Covid-19 Deutlich weniger Impfdurchbrüche bei geimpften Genesenen

Eine Analyse von rund 1,5 Millionen Geimpften in Quatar zeigt: Nur einer von etwa 1.000 Menschen, die vor der Impfung mit Covid-19 infiziert waren, bekam eine Durchbruchsinfektion. Antikörperdaten bestätigen das.

Impfstoff-Phiolen. Moderna und Comirnaty
Die mRNA-Impfstoffe von Moderna und Biontech: Werden Genesene mit mindestens drei Monaten Abstand zur Infektion geimpft, sind sie sehr gut vor einer Neuansteckung geschützt. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Hat man sich mit dem Sars-Coronavirus-2 angesteckt und wurde man später geimpft – wie gut ist man dann vor einer erneuten Ansteckung geschützt? Wäre eine Booster-Impfung sinnvoll? Zwei neue Studien aus Quatar und den USA zeigen deutlich: Eine durchgemachte Infektion und eine anschließende Impfung mit einem mRNA-Impfstoff schützen äußerst wirksam vor einer weiteren Infektion und zwar signifikant besser, als die reine Zweifachimpfung. Und: Wurde zwischen Infektion und Impfung ein Abstand von 90 Tagen eingehalten, dann waren die Antikörperwerte noch einmal besser, als bei einem Abstand von weniger als 90 Tagen.

Quatar: Viele junge, männliche Ausländer, zwei Infektionswellen

Die Forscher aus Quatar haben Daten von rund 1,5 Millionen Menschen analysiert, die seit Dezember 2020 geimpft wurden. Wie sie im Fachblatt JAMA berichten, wurden in dem arabischen Land die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt. Quatar hat ein paar demografische Besonderheiten. So ist die Bevölkerung zum einen sehr jung. Nur acht Prozent der Einwohner sind über 50 Jahre alt. Zum anderen dominieren Gastarbeiter. Rund 89 Prozent sind sogenannte Expatriats, also Ausländer, die zum Arbeiten nach Quatar gekommen sind. Ein überwiegender Teil davon sind Männer. Aktuell sind etwa 77 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

In Quatar begann die Impfkampagne Weihnachten 2020. Ähnlich wie Deutschland erlebte das Land zwischen Januar und Juni 2021 zwei Infektionswellen, die direkt ineinander übergingen. In ihnen dominierten die Alpha- (B.1.1.7) und die Beta-Variante (B.1.351). Seit Sommer hat sich auch hier die Deltavariante (B.1.617.2) durchgesetzt.

Genesene mit Impfung: Zweitinfektionsrisiko nur 0,15 Prozent

Insgesamt waren 99.226 Personen mit Covid-19 infiziert, die später zwei Impfungen Comirnaty von Biontech/Pfizer erhielten. Zu dieser Gruppe suchten die Forscher eine Vergleichsgruppe mit 290.432 Personen, bei der Alter, Geschlecht und Herkunft übereinstimmten, die aber lediglich die zwei Impfdosen erhalten hatten und nicht infiziert waren. Bei den geimpften Genesenen kam es zu insgesamt 159 Durchbruchsinfektionen, davon nahm eine einen schweren Verlauf, kritische oder gar tödliche Verläufe gab es aber nicht. Die Forscher kalkulierten das Infektionsrisiko für diese Gruppe rund 100 Tage nach der zweiten Impfdosis mit 0,15 Prozent.

Bei der Vergleichsgruppe kam es zu insgesamt 2.509 Durchbruchsinfektionen, 26 davon verliefen schwer, zwei erreichten ein kritisches Stadium, tödlich ging allerdings keine dieser Erkrankungen aus. Das Infektionsrisiko 100 Tage nach der zweiten Dosis berechneten die Wissenschaftler hier mit 0,83 Prozent. Damit hatten die genesenen Geimpften ein signifikant geringeres Risiko, wobei die Risiken bei beiden Gruppen sehr niedrig waren. Fast alle Impfdurchbrüche erfolgten mit der Beta- oder der Delta-Variante. Beta (B 1.351) kann der Immunantwort teilweise ausweichen. Delta (B.1.617.2) erreicht Impfdurchbrüche mit extrem hohen Virusmengen. Die Durchbrüche bei genesenen Geimpften erfolgten meist erst rund 100 Tage oder später nach der zweiten Impfdosis.

  Genesen, anschließend geimpft Zweifach geimpft
Zwei Impfungen mit Biontech/Pfizer 99.226 290.432
Impfdurchbrüche bei Biontech/Pfizer 159 2.509
Kumulatives Risiko einer Infektion 100 Tage nach der zweiten Impfung mit Biontech/Pfizer 0,15 Prozent 0,83 Prozent
Zwei Impfungen mit Moderna 58.096 169.514
Impfdurchbrüche bei Moderna 43 368
Kumulatives Risiko einer Infektion 100 Tage nach der zweiten Impfung mit Moderna 0,11 Prozent 0,35 Prozent

Moderna: Extrem niedrige Risiken von Durchbruchsinfektionen

Beim mRNA-Impfstoff von Moderna zeigte sich ein sehr ähnliches Bild, wobei die Risiken noch niedriger waren als bei Biontech/Pfizer. Hier zählten die Forscher insgesamt 58.096 Genesene, die später geimpft wurden und wählten eine Vergleichsgruppe mit 169.514 demografisch passenden doppelt Geimpften aus. In der Gruppe der Genesenen kam es zu insgesamt 43 Impfdurchbrüchen, bei den "nur" doppelt Geimpften zu 368. 100 Tage nach der zweiten Impfdosis ergab sich für die Genesenen ein Neuinfektionsrisiko von 0,11 Prozent und 0,35 Prozent für doppelt Geimpfte.

Den Unterschied zwischen den beiden Impfstoffen könnte einerseits durch die etwas höhere Konzentration von mRNA in der Moderna-Impfung erklärt werden. In Quatar kam dieser Impfstoff aber auch erst später zum Einsatz und damit bei den jüngeren, niedriger priorisierten Gruppen, die auch weniger Ansteckungsrisiken ausgesetzt waren, weil sie beispielsweise nicht zum Gesundheitspersonal gehörten

Besserer Schutz bei 90 Tagen Abstand zwischen Infektion und Impfung.

Eine zweite Studie aus den USA untermauert dieses Bild: Hier nahmen Mediziner immer wieder Serumproben von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gesundheitssystems. Bei rund 1.960 Personen haben sie inzwischen eine ganze Proben-Reihe seit Tag 14 nach der zweiten Impfung. Laut der ebenfalls in JAMA erschienenen Studie hatten insgesamt 73 Personen zuvor eine durch einen positiven PCR-Test nachgewiesene Infektion mit Sars-CoV-2 durchgemacht.

Bei den "nur" geimpften Mitarbeitern konnten die Forscher beobachten, wie die durch die Impfung erzeugten IgG Antikörper im Lauf von sechs Monaten langsam um etwa die Hälfte reduziert wurden. Dagegen hatten diejenigen mit einer vorangegangenen Infektion im Durchschnitt stets höhere Antikörperwerte. Nach einem halben Jahr hatten sie sogar etwa 56 Prozent mehr IgG.

Wichtig: Lagen zwischen einer Infektion und der Impfung mehr als 90 Tage, wurde durch die Impfung eine nochmal stärkere Antikörperbildung ausgelöst als bei denjenigen, die schneller nach der Genesung geimpft wurden. "Ein längerer Abstand zwischen der Infektion und der ersten Impfdosis kann die Antikörperantwort verbessern", schreiben die Autoren.

(ens)

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