schwung kommt, bleibt ein wichtiges Ziel, wirksame Medikamente gegen Covid-19 zu entwickeln – schon allein, weil nicht alle Menschen geimpft werden können, etwa wegen Impfstoff-Unverträglichkeiten. Zwischenzeitlich geriet dieses Ziel etwas aus dem Blick, doch mit dem neuen 300-Millionen-Euro-Förderprogramm des Bundesforschungsministeriums (BMBF) soll die Medikamentenforschung auch in Deutschland wieder stärker angekurbelt werden.

Diverse Kandidaten in der klinischen Phase

Inzwischen hat das BMBF acht aussichtsreiche Kandidaten dafür vorgestellt, die insgesamt rund 46 Millionen Euro erhalten sollen. Diese Medikamente funktionieren hauptsächlich über den Antikörper-Ansatz und befinden sich derzeit in den klinischen Phasen 1 bis 2 – die dritte Phase, bei der an einer größeren Zahl an Patienten getestet wird, steht also noch aus.

Nicht vom Bund, sondern vom Freistaat Bayern gefördert wird dagegen ein weiterer aussichtsreicher Kandidat: FYB207 vom Unternehmen Formycon aus der Nähe von München. Das Medikament, das als Sars-CoV-2-Blocker fungieren soll, befindet sich derzeit in der klinischen Phase und soll nach derzeitigem Stand Ende 2022 auf dem Markt erscheinen.

Jenaer Forschung weit gediehen

Auch in Mitteldeutschland wird an Corona-Mitteln geforscht. Am Uniklinikum Jena etwa wird untersucht, ob das Leukämie-Medikament Ruxolitnib auch bei Covid-19 angewendet werden kann. Die Studie dazu startete bereits im Mai 2020, sei allerdings in der zweiten Welle erst so richtig losgegangen, wie der Leiter Prof. Andreas Hochhaus auf Anfrage von MDR WISSEN berichtet. "Unser klinischer Eindruck ist sehr gut, die Auswertung steht aber noch aus", erklärt Prof. Hochhaus.

Bioformatischer Ansatz könnte auch gegen andere Viren helfen

An der Universität Tübingen versuchte man es dagegen mit einem bioinformatischen Ansatz, bei dem über ein Computermodell errechnet werden soll, wie sich das Enzym Guanylatkinase 1 ausschalten ließe und damit die Virusvermehrung gestoppt werden könnte, ohne die Wirtszelle zu beschädigen. Diese Idee wurde inzwischen auf die neuen Corona-Varianten ausgeweitet. "Offenbar sollte unser favorisierter Kandidat für ein Wirkstoffziel (die Guanylatkinase) robust gegen alle untersuchten Mutanten helfen", erläutert Studienleiter Prof. Andreas Dräger gegenüber MDR WISSEN. "Hiermit sehen wir uns bestärkt für die nächsten Schritte hin zu einer experimentellen Überprüfung." Dazu wird in Tübingen aktuell untersucht, ob dieser Ansatz auch bei anderen Virentypen funktioniert.

Und schließlich arbeitet Prof. Armin Ensser am Uniklinikum Erlangen derzeit am Einsatz von sogenannten TRIM-Proteinen und anderen Wirtszellfaktoren bei der Eindämmung von Sars-CoV-2. "Versuche mit Markerviren laufen, aber es ist noch einiges zu früh um sich zu äußern", erklärt der Experte. "Forschung erfordert oft Fleiß und Geduld", so das Fazit von Prof. Ensser.

cdi

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