Science vs. Fiction James Bond - keine Zeit für Naturgesetze

Endlich ist er da, der neue James-Bond-Film. In "Keine Zeit zu sterben" wird der Superagent nicht nur gegen seine Feinde arbeiten, sondern auch gegen die Naturgesetze. Nanoroboter im Blut, Autos, die sich siebenmal überschlagen und ein James Bond, der schneller ist als ein Feuersturm: Was von dem, was wir da sehen, wäre überhaupt in der Realität möglich? Science vs. Fiction hat nachgefragt.

Explosion
Bildrechte: Henry Holland-Moritz

In seinem ersten Auftritt 2006 als James Bond in "Casino Royal" sieht Daniel Craig das Bond-Girl Vesper Lynd auf der Straße liegen und weicht ihr in vollem Tempo aus. Sein Wagen überschlägt sich ganze sieben Mal. Dieser Stunt war so spektakulär, dass er es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde schaffte. Aber wäre es überhaupt möglich, so viele Überschläge zu schaffen? Entscheidend dafür sind die Kräfte, die auf das Auto einwirken, erklärt Physiker Henry Holland-Moritz von der Uni Jena: die Gewichtskraft und die Zentrifugalkraft, denn der Aston Martin fährt eine Kurve, um auszuweichen. Beide greifen im Schwerpunkt an.

Physiker Henry Holland-Moritz
Henry Holland-Moritz ist Physiker an der Ernst-Abbe-Universität in Jena. Bildrechte: Henry Holland-Moritz

Entscheidend dafür, welche Kraft stärker ist, ist die Größe des Hebelarms. Bei James Bonds Wagen wäre der Hebel für die Gewichtskraft die halbe Autobreite und für die Zentrifugalkraft etwa ein Drittel der Autohöhe. Ist die Zentrifugalkraft größer, kippt das Fahrzeug und überschlägt sich.

Henry Holland-Moritz, Physiker

Alles eine Frage der Mathematik

Die Zentrifugalkraft ergibt sich aus Masse, mal Geschwindigkeit zum Quadrat, geteilt durch Kurvenradius und die Gewichtskraft über Masse, mal Erdbeschleunigung. Ganz entscheidend sind Geschwindigkeit und Kurvenradius: Je schneller man unterwegs ist und je enger die Kurve, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Auto kippt. Im Falle von James Bond: Er sieht Vesper Lynd ungefähr 30 Meter vor sich auf der Straße liegen und fährt in einem Abstand von einem Meter an ihr vorbei. Mit diesen Werten kann man den Kurvenradius berechnen und kommt auf ungefährt 450 Meter - und damit zu dem Ergebnis, dass der Superagent mit 357 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein muss.

Ein Bolzen hilft dem Stunt auf die Sprünge

Der Aston Martin fährt allerdings höchstens 340 Kilometer pro Stunde, und in der Szene geht es auch nicht bergab. Wieso hat sich das Auto dennoch sieben Mal überschlagen können? Der Stuntfahrer selbst gab zu Protokoll, dass er nur einhundert bis einhundertzehn Kilometer pro Stunde gefahren sei. Aber er hat im richtigen Moment eine Luftdruckkanone ausgelöst und damit einen Eisenbolzen aus dem Autor geschossen. Dadurch wurde die Zentrifugalkraft verstärkt und die sieben Überschläge möglich.

GSP-Tracking im Nanoformat würde an Netzabdeckung scheitern

In "Spectre" wird dem Titelhelden eine Art winziges GPS-Tracking-System in die Adern injiziert, so klein ist es. Damit soll er überall auf der Welt zu finden sein. Ob das tatsächlich möglich ist, erklärt Anne Dragesser vom YouTube-Kanal "So Many Tabs" und räumt dazu ersteinmal mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: Es ist nicht so, dass der Satellit den GPS Tracker findet, sondern umgekehrt. Das funktioniert an jedem Punkt der Erdoberfläche. Erst mit den Informationen des Satelliten kann der Tracker seinen Standort berechnen. Das geschieht lokal nur auf dem Gerät. Damit "Q" weiß, wo James Bond steckt, müssen die Koordinaten weitergesendet werden.

Dafür muss man zum Beispiel mit dem Mobilfunknetz Daten versenden. Und das könnte problematisch werden, wenn Bond gerade in der marokkanischen Wüste sitzt.

