Verletzungsrisiko im Sport Reiten ist gefährlicher als Skifahren oder Motorsport

Ist es vielleicht Motorsport, Abfahrt-Ski oder doch der Fußball? Wer sich fragt, bei welcher Sportart es wohl die meisten und schwersten Verletzungen gibt, der denkt vielleicht nicht sofort ans Reiten. Doch eine Datenanalyse aus den USA zeigt jetzt, dass es ganz schön gefährlich ist, sich auf den Rücken eines Pferdes zu schwingen. Reiterinnen und Reiter ziehen sich die meisten schwerwiegenden Verletzungen zu, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Springreiten
Reitverletzungen bringen Betroffene schnell direkt ins Krankenhaus. Bildrechte: imago images/Pressefoto Baumann

Reiten ist ein beliebter Sport: Allein in den USA messen sich jedes Jahr mehr als 30 Millionen Menschen in ihrer Freizeit oder professionellen im sportlichen Wettbewerb. Auch in Deutschland geht die Zahl laut dem Portal Statista in die Millionen. 1,19 Millionen reiten regelmäßig, 2,8 Millionen gelegentlich. Darüber, wie hoch das Verletzungsrisiko von Reiterinnen und Reitern ist, war aber bisher wenig bekannt. Deshalb hat ein medizinisches Forschungsteam der University of Texas - Rio Grande Valley jetzt etwas Licht ins Dunkel gebracht. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sind im Fachmagazin Trauma Surgery & Acute Care Open publiziert worden.

Verletzungen im Brustbereich am häufigsten

Für die Analyse hat das Forschungsteam auf Daten aus einer landesweiten Trauma-Datenbank zurückgegriffen, in der solche Verletzungen verzeichnet sind – auf die sogenannte US National Trauma Data Bank (NTDB). Insgesamt haben sie dort rund 24.800 Datensätze im Zeitraum zwischen 2007 und 2016 gefunden, bei denen es sich um Reitverletzungen handelte. Die Patientinnen und Patienten waren durchschnittlich 47 Jahre alt und das Verhältnis zwischen den Geschlechtern war nahezu ausgeglichen.

Eine Reiterin auf einem Pferd beim Dressurreiten
Am häufigsten verletzten Reiterinnen und Reiter sich im Brustbereich. Bildrechte: imago-stock.de

Am häufigsten haben sich die Betroffenen demnach im Brustbereich verletzt (37 Prozent), gefolgt von Verletzungen an Armen und Beinen (26,5 Prozent) und am Kopf (23 Prozent). Letztere seien besonders problematisch, so die Forschenden. Bei 3,5 Prozent der verletzten Reiterinnen und Reitern sei es zu schweren neurologischen Schäden gekommen – insbesondere bei den Personen, die an Kopf oder Hals verletzt worden sind. Ein Großteil der verletzten Reiterinnen und Reiter habe ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Dort mussten sie durchschnittlich viereinhalb Tage verbringen, so die Studie. Im Untersuchungszeitraum starben außerdem rund 320 Personen an ihren Verletzungen, die vor allem den Kopf- und Halsbereich betrafen.

Ältere Reiterinnen oder Reiter mussten die Traumazentren häufiger aufsuchen: Einer von vier Verletzten war demnach im Alter von 50 bis 59 Jahren. 22 Prozent der Betroffenen waren sogar über 60 Jahre alt. Am seltensten verletzten sich die 30- bis 39-Jährigen mit nur 13 Prozent.

Reitverletzungen werden unterschätzt

Zwar räumen die Forschenden ein, dass es sich bei ihrer Analyse lediglich um die Analyse eines begrenzten Ausschnitts der NTDB-Daten handelt, trotzdem ziehen sie aus den Ergebnissen ein eindeutiges Fazit: Verletzungen, die Menschen sich beim Pferdesport zuziehen, sind ein unterschätztes Gesundheitsproblem.

Zusammengenommen deuten diese Daten darauf hin, dass die Gefahren des Reitsports stark unterschätzt wurden. Gemessen an der Dauer der Ausübung hat das Reiten viel mehr Krankenhauseinweisungen verursacht als andere risikoreiche Sportarten.

Justin Murisier beim Riesenslalom
Sogar Skifahren ist weniger riskant als Reiten. Bildrechte: imago images / Sammy Minkoff

Natürlich passieren beim Fußball oder in der Leichtathletik etwa beim Laufen insgesamt mehr Unfälle. Trotzdem ist das Risiko ins Krankenhaus zu müssen dem Forschungsteam zufolge beim Reiten für den einzelnen insgesamt sogar höher als beim Fußball, Auto- und Motorradrennen und Skifahren. Sie betonen deshalb, wie wichtig Schutzkleidung in diesem Sport ist. Die könne Leben retten, werde aber nicht immer getragen.

Studien hätten gezeigt, dass ein großer Teil der Personen, die sich beim Reiten verletzt hatten, zum Zeitpunkt des Unfalls keinen Helm getragen hatten. Deshalb müsse im Reitsport mehr für das Verletzungsrisiko sensibilisiert werden. Außerdem fordern sie verstärkte Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Kopfverletzungen. Das dürfte insbesondere in der Heimat des Cowboyhuts keine leichte Aufgabe sein.

40.000 Reitunfälle in Deutschland

Nach Angaben der Gesellschaft für orthopädisch-traumatologische Sportmedizin (GOTS) e.V. in Jena gibt es jedes Jahr bei uns rund 40.000 Reitunfälle, die ärztlich behandelt werden müssen. Anders als in den USA sind dabei die meisten Kopfverletzungen gefolgt von Verletzungen der Arme. Die Inzidenz tödlicher Reitunfälle beträgt 1 auf 10.000 Reiter pro Jahr, so die Gesellschaft. Bei Frauen ist damit Reiten an erster Stelle der Todesfallstatistiken im Sport. Die meisten dieser Todesfälle passieren nicht bei professionellen Reitern, sondern im Freizeitbereich. Dabei ist die Ursache oft ein sogenannter Rotationssturz, bei dem das Pferd auf den Reiter fällt.

(kie)

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