Smarte Ideen gegen den Klimawandel Afrikas Große Grüne Mauer: Gut fürs Klima, gut für die Wirtschaft

Ein gigantisches multinationales Großprojekt soll Afrika vor der Sahara schützen, die sich im Norden immer weiter ausbreitet – und außerdem große Mengen CO2 speichern. Eine große Idee, deren Umsetzung ins Stocken geraten ist. Dennoch könnte die Great Green Wall Vorbildcharakter haben, auch für uns in Europa. Wie deutsche Forscher herausgefunden haben, ist sie nämlich nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern lohnt sich auch finanziell.

Afrikas große grüne Mauer
Bildrechte: MDR/IMAGO/Le Pictorium

Durch den Klimawandel wird Mitteldeutschland in den kommenden Jahren voraussichtlich zu einem Risikogebiet für Trockenheit und Hitze. Ein Problem, das viele afrikanische Länder gut kennen: Lange Dürreperioden haben dafür gesorgt, dass sich die Sahara im Norden Afrikas immer weiter ausbreitet. Alleine im letzten Jahrhundert hat sie ihre Fläche um zehn Prozent vergrößert. Üppige, grüne Landschaften verwandelten sich in vertrocknetes Ödland – und das bereits seit den siebziger Jahren.

Ein multinationales Großprojekt

Doch wie schützt man sich vor einer Wüste? In den 1980ern nahm die Idee der "Great Green Wall“ in Afrika langsam Fahrt auf. Die Vision: Ein 15 Kilometer breites und 7.775 Kilometer langes Band aus Bäumen sollte der Wüste einen Riegel vorschieben. Und dabei auch noch Unmengen an CO2 aus der Atmosphäre binden. Ein gewaltiger Plan, denn: Dieses grüne Band soll den gesamten Afrikanischen Kontinent von Ost nach West durchlaufen und dabei elf Länder durchqueren.

Das Problem heißt Bodenerosion

Das Ziel der "Great Green Wall“: Der Bodenerosion Einhalt gebieten. Für diese Zerstörung des Bodens ist der Klimawandel übrigens nicht alleine verantwortlich: Auch übermäßige landwirtschaftliche Nutzung und Abholzung der Bäume führen dazu, dass bei Überflutungen und Starkregen der fruchtbare Oberboden weggespült wird. Was dann übrig bleibt, lässt sich schlecht für die Landwirtschaft nutzen – und gefährdet somit die Ernährungssicherheit in Ländern, die ohnehin schon zu den ärmsten der Welt gehören.

Das Projekt hat eine soziale Komponente

Wenn nun also wieder Bäume auf einem breiten Grünstreifen angepflanzt werden, können sie die Windgeschwindigkeit verlangsamen und das Regenwasser in den Boden leiten. Das zumindest ist das Ziel des – zugegebenermaßen recht ehrgeizigen – Projekts.

Frauen pflanzen Bäumen in trockenen Wüstenboden
Bäume pflanzen gegen die Wüste, hier im Sudan Bildrechte: IMAGO / Xinhua

100 Millionen Hektar Land, also fast drei Mal die Fläche Deutschlands, sollen wieder fruchtbar werden. Und deswegen hat die Great Green Wall in Afrika auch eine starke soziale Komponente: 232 Millionen Menschen leben in diesem Gebiet. Die Grüne Mauer soll nicht nur garantieren, dass sie in den kommenden Jahrzehnten genug zu essen haben, sondern auch zehn Millionen Arbeitsplätze schaffen – beispielsweise beim Pflanzen und Bewässern der Gebiete.

Die Great Green Wall wächst zu langsam

Aber: Obwohl die Afrikanische Union das Megaprojekt bereits vor 15 Jahren initiierte, ist die Great Green Wall bis jetzt noch nicht existent. Es wurden zwar pro Jahr durchschnittlich rund 1,9 Millionen Hektar bepflanzt, aber das Projekt gerät zunehmend ins Stocken. Einer der Gründe: Es fehlt an Geld. Denn die Wiederherstellung von einem Hektar Land kostet im Schnitt rund 380 Euro. Trotzdem steht das Projekt noch lange nicht vor dem Aus. Anfang des Jahres haben verschiedene Geberländer auf dem "One Planet“-Gipfel ihre Unterstützung zugesagt.

Modell einer Erde dampft und ist mit Pflastern beklebt 45 min
Bildrechte: MDR Wissen

Jeder investierte Dollar könnte 20 Cent Rendite machen

Damit nimmt Afrikas Grüne Mauer wieder Fahrt auf, und: Einmal finanziert, könnte sich das Projekt bezahlt machen. Laut Berechnungen des Agrarökonomen Dr. Alisher Mirzabaev vom Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn könnte jeder investierte Dollar 20 Cent Rendite abwerfen. Beispielsweise, weil das Ökosystem Nahrungsmittel und Rohstoffe wie Holz oder auch Heilpflanzen produziert. Außerdem wird das Klima in der Region besser, die Winderosion weniger und es siedeln sich Tiere wieder an, die landwirtschaftliche Flächen in der Nähe bestäuben. Viele wünschenswerte Effekte also – die aber vermutlich erst in 30 Jahren eintreten werden. So lange dauert es, bis aus den frisch gepflanzten kleinen Setzlingen ein echter Wald wird.

Was lässt sich aus dem Projekt lernen?

Schon jetzt kann die Great Green Wall dennoch als Vorbildprojekt im Kampf gegen den Klimawandel gelten – auch hier in Europa. Weil der Klimawandel an Ländergrenzen nicht Halt macht, braucht es genau solche multinationalen Großprojekte, um Effekte zu erzielen. Die Europäische Union hat sich damit ja in der Vergangenheit eher schwer getan – und möchte mit ihrem neuen "Green Deal" genau hier ansetzen.

Außerdem wird es auch in Mitteldeutschland in den kommenden Jahren deutlich trockener werden. Im Landkreis Leipzig beispielsweise könnte zwischen 2070 und 2100 im Schnitt bis zu 20 Prozent weniger Regen fallen, als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990. Und Bodenerosion ist auch bei uns ein Thema: Sachsen-Anhalt, ohnehin das trockenste deutsche Bundesland, wird laut einer Analyse des Umweltbundesamtes besonders betroffen sein. Kluge Ideen braucht es also auch hier.

Link zur Studie

Die Studie zur ökonomischen Effizienz von Afrikas Great Green Wall gibt es hier zum Nachlesen.

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