Anne Dragesser, Studentin der Luft- und Raumfahrttechnik

GPS-Tracker würde nicht in eine Ader passen

Ein aktueller GPS-Tracker hat ein Modul, das etwa so groß ist wie eine Ein-Cent-Münze. Es gibt auch noch etwas kleinere Modelle. Aber sie alle brauchen immer einen Akku und eine Antenne. Alles in allem also zu groß für eine Injektion in unsere Blutgefäße.

Kann James Bond schneller sein als das Feuer?

In "Skyfall" zündet James Bond eine Gasexplosion in seinem Elternhaus und flieht dann durch einen Geheimtunnel aus dem Gemäuer. Er versteckt sich vor dem Flammenmeer in einem Spalt und überlebt. Ist das überhaupt möglich? Martin Lederer ist Stuntkoordinator im Filmparkt Babelsberg, er kennt sich aus mit Explosionen und analysiert die Filmszene so: Der Superagent hat zwei Gasflaschen mit je 11 Kilogramm Inhalt, insgesamt also 22 Kilogramm. Er löst eine ähnliche Explosion aus, allerdings auf offenem Gelände und nicht in geschlossenen Räumen. Selbst in großer Entfernung wird es ordentlich heiß. Aber um ein Haus in der Größe von Skyfall so in die Luft zu jagen, hätte James Bond nach Lederers Einschätzung wesentlich mehr Gas gebraucht.

Unbeschadete Flucht durch den brennenden Tunnel ist unmöglich

Könnte ein Mensch in einem brennenden Tunnel überleben, wenn er sich in einem Seiteneingang versteckt? Martin Lederer hält das für unwahrscheinlich. Zum einen bezweifelt er, dass James Bond schneller davon laufen könnte, als sich das Feuer ausbreitet. Außerdem:

Martin Lederer
Martin Leder ist Stuntkoordinator im Filmpark Babelsberg. Bildrechte: Henry Holland-Moritz

Es wird ja wahnsinnig heiß und die Flammen ziehen auch Sauerstoff. Gerade in einer beschränkten Umgebung wie in einem Tunnel hätte James Bond da wenig Spaß gehabt.

Martin Lederer, Stuntkoordinator

Das Fazit: Der Superagent hat vielleicht die Lizenz zum Töten, nicht aber, die Naturgesetze zu überlisten. Da mussten Stuntprofis nachhelfen. Aber es gibt Gadgets, technische Spielereien und Utopien aus James-Bond-Filmen, die den Sprung aus der Science Fiction in die Realtiät geschafft haben:

Diese Jamdes-Bond-Gadgets sind inzwischen Alltag

Smartwatches: Nachrichten über die Uhr am Handgelenk bekommen und verschicken, auf Knopfdruck Hilfe holen - das geht, wenn man eine Smartwatch besitzt - allerdings ohne den tödlichen Stahldorn, der sich in "Liebesgrüße aus Moskau" in James Bonds Uhr befindet.

Smartphones: In "Der Morgen stirbt nie" ruft James Bond seinen BMW mit einem Klapphandy zu sich. Das können heutige Smartphones nicht, aber sie können via App andere Geräte steuern.

Versteckte Mini-Kamera: Mit kleinster Technik heimlich zu filmen war früher Geheimagenten vorbehalten. Heute ist das dank Smartphone oder Knopfkamera für jeden möglich.

Navigationssysteme: Heute Standard, früher nur Fiktion - eine Stimme, die einen zum Ziel führt.

Fingerabdruck-Scanner: Das Handy oder den Laptop mit einer kurzen Berührung des Fingers oder einem Gesichtsscan zu entsperren, hat Einzug in die Realität gefunden.

Jack Pop (vorn), Henry Holland Moritz (im blauen Anzug) und Martin Lederer
Science vs. Fiction-Moderator Jack Pop mit den Experten für Crashs und Feuer: Henry Holland-Moritz und Martin Lederer Bildrechte: Anne C. Brantin

Wenn Sie sich anschauen möchten, wie unserer Experten gemeinsam mit Science vs. Fiction-Moderator Jack Pop den schönen Schein des Superagentenlebens auf Herz und Nieren geprüft haben oder immer schon mal wissen wollten, ob es Godzilla wirklich gab, dann schauen Sie doch mal auf unserem YouTube-Kanal "Science vs. Fiction" vorbei.

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/0209b2c3-544f-4b64-841e-7a35747cc1ab was not found on this server.