Covid-19 Coronavirus könnte mehrfach von Tieren auf Menschen gesprungen sein

Aus genetischen Analysen schließt ein Forscherteam: Sars-CoV-2 könnte mehrfach von Tieren auf Menschen gesprungen sein. Ein anderes Team glaubt: Solche Zoonosen kommen viel häufiger vor als bisher angenommen.

Marderhund
Marderhunde werden in China gegessen. Sie könnten das Sars-2-Virus auf Menschen übertragen haben. Bildrechte: IMAGO / Panthermedia

Wissenschaftler forschen weiterhin intensiv zum Ursprung vom Sars-Coronavirus-2. Ein Laborunfall, bei dem sich ein Mitarbeiter des virologischen Forschungszentrums in Wuhan versehentlich mit dem Virus angesteckt haben könnte, erscheint dabei immer unwahrscheinlicher. Aus der Analyse der Genome der ersten bei Menschen festgestellten Covid-Erreger schließt ein Nachwuchsforscherteam von Bioinformatikern von der Universität San Diego (UCSD) in Kalifornien, dass Corona den Sprung von Tieren in Menschen möglicherweise mehrfach geschafft hat.

Möglicherweise zwei Ursprungsstämme

In einem Beitrag für das Forum Virological.org schreiben die Autoren, dass diese Sprünge etwa zur gleichen Zeit Ende 2019, Anfang 2020 auf mehreren Tiermärkten in Wuhan passiert sein könnten. Grundlage dieser Theorie ist der Umstand, dass es zu Beginn der Pandemie zwei Virusstämme gab, von denen sich einer (Stamm B) auf der Welt ausgebreitet hat, während der andere (Stamm A) vor allem in China grassierte. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass es einen gemeinsamen Vorfahren beider Stämme gibt.

Allerdings: Den Nachweis eines solchen Vorfahrens konnte bislang kein Forscherteam erbringen. Viren, die beim wichtigsten genetischen Unterschied zwischen beiden Linien eine Mischform haben, seien allerdings höchstwahrscheinlich nicht diese Vorfahren, schreibt das Team um Joel Wertheim von der UCSD jetzt. Denn diese Viren hätten andere Mutationen, die sie entweder der einen oder der anderen Linie zuordenbar machen, heißt es in einem Beitrag im Magazin "nature", in dem über die neue Arbeit berichtet wird.

Zoonosen viel häufiger, als angenommen

Zugleich zeigen die Erfahrungen mit hin- und herspringenden Infektionen zwischen Menschen, Nerzen und Marderhunden – es gibt Tiere, die Sars-CoV-2 problemlos auf Menschen übertragen und auch von ihnen angesteckt werden können. Solche Tiere wurden auf vielen Märkten in Wuhan gehandelt, das Risiko paralleler Zoonosen war also relativ hoch. Wäre das der Fall, wäre ein gemeinsamer Ursprungsstamm des Virus nicht bei Menschen, sondern nur in Tieren zu finden.

Auch ein weiteres Forscherteam glaubt, dass solche Tier-Mensch-Übersprünge von Coronaviren viel häufiger vorkommen, als bisher angenommen. Die Forscher um den Virologen und WHO-Ermittler Peter Daszak haben das Verbreitungsgebiet von Fledermausarten eingegrenzt, die Wirte von Sars-CoV-2 ähnlichen Coronaviren sind, und analysiert, wie viele Menschen potenziell Kontakt mit diesen Tieren haben könnten – etwa wenn sie die Höhlen betreten, um Unterschlupf zu suchen oder um den Fledermauskot als Dünger zu gewinnen. Ergebnis: Mehr als 500 Millionen Menschen könnten jedes Jahr zu Wirten von überspringenden Coronaviren werden, vor allem in der Region von Südchina bis Indonesien.

Nächste Pandemie beginnt höchstwahrscheinlich wieder in Südostasien

Daszaks Team nahm dann noch Daten hinzu über das Vorkommen von Antikörpern gegen unbekannte Coronaviren in Südostasien. Aus der Gesamtschau schätzen sie ab, dass sich bis zu 400.000 Menschen pro Jahr mit zoonotischen Viren anstecken. Das würde bedeuten, dass es nur sehr wenigen Viren gelingt, sich dann so in Menschen zu vermehren, dass andere Menschen angesteckt werden können und sich ein Erreger tatsächlich ausbreiten kann.

Dennoch warnen die Forscher: Die Hinweise seien deutlich, dass auch das nächste Pandemievirus sehr wahrscheinlich wieder in Südostasien zuerst auftreten könnte, wenn nicht mehr Abstand zwischen Menschen und Wildtieren geschaffen wird.

(ens)

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